Die 10 besten Serien der 90er Jahre

Im ME.Movies-Magazin 01/2016 hat die Redaktion die besten Serien aller Zeiten gewählt. Und zwar jeweils unterteilt nach dem Jahrzehnt, in dem sie erschienen sind. An dieser Stelle präsentieren wir Euch die Top 10 der besten Serien der 1990er-Jahre. Selbstverständlich mit umfassender Begründung. Von Birgit Fuss (bf), Max Gösche (mg) und Daniel Krüger (dk).

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Der Serienboom der letzten Jahre hatte hier seine Anfänge. Was heute „Hannibal“, „Stranger Things“ oder „Game Of Thrones“ ist, waren früher TV-Formate wie „Profiler“, „Akte X“ und „Emergency Room“. Falls Ihr davon etwas verpasst haben solltet, zum Nachholen ist es noch lange nicht zu spät:

10. Party of Five

USA, 1994-2000, mit Matthew Fox, Neve Campbell, Scott Wolf

Waisenkinder, das wissen wir seit „Oliver Twist“, gehen immer. Mit denen hat jeder automatisch Mitleid, deren Schicksal interessiert alle. „Party Of Five“ musste also ein Erfolg werden: Die Salinger-Kinder haben ihre Eltern durch einen Autounfall verloren, jetzt müssen sie sich allein durchschlagen. Der Älteste, Charlie (Matthew Fox, später der Anführer bei „Lost“), kriegt leider nichts auf die Reihe, nicht mal seine zahlreichen Liebschaften, also muss der 16-jährige Vernunftsbrocken Bailey (Scott Wolf) alles für die Familie regeln. Seine Schwester Julia (Neve Campbell) ist ein bisschen jünger und ein pubertierendes Problembündel, die kleine Claudia (Lacey Chabert) eine hochbegabte Nervensäge, und ein Baby gilt es auch noch zu versorgen. Genug Stoff für sechs Staffeln mit 142 Folgen.

Julia (Neve Campbell), Charlie (Matthew Fox), Claudia (Lacey Chabert), Bailey (Scott Wolf) und Sarah (Jennifer Love Hewitt)(v.l.).
Julia (Neve Campbell), Charlie (Matthew Fox), Claudia (Lacey Chabert), Bailey (Scott Wolf) und Sarah (Jennifer Love Hewitt)(v.l.).

Bei „Party Of Five“ gab es nach dem Trauma durch den Verlust der Eltern ein Drama nach dem anderen, von Drogenmissbrauch über häusliche Gewalt bis zu Krebs und weiteren Krankheiten. Das ganze Leben der Salingers schien in Sepia-Farben getaucht, nichts war unkompliziert, aber auch gar nichts. Manche Menschen konnten das nicht aushalten – ich wurde einmal gefragt, warum ich das überhaupt anschaue, „da ist alles nur schrecklich“, und das stimmte wohl auch, aber es war ein wohliger Grusel. Denn trotz aller Tragödien, Katastrophen und Verletzungen war immer klar, dass die Salingers zusammenhalten, nicht auf eine scheinheilige „Wir sind nun mal eine Familie“-Weise, sondern aus Verzweiflung und Selbstschutz: Kein anderer konnte sie verstehen, sie hatten nur einander.

Im Vergleich zu Darren Stars „Beverly Hills, 90210“ (1990- 2000) und „Melrose Place“ (1992-1999) war „Party Of Five“, obwohl in San Francisco angesiedelt, so unkalifornisch wie ein grauer Regentag. Was Grunge in der Rockmusik war, war diese Serie im Fernsehen: der Beweis, dass aus Schmerz und Schmutz doch noch etwas Schönes entstehen kann. (bf)

9. Beavis & Butthead

Die zwei Cartoon-Charaktere Beavis und Butthead trafen damals den Puls der Zeit.
Die zwei Cartoon-Charaktere Beavis und Butthead trafen damals den Puls der Zeit.

USA, 1993-1997

Es war die Zeit, bevor jeder kaum prominente Vollidiot in jeder zweiten Sendung irgendwelche Video-Schnipsel kommentierte. Auch war damals infantiles Benehmen und Fäkalsprache noch etwas Ungewöhnliches im Fernsehen, und so saßen 1993 Millionen fasziniert vor MTV und diesen zwei Comicfiguren, die ihrerseits auch ständig auf einer Couch lümmelten, sich Musikclips und Filmausschnitte anschauten und hysterisch lachten, von kurzen Sätzen wie „This sucks!“, „Cool!“ und „Dumbass!“ unterbrochen. Beavis und Butthead liebten Heavy Metal und sagten die gnadenlose Wahrheit über die Kunst von Yoko Ono, sie nannten Bono immer „Boner“, und ihre Expertise zu Tom Waits wurde in manchen WGs noch jahrelang zitiert: „He’s a great singer, but he can’t write songs.“

Deutsch synchronisiert war das alles nur halb so komisch, es musste schon das Original sein. Die zwei waren so amerikanisch wie ihr Erfinder Mike Judge, der den Beavis gleich selbst krächzte. Anfangs regten sich noch einige Heavy-Metal-Fans auf, dass diese Genre-Vertreter so stumpf wirkten, so misogyn und wenig eloquent, aber irgendwann lachten dann doch alle. Judge hatte das geschafft, weil zu spüren war, dass er die beiden Klapskallis liebte und mit ihnen litt, wenn sie wieder mal in der Schule oder bei ihren mies bezahlten „Burger World“-Jobs versagten, wenn sie sich sinnlos Nachos reinschoben und von den Frauen träumten, die sie niemals bekommen würden.

2011 gab es eine Neuauflage, aber Beavis und Butthead waren aus der Mode gekommen wie MTV, und Mike Judge hatte bald darauf eine neue Idee: In der fiesen Sitcom „Silicon Valley“ seziert er das armselige Leben der Soziopathen, die heutzutage unser „soziales“ Leben im Internet bestimmen. Nur eine andere Art von Nerds – und nicht sympathischer. (bf)

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