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Kritik

„The Boys“ auf Amazon Prime: Wer ist jetzt hier der Superheld?

1. Die Relativierung des Superhelden-Status erweckt neue Superkräfte

Nachdem unzählige DC– und Marvel-Comics mit Superhelden den Weg auf die Kinoleinwand und zu den Streamingdiensten gefunden haben und die immergleichen Handlungen irgendwann sehr vorhersehbar werden, kann eine neue Perspektive auf das Heldenthema nicht schaden. Die Serie „Powers“ unternahm bereits 2015 den Versuch, mit der Figur Christian Walker einen Superhelden ohne Superkräfte zu etablieren; „The Tick“ wiederum zog die Superhelden-Nummer 2017 mit einem introvertierten Buchhalter als Sidekick ins Absurde.

Die neue Serie „The Boys“ (basierend auf der Comicvorlage von Garth Ennis und Darick Robertson) geht noch einen Schritt weiter und macht die Superhelden zu Popstars mit mehr Nach- als Vorteilen. In der ersten Liga spielen hier die Mitglieder von „The Seven“: Der egomanische Anführer Homelander (Antony Starr) mit seinem grotesken Stars-and-Stripes-Umhang, seine frustrierte Ex-Partnerin Queen Maeve (Dominique McElligott), der schnellste Mann der Welt A-Train (Jessie T. Usher), der mit einem kleinen Suchtproblem kämpft, der sexuell sehr übergriffige The Deep (Chace Crawford), der stumme Black Noir (Nathan Mitchell), der unsichtbare Translucent (Alex Hassell) und die junge Newcomerin Starlight (Erin Moriarty), die immerhin versucht, ein bisschen Female Empowerment in das Superhelden-Business zu bringen.

Selbstverständlich haben sie alle eine besondere Fähigkeit, sind aber gleichzeitig dem Popstar-Klischee näher, als es Superhelden je zuvor waren – mit klassischen Charaktereigenschaften wie Narzissmus, Selbstzweifeln, Zukunftsängsten und generellem Realitätsverlust.

Als A-Train die Freundin des jungen Elektronikverkäufers Hughie Campbell (Jack Quaid) namens Robin auf der Straße überrennt und zerfetzt, nimmt die Geschichte ihren Lauf, in dem die Rolle der Superhelden auf verschiedensten Ebenen grundlegend in Frage gestellt wird.

2. Der ewig größte Bösewicht bleibt der Kapitalismus

In „The Boys“ prallen makellose Fantasiewelt und traurige Realität unsanft, aber mit Absicht aufeinander. Das Superhelden-Business wird nämlich minutiös gesteuert, inszeniert und manipuliert, vom höchsten Wolkenkratzer in New York aus, wo der Multimilliarden-Dollar-Konzern Vought Studios das Geschäft übernommen und zu einer turbokapitalistischen Merchandise- und Eventmaschine degradiert hat. Die Superhelden finden sich in Videospielen, in Blockbuster-Filmen, auf Comic-Conventions, in Freizeitparks, bei christlichen und humanitären Wohltätigkeitsveranstaltungen, auf Twitter und Instagram sowie natürlich auf dutzenden von Merchandise-Produkten wieder. Die Rettung der Menschheit spielt dabei eine untergeordnete Rolle, sofern sie nicht der Gewinnmaximierung dient.



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