Konzertbericht

Tame Impala live in Miami: Kevin Parker lässt keinen Trick aus, um in Erinnerung zu bleiben

Was verschlägt eine Band wie Tame Impala, die gerade Headliner beim Coachella-Festival war, in eine Klitsche wie das Fillmore in Miami Beach? Kaum hatte sich die australische Psych-Pop-Sensation für ihren ersten Gig angekündigt, war in Miami jedenfalls die Hölle los. Es waren nicht nur die üblichen Scalper, die sich mit Tickets eindeckten, sondern auch die offenbar immer zahlreicher werdenden Hardcore-Fans, inklusive ihrer kompletten Familien.

Der Aufschrei all jener, die sich vergeblich um Tickets bemüht hatten, verhallte indes ungehört: Der Umzug in eine größere Halle wurde nicht in Erwägung gezogen – und ein zusätzlicher Gig kam aus Termingründen eh nicht infrage. Was bedeutete, dass sich bereits Stunden vor Konzertbeginn lange Schlangen ums Fillmore bildeten – und die Glückskinder, die’s schließlich in die Halle schafften, umso glücklicher waren und für eine knisternde Atmosphäre sorgten.

Kevin Parker – ein fast schon pathologischer Perfektionist

Tame Impala ist bekanntlich weniger eine klassische Band als das Soloprojekt von Kevin Parker – eines fast schon pathologischen Perfektionisten, der keinen Aspekt seines Projekts dem Zufall überlässt. Bei Auftritten begleiten ihn alte Freunde oder Mietmusiker, doch es bleibt nie der Hauch eines Zweifels, wer hier auf der Bühne die Knöpfchen drückt. Für seine Fans ist er der visionäre Ausnahmekünstler – und das von ihm zusammengestellte Set dürfte ihre Erwartungen auch kaum enttäuscht haben.

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„Let It Happen“ liefert den elektrisierenden Einstieg in ein 90-minütiges Set, der sich als wahrhaft kathartisches Spektakel entpuppt. Sie beginnen mit einem Höhepunkt, dem unwiderstehlichen Hit von 2015. Und sie halten das Level.

Selbst bei den wenigen ruhigeren Stücken steigt das Energie-Barometer im Publikum weiter an – und Tracks vom ersten Tame-Impala-Album werden mit der gleichen frenetischen Begeisterung begrüßt wie die neuen Singles „Patience“ und „Borderline“.

Es erweist sich natürlich als förderlich, dass der Live-Sound hervorragend abgemischt und eingestellt ist. Die opulente Produktion ihrer Studioaufnahmen kommt hier mitunter sogar noch besser zur Geltung. Bei „Eventually“ etwa lässt der Bass den Boden erbeben, ohne dass die Kopfhörer-kompatible Soundmischung darunter leiden würde.

Eine atemberaubende Fülle fantastischer Farben und Formen

Die visuellen Highlights ihrer Live- Shows werden von Kevin Parker nicht minder minutiös gesetzt und verlangen die entsprechende Aufmerksamkeit. Dreimal an diesem Abend decken Konfetti-Kanonen das Publikum mit der vollen Ladung ein, doch künstlerisch kreativer sind natürlich die psychedelischen Visuals auf der Leinwand im Hintergrund: Die Fülle fantastischer Farben und Formen ist so atemberaubend, dass die Musiker zeitweilig zu schwarzen Scherenschnitten vor einer eindrucksvollen Lichtkulisse werden.

Den Knüller aus seinem visuellen Arsenal zog Parker zur Mitte des Sets: Für „Elephant“ (den Song, den man in den USA seit sieben Jahren in einem Werbespot von Blackberry hört) wird das Publikum mit einer Lasershow bearbeitet, die mit dem Rhythmus des Songs perfekt synchronisiert ist. Zum krönenden Abschluss taucht auf der Leinwand eine überlebens- große Parker-Silhouette auf, die aus ihren Augen Laserblitze ins Publikum schießt. Die Freunde des psychedelischen Feuerwerks dürften erschöpft und glücklich nach Hause gewankt sein.

Kevin Parker lässt keinen Trick aus, um in Erinnerung zu bleiben

Sie haben nicht nur eine brillante Show gesehen, sondern auch Musiker, die auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer kreativen Entwicklung angelangt sind – inspiriert von einem vielseitig begabten Künstler, der das Talent hat, seine Visionen präzise umzusetzen. Wer nach einer Tame-Impala-Show nach Hause kommt und noch Konfetti in seinen Haaren oder Kleidern findet, sollte sich nicht wundern: Kevin Parker lässt keinen Trick aus, um in Erinnerung zu bleiben.

James Biagotti

Setlist:

  • „Let It Happen“
  • „Patience“
  • „The Moment“
  • „Mind Mischief“
  • „Nangs“
  • „Elephant“
  • „Love/Paranoia“
  • „The Less I Know The Better“
  • „Yes I‘m Changing“
  • „Why Won‘t You Make Up Your Mind?“
  • „Eventually“
  • „It Is Not Meant To Be“
  • „Borderline“
  • „Apocalypse Dreams“

Zugabe:

  • „Mutant Gossip“ (Intro)
  • „Feels Like We Only Go Backwards“
  • „New Person, Same Old Mistakes“

Dieser Artikel  erschien im ME 07/19.

Am 13. August geben sich Kevin Parker und Co. bei „50 Jahre Musikexpress – Das Festival“ in der Berliner Max-Schmeling-Halle die Ehre. Unterstützt werden sie an dem Tag von Blood Orange und Yeasayer.

Tickets für unser großes Jubiläums-Event gibt es online bei eventim und an allen bekannten Vorverkaufsstellen für circa 50 Euro.

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