Liste

John Lennons 80. Geburtstag: Seine 11 besten Beatles-Songs

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6. Happiness Is A Warm Gun (White Album)

Im Mai 1968 brachte der langjährige Beatles-Produzent George Martin eine Ausgabe der Waffen-Zeitschrift „American Rifleman“ mit ins Studio. Besonders eine Artikel-Überschrift fiel John Lennon ins Auge, aus der er später „Happiness Is A Warm Gun“ ableiten sollte. „Ich fand es einfach fantastisch, verrückt, das zu sagen“, erzählte er später. „Ein warmes Gewehr bedeutet, dass man gerade etwas erschossen hat.“ Obwohl die Spannungen zwischen McCartney, Lennon, Harrison und Starr während der Aufnahmesessions für das „White Album“ bereits dominierten, führten die komplexen Taktart- und Rhythmuswechsel von „Happiness Is A Warm Gun“ dazu, dass die Band wieder als Einheit zusammen arbeiten musste.


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Worauf sich die Waffe im Song letztendlich bezieht, wurde vielfach von Musikjournalist*innen diskutiert. Einige Kritiker*innen schlugen vor, es könnte sich dabei um Lennons sexuelles Verlangen nach Yoko Ono handeln, deren Beziehung gerade begann. Andere wiesen aufgrund der Zeile „I need a fix“ auf Drogenkonsum hin. Lennon selbst bestritt in dem Playboy-Interview aus dem Jahr 1980, dass der Song etwas mit Drogen zu tun habe. Hinsichtlich der doppelten Symbolik von Waffen und Sexualität sagte er jedoch: „Das war der Beginn meiner Beziehung zu Yoko, und ich war damals sehr sexuell orientiert.“

5. Come Together (Abbey Road)

Ein weiterer Song, der durch den Rauschmittel-Guru Timothy Leary inspiriert wurde. Als sich Leary zum Gouverneur von Kalifornien aufstellen ließ, bat dieser Lennon, einen Kampagnensong für ihn zu verfassen. Der Titel „Come Together“ stammt von dem Slogan von Learys Kampagne „Come together, join the party“. Als Leary kurz darauf jedoch wegen Drogenbesitzes zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, endete die Kampagne abrupt. Der Song blieb.


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Laut McCartney waren die Spannungen zwischen den Band-Mitgliedern während der Aufnahmen von „Abbey Road“ bereits so hoch, dass er sich nicht einmal mehr traute, Lennon zu fragen, ob er bei dem Titel mitsingen dürfe. „Selbst bei ‚Abbey Road‘ machen wir keine Harmonien mehr wie früher“, erzählte er später in einem Interview. Ich finde das traurig. Bei „Come Together“ hätte ich gerne mit John Harmonien gesungen, und ich glaube, er hätte es auch gerne getan, aber es war mir zu peinlich, ihn zu fragen (…).“

4. Norwegian Wood (This Bird Has Flown) (Rubber Soul)

„Ich habe versucht, über eine Affäre zu schreiben, ohne meine Frau wissen zu lassen, dass ich eine Affäre hatte“, fasste John Lennon den Inhalt seines Song „Norwegian Wood“ im Rolling-Stone-Interview aus dem Jahr 1971 zusammen. Der Titel gilt bis heute als Meilenstein in der Beatles-Diskographie, was sowohl auf John Lennons poetisch-verschlüsseltes Songwriting-Talent zurückzuführen ist, als auch auf den ersten Auftritt des indischen Saiteninstruments Sitar auf einer Beatles-Aufnahme – ein Instrument, das insbesondere für George Harrison später an großer Bedeutung gewinnen sollte.


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In demselben Interview erinnert sich John Lennon an den Entstehungsprozess von „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)“. So sagte er: „Ich habe sozusagen aus meinen Erfahrungen heraus geschrieben – Mädchenwohnungen und so weiter. Ich war sehr vorsichtig und paranoid, weil ich nicht wollte, dass meine Frau Cyn(thia, Anm. d. Red.) erfährt, dass wirklich etwas außerhalb des Haushalts vor sich geht. Ich hatte immer irgendeine Art von Affäre am Laufen, also versuchte ich, mich beim Schreiben über eine Affäre raffiniert auszudrücken, aber auf eine so rauchige Art und Weise, dass man es nicht merken konnte.“ Paul McCartney erklärte später, der Titel „Norwegian Wood“ sei eine sarkastische Anspielung auf die billige Kiefernwandverkleidung gewesen, die damals in Mode war.

3. In My Life (Rubber Soul)

Laut John Lennon kam ihm die Idee zu „In My Life“ bereits mit 15 Jahren, als er mit dem Bus durch seine Heimatgegend fuhr. Im großen Playboy-Interview aus dem Jahr 1980 erinnert sich John Lennon an seine ersten Gehversuche mit dem Lied: „Es war das erste Lied, das ich schrieb, das bewusst von meinem Leben handelte. […] Vorher schrieben wir nur Songs á la Everly Brothers, Buddy Holly – einfach Popsongs. Die Worte waren dabei fast bedeutungslos. „In My Life“ begann als eine Busreise von meinem Haus in der Menlove Avenue 251 in die Stadt, wobei ich alle Orte erwähnte, an die ich mich erinnern konnte. Ich schrieb alles auf, und es war langweilig. Also vergaß ich es und legte es zurück, und dann kamen mir die Zeilen über Freunde und Liebhaber aus der Vergangenheit in den Sinn.“


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Die Songpassagen über wichtige Personen in Lennons Leben beziehen sich unter anderem auf Stu Sutcliffe, den frühen Beatle und guten Freund von John, der im Jahr 1962 starb, und einen weiteren Freund namens Pete Shotton. Auch Lennons Tante Mimi und seine damalige Frau Cynthia trugen zur Inspiration bei. „In My Life“ ist eine Ballade, so simpel wie wunderschön; fast einem Schlaflied ähnelnd. John Lennon bezeichnete den Titel später als „ein kleines Kunstwerk“. Der Song wurde in einer Umfrage des Mojo-Magazins im Jahr 2000 von einem Gremium von Songwriter*innen zum besten Song aller Zeiten gewählt.

2. Strawberry Fields Forever (Magical Mystery Tour)

Am 13. Februar 1967 erschien „Strawberry Fields Forever“ als Double-A-Side-Single gemeinsam mit „Penny Lane“ – eine perfekte Komposition von Kindheitserinnerungen. Während Paul McCartney seine heimatliche Verbundenheit mit der gleichnamigen Straße zum Ausdruck brachte, bezog sich „Strawberry Fields Forever“ auf ein Waisenhaus der Heilsarmee in Liverpool, in dessen Nähe John Lennon aufgewachsen war. Im „Playboy“-Interview erzählt Lennon von seinen Kindheitserinnerungen: „Wir besaßen unser Haus und hatten einen Garten (…). In der Nähe dieses Hauses befand sich „Strawberry Fields“, ein Haus in der Nähe einer Besserungsanstalt für Jungen, wo ich als Kind mit meinen Freunden Nigel und Pete immer auf Gartenpartys ging, wir hingen dort herum und verkauften Limonadenflaschen für einen Penny. Wir hatten immer Spaß in Strawberry Fields. Daher habe ich auch den Namen. Aber ich benutzte ihn als Bild. Strawberry Fields forever.“


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Nicht nur eine Pionierarbeit für später folgende psychedelische Musik, ist der Song zudem eine der komplexesten und aufwendigsten Beatles-Produktionen aller Zeiten. 55 Stunden Studiozeit nahm das Lied laut der Bandmitglieder in Anspruch, was primär an den umfangreichen Sound-Experimenten lag. So wurden Teile des Songs geloopt, rückwärts aufgenommen, zusammengeschnitten und mit unterschiedlichen Stimmungen und Tempi ausgestattet. Aufgrund der innovativen Kraft von „Strawberry Fields Forever“ gilt der Titel bis heute als einer der einflussreichsten Songs der Musikgeschichte.

1. Across The Universe (Let It Be)

„Across The Universe“ ist der Titel, indem die unterschiedliche Herangehensweise ans Songwriting von Paul McCartney und John Lennon am stärksten zum Ausdruck kommt. Während McCartney stets den Fokus auf die musikalische Komposition legte, stellte Lennon immer die Worte in den Vordergrund seiner Lieder. Und „Across The Universe“ war sein Meisterstück. Im Interview mit dem „Rolling Stone“ aus dem Jahr 1970 bezeichnete John Lennon das Lied als den vielleicht besten und poetischsten Songtext, den er je geschrieben hat. So sagte er im Gespräch: „Es ist einer der besten Texte, die ich je geschrieben habe. Tatsächlich könnte es sogar der beste sein. Es ist gute Poesie, oder wie immer man es nennt (…). Sehen Sie, die Texte, die ich mag, sind die, die als Worte stehen, ohne Melodie. Sie müssen keine Melodie haben, wie ein Gedicht, man kann sie lesen.“


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Die Anfangszeile „Words are flowing out like endless rain into a paper cup“ beziehen sich laut Lennon auf einen Streit mit seiner damaligen Frau Cynthia im Jahr 1967. Nachdem sie ihm umfassend ihre Meinung gesagt und ins Bett gegangen war, hörte Lennon ihre Worte nach eigenen Aussagen wie wie „einen endlosen Strom fließen“ – und verwandelte den Gedanken in ein Lied. Das Mantra „Jai guru deva om“ – übersetzt etwa „Ehre dem strahlenden Entferner der Dunkelheit“ – verdeutlicht das damalige Interesse der Beatles an transzendentalen Meditationstechniken Anfang 1968, als der Song komponiert wurde. „Across The Universe“ wurde schlussendlich auf dem letzten Album der Beatles „Let It Be“ veröffentlicht und hinterlässt damit ein bittersüßes Gefühl für eine Band, die Musikgeschichte wie keine andere zuvor geprägt hat.



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