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Album der Woche

Pet Shop Boys Hotspot


x2Records/Kobalt/Rough Trade (VÖ: 24.1.)

Wer zufällig das Glück hat, ein schwuler Millennial zu sein, hat auch das Glück, dass nichts dem eigenen Leben eine schönere Struktur gibt als die Diskografie der Pet Shop Boys, von 1986 bis heute. Vier Jahre warten musste man bisher aber noch nie auf ein neues Album, was war da bloß los? Die Pet Shop Boys haben HOTSPOT komplett in Berlin aufgenommen; da kann man sich schon mal verlieren und Zeit lassen.

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Der Opener entschädigt allerdings fürs Warten „Will O The Wisp“ heißt er, so nennen sie im Angelsächsischen spukende Irrlichter, aber gruselig ist der Song mitnichten, sondern sagt einem sogar, dass man trotz aller Veränderung immer noch ein „handsome face“ habe. Dazu tönen die 90er mit einer schönen Breitseite Synthies. Riffs to remember. Der extra­starke Track lässt kurz wieder glauben, dass Techno einmal der neue Punk gewesen ist.

„You Are The One“ drosselt das Tempo dann schon ordentlich, um von den „happy people living in a sad world“ zu erzählen. Dazu gibt’s einen Akkord-Wechsel, der an „The Sun Always Shines On T.V.“ von A-ha gemahnt, Zufall? Bei ihren Duettpartner*innen waren die Pet Shop Boys schon immer picky; Dusty Springfield, Liza Minnelli, Boy George und Kylie Minogue waren gerade gut genug. Da ist es eine helle Freude, dass auch Olly Alexander, der schwule Superqueero-Sänger von Years & Years, nun zu diesem Kreis gehört. Vom „Dreamland“ tagträumt er gemeinsam mit Neil Tennant.

Küssen und Umarmen, alles kein Problem. Homotopia geradezu. Die Midtempo-Songs waren bei den Pet Shop Boys ja oft eher Mittelmaß: die Filler. Verschnaufspausen zwischen den Highs. Und, sorry, Boys, das können andere besser. Anders betrachtet sind’s aber vielleicht die bitter nötigen Kaffeebohnen zwischen dem Parfüm. Streicher schwellen an und ab wie Schwänze im Dampfbad („Hoping For A Miracle“). Bei „I Don’t Wanna“ scheinen die Synthies Tennants Gesang neckisch zu parodieren. Im „Monkey Business“ geht der Funk mit den Jungs durch.

„Wedding In Berlin“ erinnert entfernt an „Sky And Sand“ aus dem Soundtrack zu „Berlin Calling“, allerdings mit schräg reingeschraubtem Orgel-Hochzeitsmarsch, ernsthaft? Immerhin der von Mendelssohn, nicht der von Wagner. Eine Feier der Homo-Ehe? Die Glocken gleiten in der letzten halben Minute so unscharf verstimmt aus wie das Cover des Albums. Vielleicht schwant da schon die Frage, ob die Ehe für alle bald durch einen Rechtsdrift wieder zur Ehe für Heteros schrumpfen könnte, sogar in Berlin.


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