Bei Depressionen und Selbstmordgedanken: Wo Ihr Hilfe und Unterstützung finden könnt

Der Tod von Linkin-Park-Sänger Chester Bennington kam unerwartet und wurde auch über dessen Fangemeinde hinaus als Schock aufgenommen. Ein „unnötiger Tod“, wie viele auf Facebook & Co. kommentieren, es hätte ihm doch geholfen werden können. Bennington litt an Depression, Alkohol- und Drogenproblemen und gab offen zu, bereits mit Selbstmordgedanken gekämpft zu haben, da er als Kind missbraucht wurde. Mit nur 41 Jahren beendete der Musiker und sechsfacher Vater sein Leben. Trotz seiner Karriere und Familie konnte er dem psychischen Druck offenbar nicht standhalten und muss den Selbstmord als die einzig mögliche Lösung gesehen haben, um sein Leid zu beenden.

Den Hinterbliebenen, den Fans und uns allen bleibt nur die Möglichkeit, vorzubeugen und Menschen mit Depressionen die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken, damit sie nicht an den Punkt gelangen, den Chester Bennington und auch Chris Cornell, der am 18. Mai dieses Jahres starb, als offenbar einzigen Ausweg sahen. Oft können Betroffene ihre Situation nicht in Worte fassen, trauen sich nicht ihre Gedanken und Gefühle nach außen zu tragen oder wissen schlichtweg nicht, an wen sie sich wenden können. Da das Umfeld der Personen eine Depression nicht sofort erkennt, gibt zum Beispiel die „Deutsche Depressionshilfe“ Tipps zur Selbsthilfe für Betroffene.

Telefonseelsorge, Chats, Online-Foren

Grundsätzlich sei beim Verdacht auf eine Erkrankung ein Arzt aufzusuchen. Der Allgemeinmediziner ist als erste Anlaufstelle vollkommen ausreichend. Er kann dem Patienten erste Informationen aushändigen und an Psychologen und Therapeuten weitervermitteln. Eine Depression kann aber auch mit Lustlosigkeit einhergehen und einem Menschen jegliche Motivation rauben mit Freunden oder Fremden persönlich zu kommunizieren. In diesem Fall kann auf die Telefonseelsorge zurückgegriffen werden, die man unter der 0800/111 0 111 oder 0800/111 o 222 rund um die Uhr erreichen kann. Auf der Webseite www.telefonseelsorge.de wird außerdem eine Beratung via Mail, im Chat sowie persönlich angeboten, falls man einen anderen Weg gehen möchte.

Die „Deutsche Depressionshilfe“ empfiehlt außerdem Online-Foren, Literatur, Filme und Reportagen. Online-Foren sind separat für Erwachsene und Jugendliche gestaltet, genau wie die Telefonseelsorge. Jugendliche können die 0800/11 10 333 wählen oder nähere Infos bei „Nummer gegen Kummer“ einsehen. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe, falls man nicht mit Freunden oder Familienmitgliedern sprechen möchte, ist auch eine Option. Derartige Gruppen in Wohnortnähe kann man auf www.nakos.de finden oder sich dort zunächst über diese Möglichkeit in aller Ruhe informieren.

Bei Notfällen eine Klinik aufsuchen

Bei akuten Notfällen helfen leider weder Literatur noch Chats. In diesem Fall, zum Beispiel bei drängenden und konkreten Suizidgedanken, sollte eine psychiatrische Klinik oder der Notarzt (unter der Nummer 112) aufgesucht werden. Auf der Seite der Depressionshilfe besteht die Möglichkeit eine Klinik, Krisendienste und Beratungsstellen im näheren Umkreis zu suchen.

Angehörige sind zu Aufmerksamkeit aufgerufen

Depressionen können unterschiedliche Gründe und Auslöser haben, von traumatischen Erlebnis bis hin zu genetischen Faktoren. Eine verwertbare Diagnose können nur Fachärzte feststellen. Die Krankheit kann zunächst mit häufigem Nachdenken und negativen Gedanken beginnen und starke Einschränkungen im Alltag nach sich ziehen, wenn der Betroffene keine Motivation mehr verspürt, an Schlafstörungen leidet und kaum aus dem Bett kommt. Weitere Symptome können ständige Müdigkeit, Schuldgefühle, fehlendes sexuelles Interesse und Konzentrationsschwierigkeiten sein.

Häufig fällt es den Erkrankten schwer zu erkennen, dass sie an einer Depression leiden. Menschen aus dem näheren Umfeld sollten Bekannten, die abgeschlagen und lustlos wirken, die Möglichkeit für ein privates Gespräch bieten und sich lieber häufiger nach dem Wohlbefinden erkundigen statt ein Mal zu wenig. Die Unlust der Betroffenen kann auch dazu führen, dass sie keine Kraft haben, sich selbst um Hilfe zu kümmern. Daher sind Freunde und Familie aufgerufen selbst Kontakt z.B. zu einem Arzt oder einer Selbsthilfegruppe herzustellen, um dem Erkrankten zu helfen. Dabei sind Aufmerksamkeit und Feingefühl gefragt. Beim „Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen“ wird ebenjenen Menschen geholfen, die ihre Angehörigen unterstützen möchten.

Organisationen und Verbände

Die „Deutsche Depressionshilfe“ ist natürlich nicht die einzige Anlaufstelle in Deutschland. Für Informationen und Hilfe können sich Betroffene und Angehörige von Erkrankten bei der Diakonie und Caritas melden, aber auch beim „Aktionsbündnis Seelische Gesundheit“. Eine Liste hilfreicher Organisationen und Verbände findet Ihr hier.


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