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ME 06/21

Mit großem Kraftwerk-Special, St. Vincent, Sophia Kennedy und Mazzy Star: Der neue Musikexpress ist da!

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Zum Einstieg wie immer unser „Making-Of“ aus dem hier beworbenen Printprodukt:

NIE WIEDER SPAZIERENGEHEN!

„Freu mich schon auf die Festivalsaison!“, „Ich geh jetzt wieder viel mehr auf Konzerte!“ Hat man alles schon öfter gehört – mitunter auch von sich selbst. Manchmal allerdings klang es eher wie eine Floskel, denn mit dem Überangebot an interessanten Live-Events ging ja auch oft eine Überforderung einher. Im zweiten Jahr Corona, im zweiten Jahr fast kompletter Funkstille auf allen Bühnen hat sich der Wind aber so was von gedreht. So übersättigt vom Ausgehen kann wirklich niemand sein, dass es Mitte 2021 noch vorhält. Jeder sehnsüchtige Gedanke an den geschlossenen Club nebenan ist ehrlich gefühlt. Mehr Emo geht bald nicht mehr.

Dabei ist klar, dass die Normalität noch eine Weile auf sich warten lassen wird. Der Euphemismus für diesen Zustand: Prinzip Lustaufschub. So kommt es, dass man sogar diese absurden Autokino-Konzerte von letztem Sommer herbeisehnt. Das Spaziergang-Fass jedenfalls ist übergelaufen. Liebe Bands, egal, wie viel oder auch wie wenig dieses Jahr live möglich sein wird, bereitet euch auf unverhältnismäßige Begeisterung von uns für noch die letzte B-Seiten-Nummer vor. We miss you so. Keine Floskel.

 

Der Musikexpress 06/21 – die Themen im Überblick:

Kraftwerk – Die Erfindung der Zukunft

Vor 40 Jahren wurde das Kraftwerk-Album COMPUTERWELT veröffentlicht. Es festigte nicht nur die visionäre musikalische Identität seiner Macher, sondern veränderte auch die Spielregeln der populären Musik. Damals kündigte Ralf Hütter den Beginn eines elektronischen Zeitalters an. Er sollte Recht behalten. Aus der „elektronischen Volksmusik“ Kraftwerks ist ein kulturelles Phänomen geworden, das als House und Techno um die ganze Welt zog.

Japanese Breakfast – Keine Lust mehr auf Realitätsflucht

Nach Selbstzermürbung und jeder Menge Eskapismus lädt uns Michelle Zauner mit enormer Energie auf ihrem dritten Japanese-Breakfast-Album zur großen Fete ein. Nicht aber ohne so einige innere Kämpfe auszufechten, wie sie uns im Gespräch verrät.

St. Vincent: „Ich bin jetzt Daddy“

Seit ihrem bisher letzten Album sind rund vier Jahre vergangen, doch diese Angabe scheint nicht passen zu wollen: Zwischen MASSEDUCTION und dem neuen Werk von St. Vincent, DADDY’S HOME, liegen Welten. Während uns das Album von 2017 berechnenden Art-Pop bot, bekommen wir nun einen 70s-inspirierten Sound zu hören, an dem man sich stundenlang wärmen möchte.

Zwar bleibt die US-Multiinstrumentalistin weiterhin Kunstfigur – neuerdings mit blonder Perücke, extralangen, angeklebten Wimpern und den mal mintgrünen, mal eierschalen, auf jeden Fall unifarbenen Anzügen auf aktuellen Fotos und Videos. Dennoch erscheint sie greifbarer. Wir lernen mehr von der Annie Clark kennen, die hinter dem Alias steckt. Und die hat im Winter 2019 ihren Vater wieder zu Hause begrüßen dürfen, nachdem er seit Mai 2010 wegen Aktienbetrugs im Gefängnis saß.

Der zweite Sommer ohne Festivals

Auch diesen Sommer werden wir großenteils ohne Live-Musik verbringen müssen. Vielleicht geht hier oder da mal ein Moshpitfreies Abstandkonzert. Vielleicht hört man auch mal einem Lagerfeuergitarristen im Park zu. Aber auf Festivals werden wir 2021 gewiss nicht auf- und abstürzen. Unser Fotograf Dominik Wagner ist viele Jahre als professioneller Inline-Skater um die Welt gereist. Als Show-Skater ist er 2006 auf dem Roskilde-Festival gelandet, wo in ihm die Idee entstand, Festivals aus der Publikumsperspektive zu fotografieren. Mit dem Fokus auf Kultur und nicht auf Musik.

Das hat er mehrere Jahre intensiv betrieben – auf seinem Höhepunkt besuchte er an nur einem Wochenende drei Festivals. Um uns an bessere Zeiten zu erinnern und uns auf noch viel bessere Zeiten vorfreuen zu lassen, stellt er hier eine Auswahl seiner Arbeit vor.

Sophia Kennedy – Zwei Herzen auf der Zunge

Ihr neues Album ist ein Ereignis in unserer ereignisarmen Zeit. Große Melodien spannen sich über atomistische Arrangements, bilden Songs zwischen Avant-Pop und Chanson. Doch Sophia Kennedy musste sich ihr MONSTER hart erkämpfen.

Dawn Richard – Ich bin King Creole

Dawn Richard ist wahrscheinlich die einzige Künstlerin, die sich bereits Labels mit P. Diddy und Lambchop geteilt hat. Die Multilayermusikerin aus New Orleans navigiert – von der Nullerjahre-Girlgroup bis zum Indie-Label – auf eigenen Pfaden durchs Musikbusiness. Auf ihrer neuen Platte badet sie in der Energie ihrer Heimatstadt.

ME-Held*innen: Mazzy Star – California Dreaming

Im Los Angeles der 80er, im Schatten der Traumfabrik, fanden Hope Sandoval und David Roback zusammen: Zwei introvertierte Seelen, die den Sound der 60er genauso liebten wie die Dunkelheit. Ohne die kalifornische Schwermut ihrer Band Mazzy Star würde die Aussicht aufs Alleinsein weniger tröstlich klingen – und Lana Del Reys Abgesang auf das alte Hollywood nicht so wohlig noir.

Außerdem im Heft

  • Selbstauslöser: Tino Hanekamp
  • Themeninterview: Moby über Nostalgie
  • Plattenschrank: Jan Delay
  • 10 Songs über Periode im Pop
  • Nachruf auf DMX alias Earl Simmons
  • 11 Fakten über NFT
  • Radar: Indigo Sparke, Little Snake, Jess Joy, Mahendra & Blanketman
  • CD-Beilage für Abonnent*innen mit St. Vincent, Sophia Kennedy, Magic Island, Maurice Summen, Iceage & Lambchop
  • Digitale Playlist mit St. Vincent, Sophia Kennedy, Magic Island, Maurice Summen, Iceage, Lambchop, Fiona Apple, Japanese Breakfast, Chai, Haiyti, Black Midi, Sons of Kemet, Andra Day, Mustafa, Tuvaband & Indigo Sparke

>>> zur Musikexpress-Playlist für alle!

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