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Pop x Politik

Maurice Summens Tochter sagt: „Alle schreiben sie schöne Liebeslieder, nur mein Vater nicht“

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 wollten wir wissen: Wie viel sagt die Musik über das Land aus, in dem sie entsteht? Wie politisch ist deutscher Pop kurz vor der Bundestagswahl und zwei Jahre nach „Wir schaffen das“? In einer Zeit, die geprägt ist von einer Rückkehr in nationalstaatliches Denken, von Europakrise, islamistischem Terror, Klimawandel und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung.

Also haben wir Fragebögen an 150 deutsche Künstler und Künstlerinnen verschickt. 29 Antworten kamen zurück, eine davon von Maurice Summen, Staatsakt-Labelchef, Sänger von Die Türen, ME-Autor und aktuell mit seinem neuen Projekt Maurice & Die Familie Summen unterwegs.

ME: Verstehst Du Dich als Künstler als politisch? Schreibst Du politische Songs?

Maurice Summen: Ich sehe mich als politischen Menschen und lasse das zwangsläufig auch in die Kunst einfließen. Ich kann aber auch gar nicht anders. Vielleicht habe ich einfach nur den Beruf verfehlt.

ME: Warum schreibst Du politische Songs oder warum verzichtest Du darauf?

Maurice Summen: Meine Tochter hat einmal gesagt: „Alle schreiben sie schöne Liebeslieder, nur mein Vater nicht.“ Da kann man nichts machen.

ME: Können politische Inhalte in Songs tatsächlich etwas beeinflussen? Welche Wirkung können sie haben?

Maurice Summen: Ein Song gibt Dir das Gefühl, nicht allein zu sein mit Deinen mixed emotions. Handeln kann ein Song natürlich nicht. Er kann aber von Handlungen erzählen. Am Ende sollte man nur nicht vergessen, dass es im Pop vor allem um Konsum geht. Das Gemeinschaftsstiftende wird ihm trotzdem keiner absprechen können.

ME: Fühlst Du Dich durch die politischen Entwicklungen der letzten Zeit (Flüchtlingsentwicklung, erstarkender Nationalismus, Autokraten in politischen Führungen, Klimawandel usw.) herausgefordert, künstlerisch und/oder als Person, die im Licht der Öffentlichkeit steht, politisch zu äußern?

Maurice Summen: Der aktuelle Stand der Dinge zeigt doch leider auch, dass Pop längst in alle gesellschaftlichen Bereiche vorgedrungen ist, und fleißig mithilft, den ganzen Laden gut vermarktet gegen die Wand zu fahren. Ich fühle mich darum in letzter Zeit eher dazu bewegt, das Pop-Geschäft zu verlassen und wenigstens einem gemeinnützigen Verein beizutreten. Andererseits liebe ich natürlich die Musik und die Bühne in meiner teuer erkauften Comfort-Zone.

Status: Es ist kompliziert – der deutsche Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft

Eine ausführliche Analyse darüber, wie es um den deutschen Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft steht, findet Ihr im Essay von Torsten Groß im Musikexpress 10/2017, der am 14. September erschienen ist. Der komplette Text ist jetzt auch online nachzulesen:

Status: Es ist kompliziert

Die weiteren Antworten auf unsere Fragen:


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