Spezial-Abo

Mord an George Floyd: Jay-Z telefoniert mit Gouverneur von Minnesota über gerechten Strafprozess

von

Aus Solidarität und als Zeichen des Protests legen heute große Teile der Musikindustrie die Arbeit nieder. Die drei Major-Labels Warner, Sony und Universal haben sich einem Aufruf in den USA angeschlossen, dass es an diesem Dienstag kein „business as usual“ geben soll – stattdessen einen „Blackout Tuesday“.

Die Musikmarken Rolling Stone, Musikexpress und Metal Hammer schließen sich den Aufruf zum „Black Tuesday“ an und veröffentlichen heute ausschließlich Nachrichten und Berichte zum Thema Rassismus und zu den Protesten dagegen.

Hintergrund der Solidaritäts-Aktion ist die anhaltende Polizeigewalt gegen Afroamerikaner*innen und die Tötung von George Floyd durch Polizeibeamte in der vergangenen Woche. Minutenlang hatte ein Polizist sein Knie auf den Hals des 46-jährigen Afroamerikaners gedrückt und trotz dessen verzweifelten Hilferufen („I can’t breathe“) nicht von ihm abgelassen. Floyd starb kurz darauf.

Der Tod von George Floyd hat eine immer größer werdende Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA ausgelöst. Und eine gesellschaftliche Diskussion über ihre Ursachen.

Am Sonntag, den 31. Mai 2020, verkündete der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, dass Keith Ellison die Führung bei den Anklagen gegen die vier Polizei-Beamte übernehmen werde, die für den Tod von George Floyd verantwortlich seien. Ellison fungiert aktuell als Generalstaatsanwalt von Minnesota. Die Entscheidung sei unter anderem dem US-Rapper Jay-Z zu verdanken, erklärte Walz.

Während einer Pressekonferenz am Sonntag, den 31. Mai, erzählte der Politiker: „Gestern Abend erhielt ich einen Anruf von Jay-Z. Nicht [als] internationaler Künstler, sondern [als] Vater, der mir gegenüber betonte, dass der Gerechtigkeit Genüge getan werden müsse“, so Walz. Daraufhin postete Jay-Z ein Statement auf dem Twitter-Kanal seiner mitgegründeten „REFORM Alliance“. Er schrieb, dass er ein „ernsthaftes Gespräch“ mit Walz geführt habe und dankte ihm dafür, „dass er das Richtige getan und den Generalstaatsanwalt Keith Ellison zur Übernahme des Falls George Floyd hinzugezogen hat.“ Der Interessenverband „REFORM Alliance“ wurde mitunter von Jay-Z gegründet und verfolgt das Ziel „die Zahl der Menschen, die zu Unrecht unter der Kontrolle des Strafrechtssystems stehen, drastisch zu reduzieren“, wie es auf der offiziellen Website heißt.

Jay-Z schrieb weiterhin: „Ja, ich bin ein Mensch, ein Vater und ein schwarzer Mann, der leidet, und ich bin nicht der einzige. Nun fordere ich, zusammen mit einem ganzen Land in Leid, Keith Ellison auf, das Richtige zu tun und alle Verantwortlichen für die Ermordung von George Floyd im vollen Umfang des Gesetzes in Rechenschaft zu ziehen.“ Der Rapper fuhr fort: „Ich fordere jeden Politiker, Staatsanwalt und Polizeibeamten im Land auf, den Mut zu haben, das Richtige zu tun. Habt den Mut, uns als Menschen zu betrachten, als Väter, Brüder, Schwestern und Mütter, die leiden, und euch dann selbst anzuschauen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Jay-Z gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Afroamerikaner einsetzt. Bereits im Jahr 2018 produzierte der Rapper eine Doku-Serie über den Mord an dem unbewaffneten 17-jährigen Afroamerikaner Trayvon Martin, der im Jahr 2012 vom selbst ernannten Nachbarschaftswächter George Zimmerman erschossen wurde. Der Todesfall Trayvon Martin gilt als Geburtsstunde der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung „Black Lives Matter“.


Rapper Casanova wird wegen eines Interviews die Kaution verwehrt
Weiterlesen