Highlight: Die 50 besten Alben des Jahres 2016

Rezensiert: Alle Alben von Dev Hynes aka Blood Orange im Überblick

Ob als Mitglied der Dance-Punk-Band Test Icicles, mit Britpop unter dem Namen Lightspeed Champion oder aktuell als Neo-Soul-Artist Blood Orange: Dev Hynes‘ Musik hat viele Gesichter. Wer sich selbst von der anscheinend unerschöpflichen Kreativität des Briten überzeugen möchte, hat diesen Sommer gute Karten: Im August tritt Hynes als Blood Orange exklusiv bei unserem Festival „50 Jahre Musikexpress – Das Festival“ in der Berliner Max-Schmeling-Halle auf. Außerdem dabei: Tame Impala und Yeasayer.

Damit Ihr Euch angemessen auf das Event einstimmen könnt, haben wir hier nochmal alle bisher veröffentlichten Solo-Alben des Ausnahmekünstlers für Euch zusammengefasst.

Lightspeed Champion – FALLING OFF THE LAVENDER BRIDGE (2008)

(Domino/GoodToGo)

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Lieder, die wie Nachtlandschaften leuchten und von sexuellen Obsessionen und Rassenhass erzählen.

In Interviews tischt Dev Hynes (21) merkwürdige Vergleiche für seine Musik auf:

„Als ob du deine Jungfräulichkeit zum fünften Mal verlierst …aber diesmal ohne Kondom.“ Den Verkehrsschutz mal außen vorgelassen, treffend ist diese Bemerkung auf eine Art schon. Die zwölf Songs kommen ohne die Dramaturgie eines „ersten Mals“ aus. Hynes flaniert durch Pop-Prachtalleen, die Besuchern des Bright-Eyes-Universums ein wohliges Gefühl der Vertrautheit vermitteln, er badet in polyphonen Vokalspielen und weiten semiakustischen Arrangements, wie man sie von ambitionierten Amerikanern erwartet. Hynes, gebürtiger Amerikaner und Wahlbrite.

2005 als Gitarrist und Part-Time-Vokalist der Test Icicles zu kurzem, fragwürdigem Ruhm gelangt, erfindet sich als Singer/Songwriter neu – mit starker Country-Schlagseite. Produziert wurde Hynes‘ Soloalbum in Omaha, Nebraska, von Saddle-Creek-Hausproduzent Mike Mogis, an den Aufnahmen waren Clark Baechle (The Faint), Emmy The Great und Mitglieder von Cursive und Tilly And The Wall beteiligt.

Nur Conor Oberst fehlt noch auf dieser Platte, die sich hervorragend in das Programm der Omaha-Mischpoke fügen würde. Hübsches Pedal-Steel-lntro, herzerwärmendes Oboenspiel auf „All To Shit“– die besten dieser Lieder leuchten wie Landschaften, die man mit Kerzenlicht durchstreift. Die Geschichten handeln von den sexuellen Tagträumen, die Jungs in ihren Parallelwelten haben (im neuneinhalbminütigen „Midnight Surprise“), sie erzählen von Rassenhass und Beziehungsfrust, am Ende grüßt Dev seine Mutter mit einem Song, der von Fleetwood Mac stammen könnte, „No Surprise (For Wendela)“. Und einmal singt er tatsächlich vom Verlust seiner Unschuld, erst später will er festgestellt haben, dass es nicht das erste Mal war. Das erste Mal war so schrecklich, dass er es vollkommen ausgeblendet hatte.

(Frank Sawatzki)

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Lightspeed Champion – LIFE IS SWEET! NICE TO MEET YOU (2010)

(Domino/GoodToGo)

Just like heaven: Dev Hynes nimmt sein definitives Britpop-Album auf.

Es gibt sie noch, diese Alben wie Ryan Adams‚ HEARTBREAKER, die ein Jahr lang jeden Tag angehört werden und einem das Gefühl vermitteln, Teil der eigenen DNS geworden zu sein. FALLING OFF THE LAVENDER BRIDGE von Lightspeed Champion war so ein Album: subtil, still und doch virtuos. Ein Folkalbum von einem Stadtkind für Stadtkinder, das ein Versprechen gab: Irgendwann mache ich das Album, das die Welt verändert.

Seitdem hat Ex-Test-Icicle Dev Hynes Dutzende Alben aufgenommen, bis LIFE IS SWEET! NICE TO MEET YOU den Segen des Labels zur Veröffentlichung bekam. Der 23-jährige Londoner hat sich nach eigenen Angaben auf die Suche nach dem klassisch „britischen Sound“ gemacht und versucht, diesen einzufangen. Dabei fand er Hardrock („Marlene“), The-Cure-artigen Pop („Romart“), die frühen Blur („Madame Van Damme“), Freddie Mercury („The Big Guns Of Highsmith“) und den besten Prefab-Sprout-Song seit„Wild Horses“ („Smooth Day“). Radiohead und die Beatles natürlich auch. Dagegen klingt Pete Doherty wie ein Opa, der nur fünf Platten im Schrank stehen hat.

Die größte Besonderheit hier ist aber nicht mal die Vielfalt, sondern Hynes‘ Verständnis für Melodien, das schlichtweg atemberaubend ist. Jeder einzelne Song ist so reich an Texturen, Timing, Gefühl und Melodie, dass man fast meint, man habe es mit einer Best-of-Sammlung zu tun. Oder dem besten Britpop-Mixtape der Welt.

(John Wohlmacher)

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Blood Orange – Coastal Grooves (2011)

(Domino/GoodToGo)

Dev Hynes lässt den Wüstenklampfer hinter sich und bringt Berge aus Groove in seine achtzigerjahregetränkten Pop-Songs.

Unproduktivität kann sich der ehemalige Test Icicler kaum vorwerfen lassen. Nach dem Ende der Band vor fünf Jahren veröffentlichte er – getarnt als Singer/Songwriter – zwei Alben unter dem Namen Lightspeed Champion und produzierte nebenbei die Platten von Theophilus London und Solange Knowles, während er drei Jahre in New York verbrachte. Dort bekam er auch die Inspirationen zu seinem neuesten Projekt Blood Orange. Die Songs dafür hat Hynes dem Vernehmen nach in seinem Schlafzimmer geschrieben und des nächtens auf seinem Kopfhörer getestet.

Das Album versteht sich als Hommage an die New Yorker Schwulenszene Anfang der Achtzigerjahre, die für Hynes eine Ära repräsentiert, in der Freiheit und Stolz zelebriert wurden. Die Musik selber ist pures auditives Glück, wenn man es auf die simpelsten menschlichen Triebe runterbrechen möchte, kann man auch gerne sagen, sie ist nichts anderes als Sex für die Ohren. Da grooven Nummern wie „Sutphin Boulevard“ mit hinreißendem Bass und fast schon Prince-artigem Gesang, Post-Eighties-Disco, eine Prise Orient und ein breit gestreutes Referenzbrett von Chris Isaak über Arthur Russell bis hin zu Cyndi Lauper.

Das Album hat eine ganz eigene Stimmung, in der Art von Underneath The Pine von Toro Y Moi, wobei die Ausrichtung trotz ebenbürtiger Basis zu unterschiedlich ist. Funktioniert nachts und von mir aus auch nackt am besten, diese Platte geht aber einfach immer.

(Christopher Hunold)

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Blood Orange – Cupid Deluxe (2013)

(Domino/GoodToGo)

Ganz groß: Aufreizend an- und ausziehender Funk- und Soul-Pop, der die 80er- und 90er-Jahre auswendig zu kennen scheint.

Schaut man sich das im Palmenparadies Guyana aufgenommene Video zu der ätherischen Soul-Nummer „Chamakay“ an, fällt es wirklich schwer, zu glauben, dass Devonté Hynes bis vor sieben Jahren – noch als Teenager – Mitglied der anstrengenden Garage-Punk-Band Test Icicles war. Auch die Abenteuer an der Klampfe als Akustik-Folker Lightspeed Champion in den Folgejahren waren eher so mittel. Es herrscht der Konsens, dass es eine gute Entscheidung von Hynes war, die Basecap falsch herum aufzusetzen, jede Menge Prince zu hören und sich von nun an Blood Orange zu nennen.

Dieser bewusst cheesy, groovende Funk-Pop für Leute, die das Schlafzimmer selten verlassen, wird von niemandem besser in Szene gesetzt. Nach seinem Debüt COASTAL GROOVES lieh er seine Produktionsskills zunächst anderen Musikern und schneiderte ihnen jeweils das Highlight ihrer Diskografie auf den zumeist weiblichen Leib. Da wäre die schmachtende Schulmädchen- Romanze „Everything Is Embarrassing“ von Model-goes-Singer Sky Ferreira, die letzte EP von Beyoncé-Schwester Solange Knowles, die Comeback-Single „Flatline“ der alten/neuen Sugababes und der ganz große Kniff: „The Way“, diese überkandidelte, im Nebel versinkende Powerballade der umgekrempelten Friends aus Brooklyn um Samantha Urbani.

Das bereits angesprochene „Chamakay“ beginnt mit warmen, karibisch angehauchten Tönen, dann folgt „You’re Not Good Enough“ – ein weiterer Anlass für Vergleiche mit Prince und für elementare Fragen: Bleibt eher dieser riesige Ohrwurm im, nun ja, Ohr, oder der Groove in den Hüften hängen? Der komprimierte 80s-Beat, die Funk-Gitarren, das schamlose Saxofon und der halb gehauchte, halb gesprochene Text erheben „Uncle Ace“ in den Status eines musikalischen Highlights. „You have reason to think I’m just what you need“, singt Hynes im Refrain und hat damit sehr recht. Mit „No Right Thing“ und Dirty-Projectors-Sänger Dave Longstreth wird die Gästeliste eröffnet. Dessen Stimme klang nie so sehr nach Curtis Mayfield wie in diesem Song. Für „It Is What It Is“ springt erstmals Samantha Urbani ein, die mit ihrem Gesang an Zeiten in den 90er-Jahren erinnert, in denen man Janet-Jackson-Videos auf VIVA noch für ein Ereignis hielt.

Der Slow-Burner „Chosen“, begleitet von Saxofonen, die dem Soundtrack eines alten Detektiv- Filmes entnommen zu sein scheinen, ist ein Song für die ganz lasziven Momente, wenn der Bademantel mal etwas lockerer sitzt und die Fernbedienung für die Nebelmaschine wieder aufgetaucht ist. Neben einem Feature des Beat-Produzenten Clams Casino sind die Rapper Despot und Skepta die vielleicht ungewöhnlichsten Gäste auf CUPID DELUXE, ergänzen die Platte aber mit „Clipped On“ um einen HipHop-Song, der selige Tage mit den alten Platten der Sons Of Mischief in das Gedächtnis ruft.

„Always Let U Down“, der Albumrausschmeißer, ist ein Cover der 90er-Brit-Popper Mansun, von deren Stil Dev Hynes in seiner Version allerdings nichts übrig lässt. In „Time Will Tell“ zitiert er sich dann selbst, indem er mit der Textzeile „Come into my bedroom“ den alten Song „Champagne Coast“ herbeibeschwört.

Es ist beeindruckend, wie sehr Blood Orange mit dem spielt, was er kennt und liebt, wie sehr er sein Verständnis von selbstverständlicher Coolness, von Groove, Liebe und Musikgeschichte in seinen Songs zusammenbringt und sich vor allem als einer der besten Produzenten unserer Zeit zeigt. So ein Ding wie CUPID DELUXE geht dann auch schon mal als Album des Jahres durch.

(Christopher Hunold)

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Blood Orange – Freetown Sound (2016)

(Domino/GoodToGo)

Die Songs treten zugunsten eines einheitlichen Soundkonzeptes zurück: Dev Hynes inszeniert auf seinem dritten Blood-Orange-Album den Jam.

Dev Hynes. Man dachte ja schon, dass der Kerl irgendwann sein New Yorker Cool-Korsett abstreifen und zu America’s Newest Hitmaker werden würde. Dass er seine Songs, die sich immer zwei Zentimeter neben dem Mainstream bewegten, etwas glätten und nicht nur Solange oder FKA Twigs, sondern auch die Größen des Geschäfts mit seinem Material beliefern würde.

Auf FREETOWN SOUND, das deutete vor zwei Jahren schon der Soundtrack zu Gia Coppolas „Palo Alto“ an, ist eher eine Hinwendung zu den Randgebieten des Pop zu beobachten. Das abgesteckte Gebiet, in dem sein Sound stattfindet, ist zwar stärker bewachsen, aber auch etwas kleiner geworden. Auf der Platte, die im weitesten Sinne Hynes’ Wurzeln in Liberia und deren Auswirkungen auf seine heutige Identität als Schwarzer in den USA thematisiert, konstruiert er einen Flow, in dem die Pausen vorsichtig gesetzt werden.

Stringent durchklöppelnde Beats und verwinkelte 80s-Patterns – das schönste findet sich recht früh in „Better Than Me“ – verbinden sich mit Soul- und HipHop-Einflüssen, Future-Funk, New Jack Swing, Jazz, Field Recordings und kurzen Vocal-Skits. All das verlässt aber selten die Zitatebene, dient eher als Schablone, die nach und nach mit den bekannten Hynes-Zutaten gefüllt werden.

Seine Kopfstimme sowie diverse Gäste – auf dem an ein sehr weiches Kopfkissen erinnernden „Hadron Collider“ hören wir Nelly Furtado –, Synthie-Flächen, Saxofone, dieser charakteristische Slap-Bass: All das findet sich zu einer Art Mixtape, das naturgemäß vor allem als Ganzes funktioniert und dabei zur weiterführenden Lektüre anregt: Empfohlen sei hier das sehr ausführliche Gespräch, das Hynes mit dem Produzenten Kindness über die Referenzen führte, die zu dieser Platte führten.

(Jochen Overbeck)

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Blood Orange – Negro Swan (2018)

(Domino/GoodToGo)

Die perfekte Balance zwischen „black depression“ und Hoffnung: Ein Meisterwerk des erzählenden Neo-Souls. 

„Tell me what you want from me“ lautet eine der vielen magischen Zeilen auf dieser Platte. Dev Hynes also known as Blood Orange formerly known as Lightspeed Champion wiederholt sie im Stück „Chewing Gum“ immer wieder, dann überlässt er A$AP Rocky ein Feature über Kaugummigeschmacksrichtungen, kurz danach kommt der Rapper aber zum Punkt: Wer hat mit wem rumgemacht? Und zwar quer über die herkömmlichen Gender-Grenzen hinweg. „Chewing Gum“ ist ein wunderbarer Soul- und R’n’B-Popsong, die Melodie ist fantastisch, die Keyboards sphärisch, nur der Beat ist seltsam maschinell. Am faszinierendsten ist aber die sehnsüchtige Stimme von Hynes, der endlich wissen will, was man denn nun eigentlich von ihm wolle. In die Sehnsucht mischt sich Verzweiflung. Weil dieser Mensch zwar weiß, was er will – aber schleichend daran zerbricht, dass die Welt da draußen eine bestimmte Vorstellung davon hat, was er zu wollen hat. 

Hynes wuchs im Osten von London auf, besuchte eine gute Schule, fand früh Anschluss an die Musikszene, spielte bei den Dance-Punks Test Icicles, die ab 2004 zur kurzen Welle der supergeilen Gitarrenbands zählte, zu denen man auch tanzen konnte. Es wird sehr viel über das Thema Integration gesprochen in diesen Tagen, am lautesten sind dabei die Stimmen derjenigen, die sich eben gar nicht zu integrieren haben, zu hören sind vor allem: weiße Männer. Wo müssen die sich denn integrieren? Warum schwadronieren dann ausgerechnet sie daher, wie das zu funktionieren habe? Warum also stellen weiße Männer die Regeln eines Prozesses auf, den sie gar nicht durchlaufen müssen?

Auf dem Vorgänger FREETOWN SOUND von 2016 nahm Hynes die Story seiner Eltern in den Fokus, der Titel war ein Verweis auf die Hauptstadt von Sierra Leone, den Geburtsort seines Vaters. NEGRO SWAN funktioniert nun wie der Blick in den Spiegel, die Songs handeln von seinem Leben als junger Schwarzer im Osten Londons, als erwachsener Schwarzer in den USA. Die Stücke handeln auch vom Queer-Sein in dieser Welt, gleich das erste Stück „Orlando“ erinnert an die Attacke auf den Gay-Nachtclub „Pulse“ im Juni 2016. Hynes sagt, diese neuen Songs handelten von „my own and the many types of black depression“, doch niedergeschlagen klingt NEGRO SWAN nicht.  

„Saint“ baut auf einem Beat auf, den man etwas weniger verfälscht Anfang der 90er-Jahre von Soul II Soul gehört hat, beim Kernstück „Hope“ ist dann glatt Puff Daddy also known as Brother Love formerly known as P. Diddy dabei: Eine Polizeisirene wird angedeutet, verstummt aber, eine besinnliche Klaviermelodie und die Stimme der Sängerin TeiShi übernehmen, dann sagt Puff Daddy: „I sit and smile when you come around.“ Zum Barjazz-Klavier philosophiert er über die Liebe, darüber, wie schön es wäre, so geliebt zu werden, wie man selbst Liebe versteht. Aber: „You want something, but you don’t know if you can handle it.“ Ein superintimer Moment. Atemberaubend wird er, wenn Dev Hynes am Ende des Stücks eine verhallte Dream-Pop-Coda entwickelt und sich das Piano ganz kurz vom Bar- in den Freejazz wandelt.  

„Family“ nimmt die Intimität auf, führt sie in die Familie, diesen im Idealfall total freien Raum, über den Janet Mock, Fernsehmoderatorin und Transgender-Aktivistin, in diesem kurzen Stück schwärmt. Dann singt Dev Hynes über sich als „Charcoal Baby“, stellt der Kraft einer einzelnen Familie die zermürbenden Energien der Gesellschaft gegenüber: Die seifigen Keyboards vertonen die Schieflage, das Saxofon bringt die Erlösung, denn wie fast immer gewinnt auch hier am Ende die Macht der Musik. Das ist die Hoffnung, die Blood Orange in dieses Album eingepflanzt hat und die wie ein guter Virus funktioniert. Selbst bei „Dagenham Dream“, einem minimalistischen Song über die Realität im Londoner Osten, wo ihm Lehrer von offensichtlichen Nachteilen erzählen und die Polizeisirenen zum Werktags-Sound gehören.  

Was NEGRO SWAN so besonders macht, ist die Balance aus Spannung und Entspannung, „Runnin’“ ist ein perfektes Beispiel, der Track beginnt wie eine Übung im meditativen Chillen, dann öffnen sich die Harmonien, Unruhe kommt auf und die sensationelle Georgia Anne Muldrow betritt den Raum, US-Sängerin auf den Spuren von Nina Simone. Ihre Stimme ist gar nicht laut nach vorne gemischt, sie bleibt leicht verhallt im Hintergrund, zieht den Track aber so sehr an sich, dass bis auf die akustische Gitarre kurz alle Instrumente verstummen: „You’re gonna be okay.“  

Dear white people, shut up and listen! 

Da ist sie wieder, die Hoffnung. Bei der Erinnerung, wann man schon einmal eine Musik gehört hat, die das Bewusstsein für die Probleme und die Hoffnung auf deren Lösung so differenziert ausbalanciert hat, landet man bei den frühen Platten von Arrested Development, bei D’Angelo, Kendrick Lamar, Solange, Janelle Monáe. NEGRO SWAN ist Teil dieser Reihe von Alben, die von Integration erzählen. Und auf denen Menschen diese Erzählung vornehmen, die dafür die nötige Autorität besitzen. Dear white people, shut up and listen!  

(André Boße)

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Tickets für unser großes Musikexpress-Jubiläums-Event gibt es ab sofort online bei eventim und an allen bekannten Vorverkaufsstellen für circa 50 Euro. Weitere Details findet Ihr auch der Facebook-Seite zum Event.

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