Highlight: Die 100 besten Stimmen der Musikgeschichte

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5 Künstler, mit denen Ihr den Einstieg in die Soul-Musik wagen solltet

„Sisters! Niggers! Whiteys! Jews! Crackers! Don’t worry, if there’s a hell below, we’re all gonna go.“ Dann ein Schrei. Curtis Mayfield am Mikrofon, die Dub-Schleifen der eröffnenden Worte verhallen langsam. Ein Rhythmus entsteht, getragen von einem fetten, verzerrten Bass und einer Gitarre, die durch ein Wah-Wah-Pedal gejagt wird. Es geht nicht anders. Wenn „(Don’t Worry) If There’s a Hell Below, We’re All Going to Go“ läuft, wippt etwas und alles.

Soul. Curtis Mayfield. James Brown, Aretha Franklin und Ray Charles. Alles schon mal gehört, aber trotzdem keine Ahnung. Die (Musik-)Bildungslücke-Alarmglocken gehen an. Deshalb hier ein Überblick über wichtige Soul-Musiker von gestern und heute.

Curtis Mayfield: Dunkler als Blau

Oben beschriebene Single „(Don’t Worry) If There’s a Hell Below, We’re All Going to Go“ markiert den Beginn von Curtis Mayfields Solokarriere. Zuvor war er Teil von The Impressions, die unter anderem einen großen Einfluss auf Bob Marleys Harmonie-Bewusstsein und -Umsetzung übten.

Curtis Mayfield gehörte der ersten Generation afroamerikanischer Soul-Musiker an, die politische Botschaften in ihrer Musik verwoben und so die Defizite, die die afroamerikanische Gemeinde ertragen musste, anprangerten. Soul bot dem Civil Rights Movement eine Plattform und wurde zum Soundtrack der Bewegung, die Mitte der 50er- bis Ende der 60er-Jahre durch eine Hochphase marschierte.

Apropos Soundtrack: Die Musik zum Blaxploitation-Film „Super Fly“ aus dem Jahr 1972 kommt von Curtis Mayfield.

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James Brown: Godfather of Soul

1955 beginnt James Browns Karriere so richtig, als er als Teil der Gospel Starlighters, später The Famous Flames, den Song „Please, Please, Please“ aufnimmt, entdeckt und sofort unter Vertrag genommen wird. Den Namen ändert die Band nun zu James Brown and the Famous Flames, wohlwissend, dass James Brown derjenige ist, der die Combo vorantreibt. Sein leidenschaftlicher, herzzerreißender Gesang wird nicht nur sein Markenzeichen, sondern zeichnet die meisten Soulsänger aus. Im Soul wird sich hingegeben, der Musik, dem Gefühl, dem Rhythmus, kompromisslos.

James Brown wird viel gesampelt. Kein Wunder: Von ihm stammen Songs wie „Papa’s Got a Brand New Bag“ und „I Got You (I Feel Good)“. Immer noch pflanzt uns der 2006 an Herzversagen gestorbene Charismatiker Ohrwürmer ins Hirn. Muss hier mehr gesagt werden als: The Godfather of Soul?

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Aretha Franklin: Soul Sister

Wo ein Godfather, dort muss auch eine Queen herrschen. Den Titel „Queen of Soul“ hat sie sich verdient: Aretha Franklin. Ende der 60er-Jahre singt Franklin sich als damals erfolgreichste schwarze Künstlerin mitten ins Auge des Soul-Tsunamis. Spätestens als Franklin Otis Reddings „Respect“ covert, wird sie zu einer Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung. Damit nicht genug: Ihr engagiertes Erscheinen machte sie zu einer der wichtigsten Kämpferinnen für Frauenrechte.

Dass Aretha Franklin Musik durch die Adern rinnt, ist wohl kein Zufall: Als junges Mädchen war sie viel von Musikern umgeben, denn die Kreativköpfe Detroits und der USA hinaus gingen ein und aus im Haus ihres Vaters. Der war einer der bekanntesten Baptistenprediger Amerikas, die besten Soul- und Gospel-Musiker waren Teil seiner berühmten Gottesdienste.

Detroit war der Ort, wo Franklins unfassbare Karriere ihren Lauf nahm und wo die Frau, die ein stimmliches und charismatisches Wunder barg, ihr Ende fand. Am 16. August 2018 verstarb die Legende nach langer Krankheit.

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Dusty Springfield: Blaue Augen

Soul fand seinen Ursprung in der schwarzen Kultur. Natürlich gab es trotzdem immer wieder weiße Musiker und Musikerinnen, die ihren schwarzen Brüdern und Schwestern stimmlich das Wasser reichen konnten. In den 60er- und 70er-Jahren, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung, fanden Rassismus und Separation ihren Weg in die Musik: So wird Dusty Springfield als weiße Ausnahmekünstlerin dem Blue-Eyed-Soul zugeordnet – ein eigenes Genre für die Interpreten und Interpretinnen einer anderen Hautfarbe.

Auch sie ergatterte sich einen Titel: Dusty Springfield, die nicht nur durch ihr Bekenntnis zur damals komplett verschrieenen Bisexualität zu Lebzeiten für einige Wogen sorgte, gilt als White Queen of Soul. Mit ihren Zeilen zu „Son Of A Preacher Man“ machte sie sich unsterblich. Ihre rauchige Stimme fand sogar ihren Weg in Quentin Tarantinos Kultfilm „Pulp Fiction“.

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Erykah Badu: Fehlerloses inneres Selbst

Erykah Badu wurde 1972 als Erica Abi Wright geboren. Ihren Namen änderte sie bald, um sich von der Sklaverei, die ihren Namen belastet, zu trennen. Den Künstlernamen setzte sie also zusammen aus einem Wort, das sie beim Singen einfach gerne unendlich wiederholt: Badu. Zweiter Teil ihres erdachten Namens ist Kah, was einem fehlerlosen innerem Selbst gleichzusetzen ist. Die Göttin des Neo-Souls hat etwas Unfehlbares im Namen, etwas Absolutes in der Stimme. Im kommenden Sommer kommt sie nach Deutschland.

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Erykah Badu – Tour 2019

  • Di, 04.06.2019 Erykah Badu live in Köln
  • Mi, 05.06.2019 Erykah Badu live in Berlin

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