„You Are Wanted“: 7 Gründe, warum die Kritik an der Serie von Matthias Schweighöfer überzogen ist

von

„Ein Klick könnte dein Leben verändern“: Ja gut, die Promo für die Drama-Serie mit Matthias Schweighöfer auf Amazon hat vor dem Release am 17. März 2017 ganz schön dick aufgetragen. Da wundert es kaum, dass die Häme und Kritik nach Veröffentlichung entsprechend heftig ausfiel. Wer nun mal den Mund so voll nimmt, dem sind die Hater garantiert. Aber eigentlich sind die sechs Folgen von „You Are Wanted“ gar nicht so unerträglich, wie viele behaupten. Wir sagen euch in 7 Punkten, warum das so ist.

1. Die richtigen Vorbilder

Hallo Welt, hier sind wir Deutschen! Wir können auch was mit Hackern und seriellem Storytelling! Es ist nur zu offensichtlich, das sich die erste deutsche Amazon-Eigenproduktion vor allem stilistisch an „Mr.Robot“ und erzählerisch an „True Detective“ orientiert hat. Aber wer will denn dagegen wettern und die Macher gleich als Copycats abstempeln, wenn endlich mal bei einem deutschen Format nach den Sternen anstatt ins Klo gegriffen wird? Nach Serien wie „Alarm für Cobra 11“ oder SOKO XY können wir uns doch echt freuen, dass wir etwas zu sehen bekommen, was zumindest einen höheren Anspruch im Hinterkopf hatte. „You Are Wanted“ soll die deutsche Serienlandschaft auf ein internationales Niveau hieven – so die Idealvorstellung der Macher Hanno Hackfort, Bob Konrad und Richard Kropf. Und dieser Höher- Schneller-Weiter-Ansatz ist genau richtig.

2. Eine Story, die jetzt gebraucht wird

Es ist nichts Neues, dass die NSA systematisch Menschen überall auf der Welt ausspioniert. Warum sollte also im Jahr 2017 noch über Cyberangriffe berichtet werden? Dass Edward Snowden zum Whistleblower wurde, ist bereits an die vier Jahre her. Aber was hat sich seitdem geändert? „You Are Wanted“ macht darauf aufmerksam, dass dank der Technologie jeder zu jedem Zeitpunkt komplett überwacht werden kann. Und die Aussage, man hätte nichts zu verbergen, wird spätestens dann nichtig, sobald aus einer Überwachung eine Attacke wird. Es ist immer wieder wichtig, sich vor Augen zu führen, dass aufgrund einer derartigen Bespitzelung die Grundrechte missachtet werden und man verletzlicher denn je gemacht wird. Auch wenn die Kritiker Recht damit haben, dass viele Dialoge und Szenen in „You Are Wanted“zu plump geraten sind, so bleibt die Aussage der Show doch relevant für die Zeit.

3. Der Mut zur Lücke

Schon gewusst? Es wird eine zweite Staffel geben. Amazon hat dies bestätigt. Bloß gut! Denn unzählige Dinge wurden bisher nicht geklärt. Was hat es mit dem geheimen Programm „Burning Man“ auf sich? Wo ist der Superhacker Dalton (Louis Hofmann) abgeblieben? Und was wurde aus Katrin Bauerfeinds Charakter? Das Gemecker über hohle Protagonisten kann also locker über Bord geworfen werden. Spätestens in Staffel Nummer Zwei dürfte es Antworten geben. Und wer einfach keinen Zugang zur Hacker-Sprache findet und gerne Untertitel hätte, dem sei noch mal mit auf den Weg gegeben: Es handelt sich hierbei verdammt noch mal um Entertainment und nicht um dein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg.

4. Der Mut zur Hässlichkeit

Braucht mal ne Curry: Lukas Franke

Wenn man wirklich glaubt, die Schauspieler in „You Are Wanted“ seien nach ihren ganzen Strapazen noch zu hübsch gestylt, dann sollte man lieber mal die Sonnenbrille abnehmen. Denn so wie Matthias Schweighöfer da über den Bildschirm wandelt, könnte man glauben, er hätte gerade eine Chemotherapie hinter sich. Auch Kommissarin Jansen (Catrin Striebeck) hat schon bessere Tage gesehen. Ihre Augenringe könnten genau so im Guiness-Buch der Rekorde festgehalten werden. Der Grün-Blau-Farbmix tut sein Übriges. Irgendwie sieht hier jeder so aus, als müsste er sich ganz dringend mal 14 Stunden ausschlafen. Eigentlich ist hier nur unnatürlich, dass Lukas Franke nie Hunger zu haben scheint. Los, jetzt iss doch wenigstens mal ’ne Curry!

5. Keine retro-gelblich eingefärbte Einheitsbrühe

Also wenn etwas wirklich wahnsinnig toll an dieser Serie ist, dann die Farbwahl. Endlich ist mal nicht alles in das sonst so typische „Keinohrhasen“- und „Schlussmacher“-Farbschema eingetaucht. Und es sieht auch nicht jede Szene nach Handy-Wackelkamera aus, was so 2013 gewesen wäre, als plötzlich jeder „Chronicle“ nachdrehen wollte. Nein, hier hat alles Hochglanzoptik, kein Vintage-Filter versaut die Sicht. Da die Hacker ja im Untergrund agieren (Klischee-Alert!), sind viele Momente so richtig schön dunkeldüster. Und wenn es an die Action geht, wird es visuell regelrecht beeindruckend. Bei den Explosionen geht man nah ans Geschehen heran und die Farbsättigung besticht dabei ungemein.

6. Stereotype werden über Bord geworfen

Wer sich zuletzt an Matthias Schweighöfer sattgesehen hatte, dem sei ein weiterer Versuch mit „You Are Wanted“ ans Herz gelegt. Denn entgegen der Kritiker, die meinen er würde immer dieselbe Rolle spielen, testet er in der Serie seine Grenzen neu aus. Und selbst, wenn er nicht hundert Prozent als verzweifelter Daddy mit Hang zum Abenteuer überzeugen kann, so steht ihm der Mut dazu recht gut.

Wird durch Berlin gehetzt: Schweighöfer.

7. Nicht jede Figur muss sympathisch sein

Also wirklich: So ganz schablonenhaft – es wurde ja oft behauptet – ist die Amazon-Produktion wirklich nicht. Sie hat sogar ziemlich ambivalente Charaktere zu bieten. Lukas und Hanna Franke gehen beide mal fremd, die dauerhaft schlecht gelaunte Polizistin raucht ohne Ende und Karoline Herfurth denkt die meiste Zeit nur daran, ihre eigene Haut zu retten. Tja und Lukas’Bruder hat erst einmal herzlich wenig Lust für sein Geschwisterchen da zu sein. Diese Art von Figuren ist eine gelungene Abwechslung zu den ganzen Sonnenscheinchen und Alltagshelden, die einem sonst so gerne aufgetischt werden. Unsympathische Figuren sind die Zukunft!


Folgt uns auf Facebook!


Stephan Rabold Amazon Studios Pantaleon Films Warner
Stephan Rabold Pantaleon Films

Darum sollte man bei allen Smartphones die Kopfhörerbuchse streichen
Weiterlesen