Ausbeutung von Ghostwriter*innen – Shirin David antwortet auf schwere Vorwürfe

von

Vergangenen Sonntag, den 13. Dezember veröffentlichte die Rapperin Shirin David ihr vielbeachtetes Video zu „Babsi Bars“, das vor allem wegen des starken Inhalts gelobt wurde. Der Text soll allerdings gar nicht von ihr stammen. Eine Künstlerin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Musikerin.

Schlechte Bezahlung, keine Credits und Verschwiegenheitsklauseln

Auf die Vorwürfe, Shirin David hätte den Text zu „Babsi Bars“ nicht selbst geschrieben, die sich bereits in den Kommentarspalten unter ihrem neuen Video ansammelten, reagierte die Rapperin noch recht gelassen. Schließlich sei es kein Geheimnis, dass „90% Deutschrap von diversen, nicen Ghostwritern“ geschrieben werde, die auch Credits verdient hätten.

Die Künstlerin Yasmin Ayhan reagierte auf diese Aussage in einem längeren Statement auf Instagram, in dem sie schwere Vorwürfe gegen die 25-Jährige erhebt. In ihren Augen würden Ghostwriter*innen bei Shirin David nicht genügend Gage bekommen und außerdem namentlich nicht erwähnt werden. Dabei seien Ghostwriter*innen maßgeblich für den Erfolg der Musikerin verantwortlich und hätten sogar ihr ganzes Debütalbum geschrieben.

„Ein Ghostwriter schreibt dir nicht nur deinen Text, er performt das auch noch für dich, also er performt es ins Mic rein und du musst es nur nachmachen, das ist deine Aufgabe. Nicht mal der Flow ist von ihr selbst, nichts ist von ihr.“

Außerdem seinen Writer*innen dazu verpflichtet, bei Produktionen Verschwiegenheitsklauseln zu unterschreiben. Zwar werden von Yasmin Ayhan keine Quellen für ihre Aussagen genannt, jedoch gibt sie an, dass man sich untereinander kenne und die Writer-Community überschaubar sei.

„Geisteskranke Vorwürfe“

Die Kritik erreichte schließlich auch Shirin David, die in einem eigenen Statement auf die einzelnen Kritikpunkte, die sie als „geisteskrank“ und „ugly“ bezeichnet, eingeht. Bei ihr würden in der Regel alle Mitarbeiter*innen, die sie nicht persönlich kenne, die erwähnten Erklärungen unterschreiben. Schließlich könne es bei ihren Sessions zuweilen sehr persönlich und emotional werden und es ginge lediglich um ihre persönliche Absicherung und nicht um Knebelverträge. Es handle sich dabei außerdem nicht nur um eine allgemeine und gängige Praxis im Musikgeschäft, sondern um eine „Sache des Respekts“.

Bei dem Vorwurf der Ausbeutung von Texter*innen wird es dann sehr emotional. Shirin David sei nicht nur die Erste gewesen, die aus der Arbeit mit Ghostwriter*innen kein Geheimnis mache, im Gegenteil würde sie sogar die Namen aller involvierten Person preisgeben. Auch hätte sie sich dafür eingesetzt, dass der hauptverantwortliche Texter ihres Albums die meisten GEMA-Rechte bekommt. Leute auszubeuten, vor allem dann, wenn sie selbst Erfolge feiere, erscheine ihr nicht nur unsinnig, sondern widerspreche auch ihrem Wertekodex.

„Ich komme von zu Hause, wo wir nichts hatten, und ich wäre der größte Bastard, wenn ich meine Leute nicht bezahle, das liegt nicht in meiner Natur, das liegt nicht in meinem Blut und das liegt nicht in meinen Werten und meinen Prinzipien.“

Den massiven Widerstand gegen ihre Person erklärt sie sich durch ihren HipHop-untypischen Hintergrund [Shirin David wurde zunächst als YouTuberin bekannt, Anm. d. Red.] und ihr selbstbewusstes Auftreten als Frau in der Deutschrap-Szene. Zum Schluss stellt sie die Frage in den Raum, warum der Vorwurf der Ausbeutung ausgerechnet sie erreiche und nicht ihre männlichen Kollegen, von denen einige ihren Texter*innen nicht einen Cent zahlen würden.

Shirin David spendet 10.000 Euro für die deutsche Battle-Rap-Szene

Dass die Rapperin durchaus gewillt ist, der Deutschrap-Szene ihren Tribut zu zollen, bewies kürzlich ein Akt spontaner Großzügigkeit. Nach einem Spendenaufruf der Battle-Rap-Plattform „Don’t Let The Label Label You“, die durch die aktuelle Corona-Situation in finanzielle Nöte geraten ist, landeten plötzlich 10.000 Euro auf dem Spendenkonto. Die Spenderin trägt den Namen „Shirin David“. Statt einem öffentlichem Statement der Musikerin, gab es lobende Kommentare von Betreiber*innen und Fans der Plattform, die den Akt als „Ehrenmove“ abfeierten.


„Der Prinz aus Zamunda 2” bei Amazon Prime Video: Weder „woke” noch witzig
Weiterlesen

3 Monate MUSIKEXPRESS nach Hause

Grafik Abo 3 Ausgaben für 9,95 €