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Popkolumne, Folge 37

Besoffene Masterstudenten und The Strokes: Die Popwoche im Überblick

FESTIVAL DER WOCHE: Nürnberg Pop

Das vielleicht schönste Clubfestival in Deutschland, großartiges Booking, unzählige Locations auf kleinem Raum und dazu noch das beste Wetter (ok, Zufall). Stellvertretend für die vielen guten Konzerte, die ich sah, hier ein Song von Akne Kid Joe. Kommen aus Nürnberg, gehören weit verbreitet.

PLATTE DER WOCHE: Foals

Foals
„Everything Not Saved Will Be Lost – Part 2”
(Warner)

Blendgranate, Gitarrenspuren hundertmal gedoppelt, Hall wie in der Sixtinischen Kapelle und irgendwer spuckt Feuer. Na, da haben die Killers aber wieder einen ganz schönen Größenwahn aufgefahren! Ach stopp, wir sprechen hier ja über die Foals. Die haben sich spätestens mit ihrem dieses Jahr auf zwei Alben verteilten XL-Werk „Everything Not Saved Will Be Lost“ zu den Killers für nicht ganz so besoffene Masterstudenten aufgeschwungen. Ich meine, versteht mich nicht falsch, ich liebe nun wirklich die große Geste. Doch ich habe mit Verlaub auch ein Gefühl dafür, wenn das Songmaterial nicht mit all dem aufgeschichteten „Gib ihm, Bruder“ Schritt halten kann. Wenn ihr schon eine brilligere (von Brille nicht von billig) Version von Stadionpop machen möchtet, dann schreibt also bitte auch die Hits fertig.

BUCHMESSE DER WOCHE: „Der Rüberbringer“

Gern würde ich in dieser Kolumne alle zwei Wochen ein Buch vorstellen. Leider lese ich so langsam wie ein Vorschüler. Mit dem Zeigefinger stockend den jeweils zu lesenden Satz verfolgend. Umso mehr Eindruck hinterlässt das Phänomen Buch bei mir, wenn ich es dann doch bezwungen habe. Vermutlich dürfte „Der Rüberbringer“ aber auch für Leute mit regulären Lese-Skills einen großen Gewinn darstellen.

Der Kölner Autor Tankred Lerch beschreibt das Aufwachen nach einem missglückten Suizid. Der pubertierende Red findet sich nicht nur in der Jugendpsychiatrie wieder, sondern an seiner Seite auch eine merkwürdige Gestalt. Nur er (und andere Todgeweihte) können Joe sehen – von dem man lange nicht weiß, ob er Red in den Abgrund ziehen oder dessen Leben aufs nächste Level pushen will. Auch für Popkultur ist gesorgt: Revolverheld werden gedisst und ein Konzert von Faber ist Kulisse. Die Musik der Heranwachsenden ist hier also noch nicht Rap, eine wahrhaft schöne Fiktion…



Für Solidarität und Aktionismus, gegen Plattitüden und Langeweile: Paulas Popwoche im Überblick
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