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5 Deutschrap-Songs über Alltagsrassismus, die wir kennen sollten

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Im Zuge der weltweiten „Black Lives Matter“-Bewegung und der Proteste gegen rassistische Polizeigewalt, Racial Profiling und weitere Formen des Alltagsrassismus, wurde es auch im Deutschrap politischer. Auch im Rahmen des aktuellen Skandals um die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“, bei der ausschließlich weiße Prominente ohne Diskriminierungserfahrungen unter anderem über rassistische Begriffe sprachen und diese verharmlosten, reagierte ein Großteil der Deutschrap-Community, der viele Menschen marginalisierter Gruppen angehören, entsetzt und versuchte aufzuklären. Um sich einer Aufarbeitung von Alltagsrassismen musikalisch zu nähern, wurden für die folgende Liste fünf Songs von Künstler*innen ausgewählt, die über einen, nun ja, authentischen Blick auf diese Themen verfügen. Der Fülle an wichtigen antirassistischen Songs wird die Liste dabei nicht gerecht, aber sie bietet einen Einstieg für Interessierte.

1) Sugar MMFK – „BLM“

João Michel Diau alias Sugar MMFK, dessen Eltern vor dem Bürgerkrieg aus Angola flohen, ist schon lange kein Unbekannter mehr. Der Bonner Rapper, der 2018 mit seinem Song „Trikot von Paris“ einen viralen Hit landete, besticht durch eine authentischen Straßenrap-Perspektive, aber auch durch sein Gesangstalent und seinen tanzbaren Rap-Stil. In „BLM“ rappt und singt er über rassistische Polizeigewalt und Chancenungleichheit.

„Jeder weiß, warum’s Regeln gibt, aber ein Cop der dir einfach dein Leben nimmt, macht ein’n auf Gott“

2) Sylabil Spill – „Racial Profiling“

Sylabil Spill, der mit bürgerlichem Namen Musitu Kumuini heißt, musste in letzter Zeit einiges über sich ergehen lassen. Der Rapper, der in jungen Jahren auch als Leistungssportler aktiv war und ein inklusives Sport-Projekt namens „Tracksrunners“ unterstützt, wurde im vergangenen Jahr Opfer rechtsextremer Hackerangriffe. So wurden rassistische Bilder auf seinem Instagram-Account hochgeladen, was negative Auswirkungen auf dessen Reichweite hatte. Im Januar dieses Jahres wurde zusätzlich sein Auto von Unbekannten demoliert und mit rassistischen Botschaften versehen. Mittlerweile hat er seinen Peinigern und rassistischen Menschen allgemein den Krieg erklärt. In „Racial Profiling“ geht es um rassistische Polizeikontrollen.

„Herr Polizist, wo ist das Problem? Ich halt‘ ihn’n mal ein’n Spiegel vor, dann können sie ihn seh’n“

3) Samy Deluxe – „Privilegiert“

Dass das Rap-Urgestein Samy Deluxe mit politischen Statements nicht hinterm Berg hält, dürfte spätestens seit seinem Evergreen „Weck mich auf“ aus dem Jahr 2001 kein Geheimnis sein. Im Jahr 2020 war er einer der ersten Rapper, der der „Black Lives Matter“-Bewegung mit „I can’t breathe“ einen eigenen Song lieferte. In dem Song „Privilegiert“ erzählt er davon, wie er als Kind aufgrund äußerlicher Merkmale und Stereotype oft ausgegrenzt wurde. Jedoch schaffte er es, seine Außenseiterposition als treibende und kreative Kraft für seine Karriere zu nutzen und gewann gleichzeitig eine gute Menschenkenntnis.

„Kaum sagt einer „black lives matter“, sagt einer „white lives matter“. Als hätte es jemand bezweifelt, spricht da der Zeitgeist etwa?“

4) OG Keemo – „216“

Der Song „216“ von OG Keemo, bürgerlich Karim Joel Martin, zeichnet ein düsteres Bild einer Gesellschaft, in der der Hass gegen Afrodeutsche präsent ist. Ob in Form von offensiver Gewalt durch rassistische Polizist*innen oder durch Unterdrückung auf dem Arbeitsmarkt. Insofern schafft es der Rapper in seinem Song, der komplett ohne Refrain auskommt, Themen wie Polizeigewalt, Racial Profiling und Chancenungleichheit miteinander zu kombinieren. Im Rahmen der „Machiavelli-Sessions“ performte er den Song 2020 zusammen mit der britischen Sängerin Jorja Smith und dem WDR-Rundfunkorchester.

„Den’n ist egal, wie viel Summe ihr macht. Ob ihr trappen seid oder ob ihr ’nen Uni-Platz habt. Mit dieser Farbe stehst du automatisch unter Verdacht. Und wer das nicht rafft, verschwendet unnötig Platz“

5) Ebow – „K4L“

Ebow, bürgerlich Ebru Düzgün, bereicherte mit ihrem Song „K4L“ („Kanak for Live“) die Debatte um Integration von Einwandererfamilien und deren Nachfolgegenerationen vor allem durch Punchlines. Die Rapperin, die ein Architektur-Studium in Wien absolvierte, wurde schon früh mit Alltagsrassismen aufgrund ihrer Identität als Kurdin konfrontiert. Der Begriff „Kanak“ bezeichnet bei Ebow den Gemeinschaftsgedanken, Rückeroberung und Empowerment. Ebenso wie OG Keemo performte sie im vergangenen Jahr eine Version ihres Hits zusammen mit dem WDR-Rundfunkorchester.

„Kanak for Life, Migrantenkind. In mir steckt der Zorn meiner Oma, meiner Mama, meiner Tanten drinnen“


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