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Highlight: Die 15 besten Songs von Thees Uhlmann

Meinung

Hey Cro, bitte lass das mit dem Pascha-Pop!

Incoming Video Call: Ena. Incoming Video Call: Sara. Incoming Video Call: Cami.

Und Chiara. Und Marina. Und Vanessa. Und so weiter. Und alle wollen sie Cro, klar.

Incoming Call: Chauvinismus ist kein Stilmittel.

„Victoria’s Secret“ heißt Cros neuester Song und leider kommt er mit Video daher. Ein Dutzend hübsche Mädchen, die verliebt in die iPhone-Kamera lächeln, während Carlo Waibel, so Cros bürgerlicher Name, auf der andere Seite der Facetime-Leitung Sixpack und Goldkettchen in Szene rückt.

Verbindung schlecht? Nächste. Ein anderes Girl ruft an? Die davor kann warten.

Okay, Cro videotelefoniert mit leichtbekleideten Girls, und jetzt? Der Bubi-Player-Lifestyle eines Einzelnen mag im großen Maße kaum jucken. Aber das hier ist Cro – Zartheitsrevoluzzer, Deutschpops Cool Kid ohnegleichen, Achillesferse eines jeden Mainstreamverweigerers.

Zeitsprung. Vor etwa zwei Jahren trifft Noisey sich auf ein „Erstes Date“ mit Cro und veröffentlicht ein Interview, das Wellen schlägt: Fast jedes Mädchen in Deutschland sei langweilig; mit „irgendwelchen Schlampen“ zu feiern, sei „wack” und Videos anderer deutscher Rapper, in denen „so ’ne Schlampe in ’nem String da so rumtanzt […] übergeschmacklos“.

Okay, das ist zwei Jahre her. Genug Zeit also, um auf Kritik zu reagieren und sich bestenfalls mit ihr auseinanderzusetzen.

„Ich bau‘ mir meine Frau genauso wie sie mir gefällt.“

Zwei Jahre, in denen viel passiert ist, zum Beispiel und in diesem Kontext unvermeidbar: #metoo. Was mit Vergewaltigungsvorwürfen gegenüber Hollywood-Mogul Harvey Weinstein begonnen hat und Millionen von Frauen ermutigt hat, ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung zu teilen, was wiederum die nötige Sensibilität im Umgang mit dem Thema allmählich erhöht. Dennoch bleiben die Meinungen gespalten.

Im Juni dieses Jahres lacht sich das Internet kaputt über die Uni Bielefeld. Ihr Allgemeiner Studierendenausschuss verkündet, dass Cro auf ihrem 15.000-Besucher-Festival nichts zu suchen habe. Der Grund: Seine Texte „seien von Sexismus und Gewaltfantasien geprägt“.

Carlo Waibel alias Cro beim „Channel Aid“-Charity-Konzert am 2. Juli 2018 in Hamburg

Tristar Media Getty Images


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