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Popkolumne, Folge 36

„Joker“-Debatten, Big Thief und Avril Lavigne: Die Popwoche im Überblick

Bad News für Quotenhasser: Die Jury der britischen Bafta-Awards, der bedeutendste Filmpreis Großbritanniens, will ab kommendem Jahr Diversity-Regelungen für die Preisträgerserien einführen. Und wenn nun eh schon alle ganz aufgekratzt durchrechnen, ob ihr Lieblingsfilm noch auszeichnungswürdig wäre, kann man sich ja auch nochmal in die Kinodebatte der Woche stürzen. Danach die schönste neue Platte hören.

Kinodebatte der Woche: Warum der „Joker“ Sexualstraftäter finanziert und ein „Incel-Fuckfest“ sein soll

Wenn einem Blockbuster etwas Besseres passieren kann als eine Debatte, die sich darum dreht, wie böse er ist, dann sind das wohl: ZWEI Debatten, die sich darum drehen, wie böse er ist. Noch bevor Todd Phillips‘ „Joker“ ins Kino kam, stand der Film für seinen Soundtrack in der Kritik: In einer Schlüsselszene läuft „Rock and Roll Part 2“, ein Song von Gary Glitter – der wegen Kindesmissbrauchs in Haft sitzt. Heikel ist das nicht nur, weil der Film die Folgen von Kindesmissbrauch thematisiert, sondern auch, weil der Verurteilte Tantiemen für die Verwendung des Songs kassiert. Was die Frage provoziert, ob man es verantworten kann, einem Sexualstraftäter mit einem alten Hit die Taschen zu füllen.

Andere finden „Joker“ aus ganz anderen Gründen gefährlich. Denn der Film erzählt, wie Batmans ewiger Nemesis zum Bösewicht wurde – indem er ihn als tragischen Verlierer zeichnet, dem von der Gesellschaft so übel mitgespielt wird. Das könne einsame Wölfe zur Nachahmung des fiesen Joker-Treibens inspirieren. Die Journalistin Veronika Kracher bezeichnete den Film gar als „Incel-Fuckfest”. Tatsächlich ist die Figur des Joker beliebt bei Internet-Rechten und eben „Incels“ – Anhängern einer (männlichen) Subkultur, die unfreiwillig sex- und beziehungslos leben und im Glauben, die dämliche Weiberwelt enthalte ihnen vor, was ihnen zusteht, einen irren Frauenhass entwickelt haben.

Der Joker, so die Kritik, bestärke solche Machisten in ihrem Denken, denn auch er rächt sich an einer kalten, gemeinen Welt, die ihn verachtet – gewissermaßen, weil er nicht anders kann. Im Filmuniversum wirkt sein Morden fast moralisch geboten, zumindest aber: nachvollziehbar. Muss man wirklich Empathie für solche Typen entwickeln?



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