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Popkolumne, Folge 58

Für Solidarität und Aktionismus, gegen Plattitüden und Langeweile: Paulas Popwoche im Überblick

Kolumnen laufen meistens so ab: Puh, was könnte man mal … Vielleicht das Thema oder das? Nee, das ist es nicht, und das andere eigentlich auch nicht. Scheiße, ich hab nix, gleich ist Abgabe. Diesmal hab ich so richtig viel aufm Zettel, aber vor allem natürlich DAS eine Thema: Woody Allen. Spaß. Scheißt auf den Typen und seine Fans.

Wenn Ihr nicht gerade Jared Leto seid oder im „Big Brother“-Haus wohnt (Stand von vor drei Tagen), geht es für Euch natürlich gerade nur um eins: Was ist die geilste Playlist von irgendeinem Heini für die Corona-Quarantäne (Anm. der Redaktion: Paula meint uns) ? Wie süß Linus Volkmann in der Kolumne von letzter Woche nur einen (in Zahl: 1) Punkt dem grassierenden Horrorvirus widmete. Da war das noch eine Sache von vielen, Like, wer sich erinnert!

Ich krieg momentan immer so Flashbacks. Sehe mich da stehen, vor einem Monat, mit C., L., S., M., N., T., S., der gesamten Gruppe B., XYZ und allen noch mal und immer wieder, wie wir uns in den Armen liegen, uns bützen, schunkeln, uns Körperteile ablecken und aus den selben Gläsern trinken. Wer is et schuld? Der Karneval. Ich fühle mich schuldig. Ganz ernst gemeint. In NRW ist die Verbreitung vom Coronavirus am höchsten. Die meisten von uns haben es nicht ernst genommen, einige tun das noch immer nicht und die Kacke ist krass am Dampfen.

Schuld müssen jetzt natürlich trotzdem die anderen sein. Wir sind ja alle kurz davor, unsere Nachbarn aufzuschreiben, die unserer Meinung nach immer noch und viel zu unnötig draußen sind, während wir selbst wirklich nur wichtigerweise draußen unterwegs sind.

Schuld sind die Menschen auf den Spielplätzen, die Cosplay-Jugendlichen in Leipzig, die junge Frau bei TikTok, die einen Toilettensitz abgeleckt hat und eventuell auch LaFee, die es schon vor Jahren beschwor.

Ganz sicher schuld ist die fahrlässige Politik der vergangenen Jahre und Wochen, der Umstand, dass in der Pflege alles kaputtgekürzt wurde, was ging, die Relativiererei, das Leugnen und die ungenügende Vorbereitung auf etwas, wovor Wissenschaftler*innen eindringlich gewarnt hatten. Ebenfalls schuld sind die Stereophonics, die mit ihrer #kind2020-Tour so kind waren, in einer Zeit der Pandemie zehntausende Menschen zusammenzuführen.

Jetzt fällt natürlich weiterhin alles aus und die Veranstaltungen fallen wie Dominosteine. Der Eurovision Songcontest, Festivals, Konzerte sowieso, Lesungen, Albumveröffentlichungen, Sportveranstaltungen, Kino ist auch nicht mehr. Und das wird auch noch eine Weile so weitergehen, weil momentan auch sehr schlecht geplant, kalkuliert und sich zusammengesetzt werden kann. Sollte es im Herbst wieder losgehen können, werden die Nachholtermine alles so vollstopfen, dass … meine Güte, selbst Gedankenspiele nützen gerade nichts. Man weiß es einfach nicht. Aber gerade kam die Meldung rein, dass die Regierung ein Hilfspaket für Solo-Selbstständige plant. Spannend.

Idee zur Vereinfachung: Bedingungsloses Grundeinkommen now!

Der Mangel an Kultur ist schon jetzt spürbar, die aktuellen Popstars heißen plötzlich Drosten und Merkel und dagegen müssen wir echt was machen. Es gibt so gut wie keine*n Autor*in oder Musiker*in ohne gestreamten Auftritt aktuell. Gut. Wer weiß, vielleicht wird Volkmann nächste Woche schon vom ersten Onlinefestival berichten? Da gäbe es bestimmt eine bessere Frauenquote als bei den alten Bierpong-Riesen. Hach, Bierpong… Those were the days.

Aber überall braucht es jetzt Sichtbarkeit und Unterstützung. Es gibt mittlerweile zahlreiche Facebook- und Telegram-Gruppen für jede Stadt, um sich zu organisieren. Es gibt die Seite gemeinschaft.online, auf der man sich vernetzen, informieren und Unterstützung finden kann. Und auf dieser Listen-Seite findet man viele Gruppen gesammelt. Pflegekräfte haben einen Forderungskatalog und eine Petition gestartet, nachzulesen hier. Zudem kann man mal bei den Obdachlosenhilfen anfragen, wie man dort unterstützen kann.

Neuerdings fange ich sogar wieder an, Nachrichten, Talkshows und „Brisant“ zu gucken. Da werden immer ganz viele Aspekte der aktuellen Krise beleuchtet. Was komischerweise immer fehlt, sind die Auswirkungen auf Wohnungslose, auf Flüchtlingslager, auf die Geflüchteten auf Lesbos oder die Erwähnung der Abschiebungen, die noch immer stattfinden. Die viel beschworene Solidarität und Gemeinschaft soll mal wieder nur für weiße Deutsche gelten, aber da machen wir nicht mit.  Die Kampagne #leavenoonebehind fordert sich für besonders Schutzbedürftige einzusetzen.

 

Fordern wir jetzt mal ein, was Popstar Merkel in ihrer Rede an uns richtet: füreinander einstehen. Aber für alle.

Tipp gegen Eure Langeweile:

Agitiert los.

Was bisher geschah? Hier alle Popkolumnentexte im Überblick.

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