ME 01/22

Mit Jahresrückblicks-Special & den 50 besten Alben 2021: Der neue Musikexpress ist da!

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Zum Einstieg wie immer unser „Making-Of“ aus dem hier beworbenen Printprodukt:

G-G-G-G-GEHT’S NOCH?

Was in den Achtziger Jahren noch „G-g-g-g-geil“ (Bruce & Bongo) war, ist 2021 eher einem „G-g-g-g-geht’s noch?“ gewichen. Diskussionen um 2G oder 3G prägten den gesellschaftlichen Diskurs – wenn man das aggressive Gehupe in den (sozialen) Medien überhaupt so bezeichnen konnte. Oft tauchten in diesen „Dialogen“ auch Akteure auf, für die 5G, also der Ausbau des Mobilfunknetzes, bereits eine handfeste Verschwörung darstellt.

Fazit: Ganz schön viel G dieses Jahr – und auch der gemeine Popschaffende drehte mit am Rad. John Maus und Ariel Pink protestierten beispielsweise Anfang des Jahres vor dem Capitol gegen den behaupteten „Wahlklau“ zu Ungunsten Donald Trumps, Helge Schneider brach frustriert eine corona-konforme Outdoor-Veranstaltung ab, Künstler*innen riefen zum Impfen auf, andere dagegen forderten ironisch #allesdichtmachen – und Nena gab’s ja auch noch.

2021, das war auch für die Musik ein Jahr am Rande des Nervenzusammenbruchs – zwischen Lockdown und Verheißung, zwischen Aufbruch und Regress. Über einen Mangel an Ereignissen dürfte sich zumindest niemand beschweren. Wir blicken in dieser Ausgabe zurück auf den gesammelten Irrsinn – doch keine Sorge, zur Beruhigung legen wir Musik drunter.

Der Musikexpress 01/2022 – die Themen im Überblick:

2021 – Der große Jahresrückblick

Wenn es ein Buzzword des Jahres gibt, dann DIVERSITY. Vom Kunstkurator bis zum Seifenhersteller, vom Pavement bis zum Penthouse flirren Wunsch und Wirklichkeit einer neuen kulturellen Vielfalt durch die offenen Fenster. Ist ja auch alles von der Kunstfreiheit gedeckt. Gut, dass DANGER DAN Punk und Piano verbindet und Rechtsradikale beim Namen nennt. Rap, natürlich das ewig große Ding des Jahres. Und SHIRIN DAVID seine kontroverse Reizfigur. Wie war noch gleich ihr letzter Klickrekord? Beim ME trägt allerdings LITTLE SIMZ die Krone – aber ob wir sie live sehen werden? Wir stecken in einer Zeitschlaufe, das Virus wirft uns immer wieder zurück und hält die Musik von den Bühnen fern. BOOSTERN, das andere Wort des Jahres. Das alles und noch mehr auf den folgenden Seiten.

Shirin David: „Das ist kein Deutschrapproblem, bei uns passiert es nur sehr plakativ und laut“

Sie ist die amtierende Königin des Deutsch-Rap. Schon mit ihrem Nummer-eins-Album SUPERSIZE entfachte Shirin David Kontroversen: Eine ultra-feminin gestylte, operierte Frau, die sich der Männerwelt aber nicht anbieten will und sich als Feministin bezeichnet. Wie geht das zusammen? Und erweitert sie mit Raptexten wirklich das Frauenbild der Gesellschaft? Im November wurde ihr zweites Album BITCHES BRAUCHEN RAP veröffentlicht, auf dem sie sich sowohl raptechnisch als auch politisch positioniert und Einblicke in ihren Werdegang gibt.

Roger Reckless: „Es ist wichtig, in dieses Unangenehme reinzugehen“

Als Roger Rekless aka David Mayonga ist ein bayerischer Bub vom Lande eine Säule des Münchner HipHop, wenn er auch als Teil der Live-Besetzung von Deichkind mittlerweile prominent den Norden bespielt. Der studierte Pädagoge in der Krawall-Crew – wow. Mayonga sprach in seinen Solo-Tracks offen über Depressionen und in seinem Buchdebüt vermittelte er, was Alltagsrassismus mit Schwarzem Leben in Deutschland macht. Sein neuer Podcast „Talk Black. Leben trotz Rassismus“ lässt die Erklärebene hinter sich und ist eher ein Erfahrungsaustausch innerhalb der Schwarzen Community mit Gästen wie Alice Hasters und Eunique. Und auch eine neue Serie von Singles zeigt Roger Rekless als Figur, die deutsche Schwarze Identität in vollster Gegenwart greifen kann. Too much alles? Vielleicht auch für Mayonga. Ein Gespräch über ein Jahr, das keines war.

Girl In Red: „Ich will noch viel mehr Gay-Kram!“

Kleines Hotelzimmer in Berlin-Friedrichshain. Marie Ulven, 22, alias Girl in Red, sitzt auf einem Sessel, nascht Mandarinen und Croissants zum Frühstück. „Man kann die Teile gar nicht essen, ohne fies zu krümeln, oder?“, fragt sie neckisch, den schwarzen Hoodie weit ins Gesicht gezogen. Sie hat dieses Jahr ihr Debütalbum IF I COULD MAKE IT GO QUIET veröffentlicht, das in Deutschland auf Platz 19 und in England auf Platz 7 chartete. Auf der Bühne und in ihren Texten schwingt sie die Regenbogenflagge. Nicht zuletzt mit ihren zwei Millionen Instagram-Followern ist die Norwegerin eine der größten jungen lesbischen Ikonen der Gegenwart.

Danger Dan: „Die Welt war scheiße, die Leute wollten ihre Ruhe“

HipHop-Unternehmer, Ex-Punk, Piano-Dude: Aus dem einen Danger Dan hat sich in den vergangenen zwölf Monaten die multiple Erfolgsperson des deutschen Pop entwickelt. Sein Nummer-eins-Album DAS IST ALLES VON DER KUNSTFREIHEIT GEDECKT ist die Lagerfeuer-Platte des Jahres, nur mit Klavier statt Gitarre. Erreicht hat das Album seinen Status dank eines Momentums: 2021 war das Jahr der Selbstreflexion. Bei einer solchen ist Danger Dan gerne mit dabei und spricht über eine Beinahe-Pleite, die wahren Punks von heute und den besten Songwriter der Republik. Los geht’s mit der Grafik einer Kurve, die ein auf und ab mit vier Peaks zeigt – und die sich Danger Dan interessiert und mit einem Lächeln im Gesicht genauer betrachtet.

Die 50 besten Alben des Jahres

Welche Acts haben sich in der Bestenliste durchgesetzt, wen hat es runtergedrückt?

Außerdem im Heft:

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Der neue Musikexpress – vom 09. Dezember 2021 an am Kiosk sowie von Zuhause aus als E-Paper erhältlich


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