Die besten Alben von Talk Talk (und aus ihrem Umfeld) im Überblick

Talk Talk – IT’S MY LIFE (1984)

Anders als beim Debüt wurden Talk Talk hier nicht auf Duran Duran gebügelt, und auch Hollis‘ Songwriting hat sich meilenweit von den „New Romantic“-Anfängen entfernt. Mit „It’s My Life“, „Dum Dum Girl“ und „Such A Shame“ gibt es gleich drei veritable Hit-Singles, die gar nicht mal so einfältig sind, wie sie klingen. Das Keyboard schliert aber noch, und vor allem dem Schlagzeug hört man seine Herkunft aus dem Computer noch allzu sehr an.

Talk Talk – THE COLOR OF SPRING (1986)

Kooperation

Was für Radiohead THE BENDS, das ist für Talk Talk THE COLOR OF SPRING – eine Übergangsplatte, bei der sich das Beste der Vergangenheit mit Ahnungen des Kommenden mischt. Songs wie „April 5th“ lassen in ihrer Ruhe bereits erahnen, wohin die Reise geht, „Life’s What You Make It“ zeigt die Band hingegen noch einmal im Hit-Modus. Alle Spuren des Synthpop sind getilgt, erste Fühler in den Akustik-Prog späterer Tage ausgefahren. Sehnsüchtig und melodisch, vorangetrieben vor allem von der dynamischen Bass-Arbeit von Paul Webb, präsentieren Talk Talk sich als eine Band, die ernst genommen werden muss.

Talk Talk – SPIRIT OF EDEN (1988)

Das Album… also DAS Album. Die erste Seite des Vinyls ist ein einziges Stück, bestehend aus „The Rainbow“, „Eden” und „Desire“ – eine Suite von 23 Minuten, wie weiland zur Hochphase progressiver – im Sinne von: wahrhaft wagemutiger – Rockmusik. Manchmal werden sieben oder acht Instrumente gleichzeitig gespielt, ohne dass der Hörer davon tatsächlich Notiz nimmt. So luftig, präzise und ökonomisch wurde hier gearbeitet. „Desire“ dagegen schwankt mehrmals von ambienter Stille bis zu regelrechten akustischen Gewaltausbrüchen. „I Believe In You“, wenngleich eines der experimentellsten Stücke auf dem Album, wurde – gekürzt – als Single ausgekoppelt. Pures Glück, wenn der Chor einsetzt.

Talk Talk – LAUGHING SHOCK (1991)

Noch perfekter, noch minimalistischer als SPIRIT OF EDEN. Ein weiteres Meisterwerk – und die erste Talk-Talk-Platte, die sich vom Vorgänger nicht erheblich unterscheidet, erweitert nur um noch mehr Bläser, defekte alte Synthesizer und mittelalterliche Instrumente. Angeblich sollen für jede auf dem Album verwendete Minute mehrere Stunden eingespielter Musik verworfen worden sein. Alle Stücke sind von Hollis und Friese-Greene komponiert, die kongeniale Rhythmusgruppe bleibt außen vor. Auflösung, wohin man schaut, sogar in den Texten: Aus ganzen Sätzen sind hingetupfte Worte geworden. Groß.

O.Rang – HERD OF INSTINCT (1994)

Nach der Trennung der Band machte sich die Rhythmusgruppe Paul Webb und Lee Harris mit O.Rang selbstständig, und erkundete weiter die Pfade des Postrock, den Talk Talk gewissermaßen erfunden hatten. Wo zuletzt eine Ahnung von Dub war, sind nun echte Reggae-Exkursionen, weltmusikalische Einflüsse. Und im Mittelpunkt, wo zuvor der Song stand, steht diesmal der Jam.

Mark Hollis – MARK HOLLIS (1998)

Wer SPIRIT OF EDEN und LAUGHING STOCK liebt, hat MARK HOLLIS längst im Regal stehen. Es ist das Album, das Talk Talk seiner Plattenfirma Polydor noch schuldete – eingespielt von Hollis solo, begleitet von „befreundeten Musikern“. Mit dem Klavierstück „The Colour Of Spring“ gibt es einen textlichen Verweis auf frühere Tage, wenngleich wir uns hier musikalisch auf einem anderen Planeten befinden. Hollis: „Je mehr du dich auf die Musik einlässt, umso mehr gibt dir die Musik.“ Da hatte er recht. Wer sich absolut auf diese Musik einlässt, der braucht eigentlich keine andere mehr. Musik für die einsame Insel.

Talk Talk – MISSING PIECES (2001)

Anders als frühere Compilations von Talk Talk, gibt es hier alternative Aufnahmen und verworfene Skizzen aus der kreativen Hochphase der Band zu hören. Die Instrumentals „5:09“ und „Stump“ sind völlig ins Abstrakte entrückte Klangcollagen, die als ein Making-of von SPIRIT OF EDEN gehört werden können. Und „Piano“, das offiziell letzte Lebenszeichen von Talk Talk, ist eine sehr reduzierte Piano-Etüde, in deren Mittelpunkt – was sonst – die Stille steht.

Weitere Highlights


„Heaven bless you in your calm – my gentle friend“: Nachruf auf Mark Hollis
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