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Album der Woche

The National Sleep Well Beast

4AD/Beggars/Indigo

von

Einen stärkeren Lauf muss eine Indie-Rock-Band des 21. Jahrhunderts erst mal hinlegen: ALLIGATOR (2005), THE BOXER (2007), HIGH VIOLET (2010) und TROUBLE WILL FIND ME (2013) waren vier vor gleichzeitig Festival- und Kopfhörer-kompatiblen Songs nur so strotzende, emotional druckvolle Alben, von denen mindestens zwei in 20 Jahren als Klassiker gelten werden.

SLEEP WELL BEAST erscheint nach der längs­ten Pause zwischen zwei Alben seit Beginn der Bandgeschichte, und ist ein befriedigendes, aber auch bequemes Dokument einer Band, die mit sich im Reinen ist. The National sind mit mehreren unverkennbaren Merkmalen ausgestattet: dem Barkeeper-Bariton Matt Berningers, den mal sägenden, mal orchestral flächigen Gitarren der Gebrüder Dessner (Aaron und Bryce), und dem zittrigen und doch kraftvollen Schlagzeugspiel von Bryan Devendorf.

All das ist hier zu hören, mit kleinen Variationen: Es werden zum ersten Mal in der National-Geschichte Gitarrensoli gegniedelt („Turtleneck“ und im schönen „Dark Side Of The Gym“) und Berningers Texte, die früher oft klangen, als hätte er sie nach dem fixen Konsum einer Flasche Rotwein im Studio niedergeschmiert, sind fokussierter und auch wortwörtlicher – zum Beispiel in „Guilty Party“, einem Abgesang auf eine Beziehung, an deren Ende niemand Schuld trägt. „I don’t need you. Besides, I barely see you anymore“, spuckt Berninger auf dem frühen Highlight, der Hymne „Day I Die“, im grungigen Rocker „Turtleneck“ klingt er so getrieben wie sonst nur auf der Bühne.

Es gibt die traditionellen Balladen im Dreiviertel-Taxt („Born To Beg“, „Carin At The Liquor Store“), die leider nicht an die geistigen Vorgänger wie „Val Jester“ und „Vanderlyle Crybaby Geeks“ herankommen, und melancholisch-dröge Filler. Eine schöne Überraschung ist das auf einem Loop basierende „I’ll Still Destroy You“ – ein bisschen wie The Notwist, nur näher am Wasser gebaut. Für eine politische Band gibt es bis auf ein Zitat von Karl Rove, einem der Berater von George W. Bush, keine expliziten Bezüge auf die aktuellen Zustände. The National haben es sich etwas bequem gemacht. Aber das haben sie sich auch verdient.

Ein Besuch bei The National: Tut uns leid, Michael Stipe!

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