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Die 100 wichtigsten Frauen im Pop – Platz 4 bis 2


Eine Reise durch Female-Pop gestern und heute. Hier geht's zu den Rängen 4 bis 2.

Musik kennt erst mal kein Geschlecht: Die angeschlagene Saite, die getretene Fußtrommel oder der Loop in der Audio-Software – alles komplett genderneutral. Schöner Gedanke, oder?

Doch über Ton und Beat hinaus spielt das aufgeladene Thema sehr wohl eine Rolle. Musik ist, wenn sie die Instrumente verlassen hat, immer auch Kontext. Musik bildet Realitäten ab und nimmt genauso auch Einfluss auf sie.

Dass Pop und Gesellschaft über die Dekaden diverser geworden sind, braucht man heute nieman- dem zu erzählen. Wer sich aber bei all der Bewegung hingegen gern mal im Bart kratzt und lieber noch mal umdreht, ist der traditionsbewusste Popkulturkanon. Unzählige Listen werden immer noch angeführt von Dylan und den Beatles – Radiohead gelten hier noch als junge Herausforderer. Auch dieser Blick mag für manchen einen Reiz besitzen, doch wenn es mal wieder auf das Argument rausläuft, es gäbe ja so wenig einflussreiche Musikerinnen, dann dimmen sich die Lichter.

Wir widmen uns im aktuellen MUSIKEXRESS daher all den einflussreichen Frauen im Musikbetrieb. So selbstverständlich das alles sein möge, so wertvoll sind doch die Impulse, die uns weibliche Acts zusätzlich zu ihren Hits noch obendrauf gegeben haben. Nur weiter so, we’ve only just begun.

Was wir brauchen, ist ein neuer Kanon der Popmusik

Hier ein einundzwanzigster Teaser der Liste der 100 wichtigsten Frauen im Pop – Platz 4 bis 2:

Platz 4: Kate Bush

Im Alter von gerade mal 18 Jahren wurde Kate Bush 1978 mit „Wuthering Heights“ zur ersten Frau, die mit einem selbstverfassten Song auf Platz 1 im UK landete. Dazu war das ihre Debütsingle und kein Herzschmerz-Tralala, das man damals von Mädchen erwartete, sondern ein Song über Literatur, konkret über eine destruktive Beziehung bis in den Tod. Und das Ganze aus der Sicht eines Geistes gesungen! Außerdem spielte sich die Hälfte der Revolution hinter den Kulissen ab: Ihr Boss bei der mächtigen EMI, Bob Mercer, hielt den Song für viel zu seltsam und bestand auf die gefälligere Rocknummer „James And The Cold Gun“ als erste Single. Doch Bush setzte sich durch und ist so zu keinem Zeitpunkt ihrer Karriere einen Kompromiss eingegangen. Kein Wunder, dass auch Ober-Punk Johnny Rotten sie bewunderte. Bush hat bisher auch nur eine Tour gespielt, die 1979 passend benannte „Tour Of Life“. Großes durchchoreografiertes Rocktheater, überragender Erfolg bei Publikum und der Kritik. Aber Bush legte keinen Wert auf das Rampenlicht. Erst 35 Jahre später war sie wieder live zu sehen, für die 22-teilige Konzertreihe „Before The Dawn“ in London, wo sie empfangen wurde wie eine Heilige. Und wenn sie mal zwölf Jahre zwischen Platten vergehen lassen oder ein Album über Schnee machen will, dann ist das eben so. Because she can.

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Ohne sie gäbe es weniger Flashmobs. Seit Jahren treffen sich vor allem Menschen aus der Queer-Community weltweit, um den betörenden Tanz aus dem „Wuthering Heights“-Video nachzustellen.

(Stephan Rehm Rozanes)

Platz 3: Aretha Franklin

„The girl has taken that song from me“, musste Otis Redding feststellen. „From now on, it belongs to her.“ Aretha Franklin hatte sich „Respect“ nicht nur genommen, sie hatte dem Stück eine weibliche Perspektive verpasst, das gebietende „R-e-s-p-e-c-t“ eingebaut und damit eine Hymne zugleich der amerikanischen Bürgerrechts- und der Frauenbewegung geschaffen. „They say that it’s a man’s world, but you can’t prove that by me / And as long as we’re together baby, show some respect for me“, sang sie ebenfalls 1967 in „Do Right Woman, Do Right Man“, erschienen auf ihrem Albummeisterwerk I NEVER LOVED A MAN THE WAY I LOVE YOU. Wie ihr frühes Vorbild Sam Cooke startete Aretha Franklin beim Gospel, um schnell zu Soul, Rhythm & Blues und Pop zu wechseln, ohne dabei je ihre Wurzeln zu verleugnen. Sie war die erste Frau in der Rock & Roll Hall of Fame, die erste Einzelkünstlerin, die für ihren Beitrag zur amerikanischen Musik und Kultur den Pulitzer-Sonderpreis bekam, seit 2014 ist sogar ein Asteroid nach ihr benannt. Um ihre monumentale Größe zu begreifen, genügt es freilich, in „Amazing Grace“, „Think“, „I Say A Little Prayer“ oder einen anderen ihrer Klassiker reinzuhören.

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Ohne sie würde der Popmusik ihre vielleicht allergrößte Stimme fehlen – überbordend kraftvoll, dabei wendig, elegant, cool und voller Autorität und Gefühl.

(David Numberger)

Platz 2: Sister Rosetta Tharpe

Als Johnny Cash 1992 in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, nannte er Sister Rosetta Tharpe als seine Lieblingssängerin. Kaum jemand kannte damals noch ihren Namen. Die 1915 in Arkansas geborene Sängerin und Jazz-Gitarristin, war in den 1930er- & 40er-Jahren für ihre vitale und variationsreiche Interpretation von Gospels berühmt geworden. Ausgerechnet im darauffolgenden Rock’n’Roll-Jahrzehnt geriet sie in Vergessenheit. Von der Musikgeschichtsschreibung weitgehend ignoriert, ist es den berühmtesten Protagonisten des Rock’n’Roll zu verdanken, dass ihr Name heute wieder eine Renaissance erfährt. In seinen Memoiren nennt Little Richard die geniale Musikerin als Vorbild. Chuck Berry und Jerry Lee Lewis gelten als Fans. Es ist belegt, dass Elvis bereits im Alter von neun Jahren mit Hingabe ihre Lieder hörte. Und dann war „Little Sister“ auch noch eine der ersten Musiker:innen, die stark verzerrt E-Gitarre spielten, womit sie z.B. Keith Richards inspirierte! Dennoch: 1973 wurde sie in einem anonymen Grab beigesetzt. Und erst 2018 als Pionierin in die Rock & Roll Hall of Fame eingeführt.

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Ohne sie würde heute nicht die ungeheuerliche Tatsachenfeststellung im Raum stehen, dass es eine queere Schwarze Frau war, die den Rock’n’Roll erfunden hat.

(Sandra Grether)

Bad Bunny, Rosalía, Karol G: Weshalb Reggaeton nicht zu unterschätzen ist

+++ Unser aktuelles Heft ist seit dem 09. Februar im Handel. Darin gibt es die komplette Lister der 100 wichtigsten Frauen im Pop. Hier teilen wir immer wieder Ausschnitte des Rankings. +++