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Sido, Haftbefehl und Kool Savas veröffentlichen Video zu „4 Uhr Nachts“ – und langweilen extrem

Treffen sich drei Schwergewichte des Deutschraps auf einer Berliner Autobahn. Klingt erst einmal nach Stoff für ordentlich Beef – doch nicht 2018. Deutschrap ist längst behäbig und gefällig, seit seinem gesellschaftlichen Abgesang im Anschluss an die Kollegah-Farid-Bang-Auschwitz-Echo-Kontroverse scheint das Genre in einem komatösen Zustand dahinzuvegetieren – und genau den zelebrieren nun Sido, Ex-Gangsta-Rapper-turned-Schlagerrapper-turned-Kinderhörspielmacher, Kool Savas, selbsternannter „King Of Rap“ (anno 2001), und Haftbefehl, Chabo-Babo und großer Isolation-Berlin-Fan.

In ihrem gemeinsamen Track „4 Uhr Nachts“ spielen die drei Rapper Auto-Quartett, Reallife-Version: Hier mein AMG, da mein Ferrari, hinten im Kofferraum das ganze Koks, das ich durch Europa fahre. Das ist leider extrem einfallslos, vor allem wenn Sido in der Hook ernsthaft rappt: „Mit 700 Pferden König Artus/bis der Kommissar fragt: „Was’n da los?“ Allen Hörern, die da bereits das Urteil „pubertäre Angeberei“ fällen wollen und denen das Wort „Schwanzvergleich“ auf der Zunge liegt, kommt Sido jedoch zuvor: „Ich fahre dicke Autos, auch mal den mit diesem Hengst/und trotzdem hab‘ ich nicht so’n kleenen Penis wie du denkst.“ Klingt dann irgendwie doch sehr stark nach, nunja, Schwanzvergleich.

In diesen Duktus setzen auch Haftbefehl und Savas ein: Hafti erzählt von seiner krassen Karre, den vielen harten Drogen und „Schlampen“, die er bei sich hat. Und dass er nicht „im Gymnasium“ herumhängen müsse, der Straße sei Dank, während Savas von Verkehrskontrollen berichtet und erklärt, er würde nicht kiffen, weil ihm sein Führerschein heilig sei. Was für eine Moral! Insbesondere, wenn man in dem Video eine Frau sieht, die offensichtlich von einem Autofahrer zum Oralsex genötigt wird.

Irgendwie ja aber auch knuffig, wie Sido im Vorfeld der Veröffentlichung seiner Best-Of-Werkschau-Box „Kronjuwelen“ versucht, verlorengegangene Street Credibility zurückzugewinnen – umso knuffiger, wenn er eben jene Härte, die „4 Uhr Nachts“ und das dazugehörige Video präsentieren sollen, im Abspann mit der Schnulze „Tausend Tattoos“ konterkariert.

Sidos „Kronjuwelen“ erscheinen am 7. Dezember und enthalten eine Doppel-CD sowie einen exklusiven Bildband. 


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