John Le Carré: Stephen King und Gary Oldman trauern um den verstorbenen Autor

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John Le Carré, dessen Thriller in zeitloser Eleganz die Schattenseiten der Politik ausleuchteten, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Am Sonntag bestätigte seine Familie, dass er in der Nacht zum Samstag im Royal Cornwall Hospital einer Lungenentzündung erlag. „Wir alle betrauern sein Ableben zutiefst“, schrieben sie in einer offiziellen Erklärung. Verschiedene Persönlichkeiten aus Hollywood erinnern nun an den Spionage-Romanautor.

Als erfahrener Spion dem Weltgeschehen dicht auf den Fersen

In literarischen Werken wie „Der Spion, der aus der Kälte kam“, „Tinker Tailor Soldier Spy“ und „The Night Manager“ erkundete Le Carré, der ehemals selbst als Geheimdienstoffizier des M15 tätig war, die gesellschaftlichen Dynamiken hinter der politischen Bühne. Damit definierte er nicht nur die Ära des Kalten Krieges wie kaum ein anderer Literat, sondern verstand es als erfahrener Spion auch darüber hinaus dem Weltgeschehen dicht auf den Fersen zu bleiben. Vom Nahostkonflikt („Die Libelle“, 1983) über den Islamismus („Marionetten“, 2008) bis hin zum Brexit (sein letzter Roman „Federball“, 2019) entwarf Le Carré eine Welt, welche den Leser*innen fiktional die blinden Flecken seiner Wahrnehmung offenbarte und die Hinterbühne politischer Abgründe gefährlich nah abbildete.

Tribute an John Le Carré

Dies findet auch sein langjähriger Agent Jonny Geller und beschrieb ihn als „einen unbestrittenen Giganten der englischen Literatur. Er definierte die Ära des Kalten Krieges und sprach in den folgenden Jahrzehnten furchtlos die Wahrheit zur Macht … Ich habe einen Mentor, eine Inspiration und vor allem einen Freund verloren. Wir werden seinesgleichen nicht wiedersehen.“

Für Oscar-Preisträger Gary Oldman, der in der 2011er-Adaption von „Tinker Tailor Soldier Spy“ unter der Regie von Tomas Alfredson George Smiley spielte, war Le Carré der einzig wahrhaftige Herr des Spionageroman-Genres:

„Für mich war John Le Carré vieles. Er war natürlich ein sehr großer Autor, der wahre ‚Besitzer‘ des ernsten, erwachsenen, komplizierten Spionageromans – ihm gehörte das Genre tatsächlich. Alle, die ihm folgen, stehen in seiner Schuld.“

Er erinnerte weiter an die unendliche Vielzahl an bunten und facettenreichen Charakteren in seinen Erzählungen, und offenbarte, dass die Verkörperung von George Smiley zu einem der Höhepunkte seines Lebens zählte. Oldman berichtete auch von seinen persönlichen Erfahrungen mit Le Carré:

„Ich lernte David ein wenig kennen, bei Gesprächen, Mittagessen und seinen Besuchen am Set. Erstaunlicherweise war er immer am anderen Ende des Telefons, wenn wir eine Frage hatten oder eine Zeile brauchten oder um zu bestätigen, ob ein Charakter etwas Bestimmtes sagen würde. Er hatte immer sofort eine Antwort. Er war großzügig mit seiner Kreativität und immer ein wahrer Gentleman. Der wahre Spionagemeister mehrerer Generationen hat uns verlassen. Aber George Smiley und die anderen leben weiter. Danke, David.“

Auch Autorenkollege Stephen King lobte Le Carré auf Twitter als „literarischen Giganten und humanitären Geist“.

Dan Rather twitterte über die Generationen übergreifende Relevanz von Le Carrés Werken:

„Kein Schriftsteller hat die Mantel-und-Degen-Täuschung des Kalten Krieges besser eingefangen als John Le Carré. Ich habe ihn vor über 30 Jahren für 60 Minuten interviewt und ich erinnere mich an einen scharfen Verstand und durchdringende Augen. Sein Werk wird über Generationen hinweg gelesen werden. Möge er in Frieden ruhen.“


John Le Carrés Spionageoperationen beim M15

Bevor Le Carré seine Karriere beim Geheimdienst für das Autoren-Dasein aufgab, war er als Geheimdienstoffizier im britischen Auslandsdienst tätig und zog die Fäden einer Vielzahl von Spionageoperationen aus einem Hinterzimmer im MI5-Gebäude in der Londoner Curzon Street. Zum Schreiben inspiriert wurde Le Carré von seinem MI5-Kollegen, dem Romancier John Bingham, und begann nach dessen Vorbild unter dem Pseudonym John Le Carré Thriller zu veröffentlichen, geboren wurde er aber als David John Moore Cornwell.

+++ Dieser Artikel erschien zuerst auf rollingstone.de +++


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