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Fast nur Männer nominiert: Die GEMA bekommt gerade einen kleinen Shitstorm

Man sollte meinen, im Jahr 2018 sei die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann eigentlich etwas fortgeschrittener. Doch nicht zuletzt die #metoo-Debatte oder die Diskussion bei den 60. Grammys (über die Rolle von Frauen in der Musikindustrie) haben gezeigt, das noch eine ganze Menge Arbeit vor uns liegt.

Und wer gedacht hat, das Problem sei doch eigentlich keines, weil die größten Popstars unserer Zeit Beyoncé, Taylor Swift und Pink heißen oder denkt, das Ganze sei eher eine US-amerikanische Debatte, für den kommt hier der Gegenbeweis. Am 15. März verleiht die GEMA zum zehnten Mal den Deutschen Musikautorenpreis. Eine siebenköpfige Jury hat im Vorfeld für jede der sieben Kategorien je drei Nominierte ausgewählt. Nur so viel gesagt: Der Frauenanteil liegt unter fünf Prozent.

Hier die Liste der Nominierten:

Komposition Audiovisuelle Medien: Lorenz Dangel, Enis Rotthoff, Andreas Weidinger
Komposition Dance/Elektro: Christian Löffler, Alva Noto (Carsten Nicolai), Martin Stimming
Komposition Experiment Stimme: Claus-Steffen Mahnkopf, David Moss, Sergej Newski
Komposition Rock/Metal: Chris Harms (Lord Of The Lost), Kreator (Christian Giesler, Miland Petrozza, Jürgen Reil, Sami Yli-Sirniö), Rammstein (Richard Kruspe, Paul Landers, Till Lindemann, Christian Lorenz, Oliver Riedel, Christoph Schneider)
Komposition Solokonzert: Sven-Ingo Koch, Philipp Maintz, Michael Pelzel
Text Hip-Hop: Prinz Pi (Friedrich Kautz), Kool Savas (Savaş Yurderi), Ufo 361 (Ufuk Bayraktar)
Text Pop: Balbina Jagielska, Gisbert zu Knyphausen, Marcus Wiebusch

Fällt wem etwas auf? Unter den 21 Nominierten finden sich viele bekannte Künstler – aber neben Rammstein, Gisbert zu Knyphausen oder Prinz Pi mit Sängerin Balbina nur eine einzige Frau (und die hätten wir beim offiziellen Nominierten-Poster fast übersehen). Als die Nominiertenliste auf der Facebookseite der GEMA bekannt gegeben wurde, hagelte es Kritik.

Viele User können schlichtweg nicht nachvollziehen, wieso es nur eine einzige Texterin nun die Chance hat den Preis zu gewinnen. Die GEMA fügte nach den ersten kritischen Posts den Hashtag „#wirfeierndiemusik“ hinzu, um zu betonen, dass es bei der Auswahl der Nominierten keinesfalls um Geschlechterfragen ginge. Das sollte wohl auch ein Statement des Jurysprechers Sera Finale unterstreichen.

Das kam allerdings bei vielen nicht gut an. Denn das Statement ändert nichts an der Tatsache, das in der Branche irgendwas gehörig schief läuft, wenn im gesamten vergangenen Musikjahr nur eine Frau zu den 21 besten Musikautoren gezählt wird. Die Nominierte selbst freut sich trotzdem über ihre Chance auf den Preis:

Die Diskussion zum Thema sorgt zumindest schon mal dafür, dass vielleicht der ein oder andere Stein ins Rollen gebracht wird – und ein Umdenken angeregt wird. Denn uns fehlen langsam auch die Worte…


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