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Nachbericht & Fotos

Drin und weg: The Strokes spielen ein zeitlos altmodisches Konzert in Berlin


Berlin ist bekanntlich die Spektakel-Hauptstadt Festland-Europas. Ständig geht hier irgendein Pet Shop Boy Mandelmilch kaufen. Andauernd erscheint einem talentierten Schlafzimmer-Produzenten aus Yorkshire im „Berghain“ Gott. Oder es schiebt sich einem Julian Casablancas nachts um halb drei am Eingang in die Mitte-Bar entgegen, die man gerade zu verlassen im Begriff ist – aber das ist eine andere Geschichte.

Doch dass die Strokes in der Hauptstadt spielen, ist dann selbst für die Berliner und ihre ganzjährigen Couch- und Hostel-Gäste etwas Besonderes, weil die Strokes das nur etwa alle 14 Jahre tun. Deshalb kommen die, die in der Online-Ticketlotterie ihren Warenkorb tatsächlich ins Ziel schieben durften, sogar extra herbeigejettet und verflixibussen sich morgen auch gleich wieder, nach München oder Warschau oder Münster.

Deutlich aufgeregter sind sie, als Mitt-Dreißiger (geschätzter Altersdurchschnitt) das sonst so zu zeigen bereit sind. Und allein durch das Hervorsprudeln der Binsenweisheit, dass man seine Lieblingsband von vor 15 Jahren tatsächlich noch nie live gesehen hat, lassen sich zehnminütige Zustimmungs-Orgien in der Bierschlange feiern. Klar, von einer richtigen Europa-Tour zu ihrem für den 10. April angekündigten sechsten – von Rick Rubin produzierten – Album THE NEW ABNORMAL geht auch diesmal niemand aus, der nicht schon ordentlich Wegbier hatte.

Diesmal liefern sie ab

Schade, wirklich. Denn auch wenn The Strokes bei ihrem Unterstützungsgig für den US-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders kürzlich einen eher verblasenen Eindruck gemacht haben (aber immerhin von New Hampshire Cops von der Bühne beordert werden mussten) und der von seinem ersten Bühnen-Step (in unvermeidlichen Converse-Tretern) an ziemlich derangiert wirkende Sänger Julian Casablancas – Wegbiere? – einem das Gefühl gibt, als könnte hier heute Abend noch irgendein Doherty’sches Missgeschick passieren: Diesmal liefern sie ab.

Bespielen, wie bei einer guten Garagen-Rock-und-Roll-Kapelle üblich, das immerhin Parkdeck-große Auditorium der Columbiahalle (für die Strokes dennoch ein Clubkonzert) einfach wie die vierte Wand ihres Proberaums. „Humorlos“ wie man sagt, obwohl man konzentriert meint. Dieses entscheidende kleine Bisschen zu laut. Beständiges Scheppern eingepreist, die nicht wenigen für unser Jahrhundert längst rockhistorischen Gitarren-Riffs aber doch prägnant genug, dass sie die Leute mitsingen können. (Auch so eine scheußliche Angewohnheit des modern-extrovertierten Menschen.)



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