Seht hier das vielleicht großartigste Statement über die amerikanische Gesellschaft in diesem Jahr

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2017 war für viele US-Bürger ein Jahr, das mehr denn je gezeigt hat, wie tief gespalten dieses Land ist – Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, ist für viele ein personifiziertes Sinnbild der momentanen Situation. Selbstredend, dass das auch ein Thema für Musiker ist. Und wieder einmal ist es vor allem der Hip-Hop, der sich dieser Problematik widmet.

Allen voran nun der Worcester Rapper Joyner Lucas. Auf Facebook veröffentlichte er ein Video zu seinem Song mit dem vielsagenden Titel „I’m Not Racist“. Das Video geht bereits viral, in 24 Stunden hat es über 15 Millionen Aufrufe und auch die YouTube-Klicks steigen. Ein mächtiges, beeindruckendes Statement über die Rassismus-Debatte in den USA. Keine Worte der Welt können beschreiben, wie eindrucksvoll dieses Video ist, deswegen solltet Ihr es Euch am besten einfach selbst angucken:

https://www.facebook.com/JoynerLucas/videos/2003552816338631/

Zu sehen ist ein weißer US-Amerikaner mit einer verwaschenen „Make America Great Again“-Käppie aus Trumps Wahlkampfzeiten (wir erinnern uns), dem  gegenüber ein Afro-Amerikaner im  typischen Hip-Hop-Look, an einem Tisch gegenüber sitzt. Der Song ist ein wutentbrannter Dialog, denn wie Lucas schon rappt: „I’m not racist, but there’s two sides to every story—I wish that I knew yours. I wish that I knew yours.“ 

Eine politische Debatte in sieben Minuten epischem Rap

Klar, der Clip spielt mit Stereotypen, aber manchmal braucht es die eben, um einen Sachverhalt zu erläutern und ihn besser zu verstehen. Genau das schafft Joyner Lucas mit diesem Song.

Man ertappt sich förmlich selbst bei dem Gedanken, wie man die Argumentation des „wütenden weißen Mannes“, den man sonst nur auf irgendwelchen Demos in den Nachrichten sieht, eben doch irgendwie auch nachvollziehen kann. Etwa wenn sein Gesicht gezeigt wird und er die Lippen zu den Zeilen „As soon as I say „Nigga,“ then everyone react. And wanna swing at me and call me racist ‚cause I ain’t black“ bewegt. Ergänz durch die Worte, die übersetzt so viel heißen wie „Ich bin kein Rassist, der Schwiegersohn meiner Schwester ist sogar schwarz“. Fast jede weiße Familie in den USA hat mittlerweile auch Afro-Amerikaner in ihren Reihen.

Auf der anderen Seite ist es ebenso faszinierend, wenn der Rap dann auf Lucas‘ Perspektive wechselt. Es geht um die adaptierte Black Culture, die inzwischen auch jeder weiße Amerikaner hip und cool findet, aber auch um den latenten Rassismus im „And even though Barack was half as black, you hated president Obama, I know that’s a fact“. Auch das kann man nachvollziehen, man weiß es sogar. Und das macht die Debatte nicht einfacher. Gleichzeitig ist der Song brandaktuell, selbst Eminems Anti-Trump-Auftritt bei den EMAs wird erwähnt.

Beide Seiten erleben auf unterschiedliche Art und Weise soziale Ungerechtigkeiten, sind abgehängt von der wohlhabenden Bevölkerungsschicht – der White Trash genauso wie die Blacks. „It’s like we livin‘ in the same buildin‘ but split into two floors“ heißt es treffend an einer Stelle im Song. Selten hat Musik ein Gefühl derart den Punkt gebracht.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Song so großartig macht. Es steckt viel Wahrheit darin. Und jeder kann sich damit identifizieren und auch ein wenig die Seite des anderen nachzuvollziehen. Blickwinkel, die viel zu selten eingenommen werden.

Am Ende umarmen sich übrigens beide. Es gibt keine „Make America Great Again“-Kappe mehr, Schwarz und Weiß haben sich ausgesprochen. Eingeblendet wird eine Texttafel: „We were all humans until race disconnected us, Religion separated us, politics divided us, and wealth classified us.“ Recht hat er.


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