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Stilkolumne

Goldene Tauben und Fake-Nägel: Warum Schiaparelli das neue Lieblingslabel der Stars ist

von
Jan Kedves
Jan Kedves

Die weiblichen Popstars haben ein neues Lieblings-Fashion-Label: Schiaparelli aus Paris. Der opulent gebauschte Rock aus roter Seide, den Lady Gaga bei der Amtseinführung von Joe Biden trug, kombiniert mit einer goldenen Friedenstaube, die Gaga links auf der Brust saß, dort also, wo Patriot*innen das Herz für ihre Heimat schlägt: beides von Schiaparelli. Das in Wellen gelegte schwarze Lederkleid, das Beyoncé bei den Grammy Awards trug, inklusive Lederhandschuhen mit aufgeklebten Fake-Fingernägeln: ebenfalls Schiaparelli.

Und das kamelbraune Outfit, das St. Vincent in einem der Promofotos für ihr neues Album DADDY’S HOME trägt: Bluse, flatterweite Hose und Ledermantel mit goldenen Schmuckdetails von Schiaparelli für – schauen wir kurz in den Online-Shop des Labels – zusammengerechnet 10.200 Euro.

Humor und surrealistische Trompe-l’oeil-Effekte

Dass Mode sehr teuer sein kann, nun ja, das wissen wir. Interessanter ist, wie der aus Texas stammende Daniel Roseberry seit seiner Ernennung zum Schiaparelli-Designer das schafft, was vor ihm zuletzt einige andere erfolglos versucht haben: das Haus Schiaparelli nicht nur zu reaktivieren, sondern es wieder relevant zu machen. Roseberry arbeitet raffiniert mit dem Humor und den surrealistischen Trompe-l’oeil-Effekten, die schon die Gründerin Elsa Schiaparelli (1890 geboren in Rom, 1973 gestorben in Paris) legendär machten.

Beyoncé bei den Grammys 2021 in einem Kleid von – Ihr ahnt es bereits – Schiaparelli.

Schiaparelli galt in den 1930er-Jahren als große Kontrahentin von Coco Chanel. Die beiden sollen sich gehasst haben. Als Designerinnen vertraten sie konträre Mode-Philosophien: Chanel eher streng, sportlich, leicht androgyn, dabei üppig behängt mit billigen Schmuckperlen. Schiaparelli hingegen war überdreht und augenzwinkernd sexuell. Sie liebte den gut kalkulierten, psychoanalytisch fundierten Schock – wie etwa der Hut, der aussieht wie ein Pumps, den die Frau sich einfach vom Fuß gezogen und oben auf den Kopf gesetzt hat.

Pop, bevor es Pop gab

Schiaparelli war mit ihren Designs im Grunde schon Pop, bevor es Pop gab. Als es dann Pop gab, war sie vergessen, und die Marke Chanel wurde, nicht zuletzt dank Karl Lagerfeld, zum Goldstandard in der Mode. Jetzt ist Lagerfeld tot, und es wäre übertrieben zu behaupten, dass seine Nachfolgerin, die jetzige Chanel-Designerin Virginie Viard, seitdem noch irgendwelche Akzente setzen konnte.

Der perfekte Moment also für Schiaparelli, mit einem neuen Designer noch einmal so richtig um die Ecke zu kommen. Eine späte Rache an Coco Chanel, die Schiaparelli einmal bei einer Party rücklings in einen Kerzenständer gestoßen haben soll? Surrealistische Grüße aus dem Jenseits. Welche Popstars werden bald noch mitmachen?

Diese Kolumne erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 06/2021.

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