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Interview

24kGoldn im Interview: „Wir sind die Stimme der Generation Z“

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Vieles was 24kGoldn aktuell anfasst, wird zu Gold. Als Golden Landis Von Jones, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, aus San Francisco nach Los Angeles zog, um an der University of Southern California zu studieren, ahnte er noch nicht, dass er seinen Plan Hedgefonds-Manager zu werden, schon bald für eine erfolgreiche Musikkarriere aufgeben würde. Mit dem Song „Mood“, den er sich zusammen mit Rapper iann Dior während einer Runde „Call of Duty“ einfallen ließ, gelang ihm plötzlich der internationale Durchbruch. Der Song, der Rap-, Pop- und Rock-Elemente enthält, landete auf Platz 1 der Billboard Top 100 und konnte sich dort acht Wochen halten. Nach Billie Eilish und Jawsh 685 ist er der dritte Musiker seiner Generation, dem das gelingt. Auch in Europa feiert der Rapper Charterfolge, von denen er aufgrund eingeschränkter Reisemöglichkeiten durch die Corona-Pandemie gar nicht so viel mitbekommt.

Wir sprachen mit ihm im Interview über seine Erfolgsgeschichte, das Erwachsenwerden als Pop-Star, seine Liebe zu Crossover, das kreative Potential der Generation Z und über sein kommendes Debüt-Album, das (passenderweise) EL DORADO heißt.

Musikexpress.de: Guten Morgen, Los Angeles.

24kGoldn: Guten Morgen! [auf Deutsch]

Du hast Deutschkenntnisse?

Ach, ich weiß ein bisschen was von allem.

Interessant. Ich weiß zumindest, dass Du nun die Tore zu deinem persönlichen „Eldorado“ öffnen wirst. Bist Du nervös?

Ich bin aufgeregt und nervös. Alles auf einmal. Ich habe so lange daran gearbeitet. Ich will nur noch, dass die Welt da draußen es hört. Ich habe neulich einen kurzen Trailer auf Instagram veröffentlicht, in dem man einen Einblick in die Tracklist bekommt. Außerdem habe ich versucht EL DORADO einen visuellen Kontext zu verpassen. Und ein paar Indiana-Jones-Vibes gab es obendrauf. Das sollte erst mal reichen. „Mood“, „3 2 1“ und „Coco“ waren die Singles, die die Leute auf das Album einstellen sollten.

 

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„Meine Fans sollen sich in meiner Welt einfach wohl fühlen.“

Wenn wir über EL DORADO sprechen, müssen wir kurz auf den Namen eingehen. Bei der Überlieferung der Sage von Eldorado, hat sich die Bedeutung des Namens mehrere Male geändert. Zuerst wurde damit der König eines Volkes beschrieben, später ein Tempel, dann eine Stadt und zum Schluss ein ganzes Land. Dazu kommt, dass Dein bürgerlicher Name Golden ist. Führst Du Deine Hörer*innen in ein Land der Fantasie oder geht es hier um Dich als Person?

Es ist beides. Als ich klein war, war „Eldorado“ mein Spitzname, was soviel bedeutet wie „der Goldene“. Dieser Name ist immer bei mir geblieben. Aber es geht natürlich auch um die Stadt aus Gold. Das kann man jetzt historisch betrachten, aber ich habe das eher mit meinem Heimatort verbunden. In San Francisco haben wir die „Golden State Warriors“-Basketball-Mannschaft und natürlich die Golden State Bridge. Irgendwie ist San Francisco auch die Stadt aus Gold. Insofern geht es schon um mich und meinen Hintergrund. Das habe ich mit der Legende von Eldorado verbunden. Es ist natürlich auch eine surreale Welt, die ich da erschaffe, denn die Leute brauchen aktuell Musik, um der Realität zu entfliehen. Meine Fans sollen sich in dieser Welt einfach wohl fühlen.

Das bedeutet, dass der Album-Titel von Anfang an fest stand und Du nur noch den richtigen Sound für Deine Welt finden musstest?

Genau. Ich wusste von Anfang an, dass es EL DORADO heißen muss. Auch dass es 13 Songs sein mussten, war klar. Alles andere habe ich dann auf dem Weg herausgefunden.

„Ich mag es einfach nicht in eine Schublade gesteckt zu werden.“

Auf Deiner ersten EP DROPPED OUT OF COLLEGE hast Du sehr viel experimentiert. Dort gab es Rock-Songs, Trap-Songs und Emo-Rap. War es möglich, aus all diesen Einflüssen einen roten Faden zu spinnen?

Ich denke schon und darauf bin ich sehr stolz. Wie Du schon gesagt hast, habe ich auf meiner ersten EP sehr viel ausprobiert. Ich habe mich gefragt: „Kannst du einen Trap-Song machen? Kannst du einen Pop-Song machen? Kannst du einen Rock-Song machen?“ Die Antwort war: ja! Die nächste Frage war: „Wie kann ich aus diesen Sachen einen eigenen Sound erschaffen?“ Darum ging es bei diesem Prozess, der die letzten zwei Jahre angedauert hat. Jetzt ist es R&B gemischt mit Pop, Alternative Rock, Rap und Trap. Alles zusammen. Das ist die beste Musik, die ich in meinem ganzen Leben produziert habe.

Auf Deinem Twitter-Account hast Du neulich geschrieben, dass Du auf Deinem Album Rap-technisch „ausrasten“ wirst. Gibt es kritische Stimmen, die behauptet, dass Du gar kein Rapper bist?

Ich glaube, es gibt einfach viele Leute, die nicht meine ganze Geschichte kennen. Bevor ich Songs wie „Mood“ oder „City of Angels“ gemacht habe, habe ich ausschließlich gerappt. Auch meine neueren Tracks beinhalten viel Rap. Ich mag es einfach nicht in eine Schublade gesteckt zu werden. Wenn du denkst ich bin ein Sänger, zeige ich dir, dass ich auch Rapper bin. Wenn du denkst ich bin ein Rapper, zeige ich dir, dass ich ein internationaler Pop-Star bin. Ich möchte mein Publikum einfach immer überraschen. Es ist nicht meine Aufgabe, dich in einer Diskussion von meiner Vision zu überzeugen. Du sollst sollst eher im Nachhinein denken: „Verdammt, er hatte Recht.“ Leute werden immer eine bestimmte Meinung von dir haben. Wenn du dir aber sicher bist, dass du das Richtige tust, ist das das Einzige was zählt.

Es stehen ein paar große Namen auf Deiner Feature-Liste. DaBaby, Future, Swae Lee, Dein Kumpel iann Dior und noch ein paar andere. War es schwierig diese Leute für Deine Sache zu gewinnen oder hat das alles von Anfang an geklappt?

Jede Erfahrung war anders. Den Song „Mood“ mit iann Dior habe ich mit ihm in seinem Zuhause aufgenommen. Bei Future war das anders. Den habe ich zufällig in Atlanta getroffen und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Ich hab ihm dann den Song geschickt, auf dem ich ihn haben wollte. Er hat mir am selben Abend eine Kostprobe seiner Strophe geschickt. Die war absolut krass. Am nächsten Tag kam dann eine völlig andere Strophe, die noch krasser war. Die Arbeit mit DaBaby war auch super entspannt. Der ist einfach total lustig und charismatisch. Er hat am Set von „Coco“ jedem die Hand geschüttelt und sich alle Namen gemerkt. Ich habe sehr viel Respekt vor ihm.

„Wenn du ein Künstler bist, ist dein Leben und deine Arbeit das gleiche.“

Zu Deinem Song „Mood“ mit iann Dior gibt es eine ziemlich verrückte Geschichte. Die Hook ist Dir angeblich eingefallen, als ihr beide auf der Couch gesessen, Bier getrunken und „Call of Duty“ gespielt habt. Daraus entstand dann ein Welthit. Kann man das so sagen?

Genau so war es.

Ich habe außerdem gehört, dass die meisten Deiner Songs außerhalb des Studios entstehen, weshalb Du sie mit Deinem Handy aufnehmen musst. Brauchst Du diese unscheinbaren Alltagsmomente, um mit einem Ohrwurm um die Ecke zu kommen?

Das ist eine Sache, die viele Leute nicht verstehen. Wenn du ein Künstler bist, ist dein Leben und deine Arbeit das gleiche. Da gibt es keine Trennung. Ich kann nicht nach Hause kommen, meine Uniform ausziehen und nur noch Golden Landis Von Jones [24kGoldn bürgerlicher Name, Anm.] sein. Meine Lebenserfahrungen sind der Treibstoff, der mir die Inspiration gibt. Wenn ich nicht ein ganz normales Leben leben würde, hätte ich gar nichts zu erzählen. Die Leute sollen einen Bezug zu mir haben und verstehen, das ich ein ganz normaler Typ bin, der auch mal Videospiele spielt.

„Diese Generation ist offener und gefühlvoller und ich repräsentiere sie gerne.“

Welchen Bezug hast Du zu dem Song „Mood“ aus heutiger Sicht? Den Song-Titel hast Du Dir ja mittlerweile auf Dein Bein tätowieren lassen.

Der Song hat mein Leben verändert. Kein anderer Song hat mir in so kurzer Zeit so viel Aufmerksamkeit beschert. Und das in Zeiten einer globalen Pandemie. Aber ich werde nie verstehen, welchen Einfluss der Song auf die Welt wirklich hatte, bis die Grenzen wieder geöffnet werden. Zur Zeit tanze ich in meinem Zuhause, spiele Xbox, schaue Animes und treffe mich ab und zu mit Leuten. Ich hatte keine Chance zu fühlen, wie es ist, an der Spitze angekommen zu sein. Ich kann es kaum erwarten, das zu erleben.

Wenn wir über den Erfolg des Songs sprechen, müssen wir auch über andere Leute aus Deinem Umfeld sprechen. Dein Kumpel Omer Fedi, der für die Gitarren-Riffs in dem Song verantwortlich ist, begleitet Dich jetzt schon eine ganze Weile. Mittlerweile hat er schon mit Machine Gun Kelly und Lil Nas X zusammengearbeitet. Wie viel von Deinem Erfolg beruht auf seiner Arbeit?

Wir ergänzen uns. Die letzten zweieinhalb Jahre haben wir fast jeden Tag zusammen verbracht, neue Musik geschaffen, Sachen erlebt. Wenn wir einander nicht hätten, hätten wir es nicht so schnell dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Da ist eine Chemie zwischen uns, die man nur selten zwischen Menschen sieht. Er hat mich zur Rockmusik gebracht und es machte „Klick“.

Über Dich und iann Doir könnte man wiederum sagen, dass Ihr eine neue HipHop-Generation repräsentiert, die weniger Respekt vor Genre-Grenzen und mehr Lust auf Crossover hat.

Wir sind die Stimme der Generation Z. Wir machen hier gerade Musik, wie sie vorher noch nicht gemacht wurde. Wir arbeiten mehr zusammen. Es geht auch mehr um Technologie. Wir repräsentieren eine neue Form der Kreativität. Die Art wie wir Musik machen, wie wir uns kleiden. Diese Generation ist offener und gefühlvoller und ich repräsentiere sie gerne.

Deine Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen geht weit über Landesgrenzen hinaus. Für „City of Angels“ hast Du etliche Remix-Versionen herausgebracht, auf denen Rapper aus Europa vertreten sind. War das eine gezielte Strategie, um den Song weltweit zu verbreiten?

Heute würde ich vermutlich nicht noch mal acht Remixe zu einem einzigen Song produzieren [lacht]. Aber wenn es Sinn macht, habe ich natürlich nichts dagegen. Es ist schön, wenn so viele Menschen wie möglich einem Song feiern können.

Du hast auch einen Remix mit einem Deutschrapper gemacht. Und zwar mit Sero.

Ja, das stimmt!

Habt Ihr je miteinander gesprochen?

Ja, klar. Über Instagram!

Lass uns einen Blick in Deine Vergangenheit werfen. 2019 nahm Deine Karriere Fahrt auf, als Du noch Student warst an der USC (University of Southern California). Anstatt Dich sofort für den Beruf des Vollzeitmusikers zu entscheiden, hast Du ein komplettes Jahr abgerundet. Irgendwo hast Du gesagt, dass das Leben auf dem Campus Dich auf dem Boden gehalten hat. Was hält Dich heute auf dem Boden?

Ich denke mal, es sind die Leute um einen herum. Man braucht Freunde, die einem sagen können, dass man auf dem richtigen Weg ist oder gerade total abhebt. Es geht um Ehrlichkeit und ehrliches Feedback. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, wo mich nicht mehr viele Leute kritisieren oder mir die richtige Richtung weisen. Ich bin sehr dankbar, wenn es Leute ehrlich mit mir meinen.

Konntest Du ein paar Freunde vom Campus behalten?

Eine Hand voll. Es ist ein bisschen schwierig, weil man sich unterschiedlich schnell entwickelt. Das ist auch in Ordnung, solang man das versteht und kein Neid herrscht. Ich möchte, dass alle meine Freunde Erfolg haben und ein gutes Leben führen können. Wenn du mir das gönnst, musst du verstehen, dass ich gerade diesen Weg gehen und ein paar Sachen hinter mir lassen muss. Ich kann leider nicht alle meine Freunde dort hinbringen, wo ich bin. Wenn ich das versuchen würde, würde ich mich selbst ausbremsen.

„Ich habe gerade erst das College verlassen und weiß noch nicht mal, wie man die Spülmaschine bedient.“

Wünscht Du Dir manchmal, dass die große Karriere ein bisschen gewartet hätte?

Alles passiert aus einem bestimmten Grund. Aber es hätte mir definitiv nichts ausgemacht, wenn alles ein bisschen langsamer verlaufen wäre. Ich befinde mich in einer unglaublich schnelllebigen Industrie. Manchmal denke ich, ich habe jeden Tag eine Million Sachen zu erledigen. Mein Gehirn entwickelt sich nicht im selben Tempo. Für die Welt bin ich vielleicht gerade der größte Pop-Star oder habe den größten Song. Was auch immer. Ich habe gerade erst das College verlassen und weiß noch nicht mal, wie man die Spülmaschine bedient. Auch das Rockstar-Leben habe ich eigentlich noch nicht kennengelernt. Ich denke, ich brauche wirklich ein wenig Zeit, um das alles zu verarbeiten.

Wie ist denn Deine aktuelle Wohnsituation?

Ich wohne mit meinen Freunden Omer, KBeezy und jayyybills zusammen.

Und einer von Euch weiß, wie man die Spülmaschine bedient?

Glücklicherweise ja! [lacht]

Da Du ursprünglich Hedgefonds-Manager werden wolltest, gehe ich davon aus, dass Du Deine Finanzen im Griff hast.

Du wirst es nicht glauben, aber ja. Ich habe mein Geld noch nicht aus dem Fenster herausgeworfen. Ich besitze keinen Bentley. Wenn du dein Geld sparst, wird es dich irgendwann retten. Klar würde ich gerne meinen Eltern irgendwann ein Haus kaufen. Aber Geld alleine macht dich nicht glücklich. Du kannst dir keine glücklichen Erfahrungen kaufen. Geld kann vielleicht das Leben der Menschen um dich herum leichter machen. Aber Geld alleine wird dich nicht glücklich machen. Geld ist nur ein Werkzeug.

Was macht Dich denn glücklich am Ende des Tages?

„Vier gewinnt“ spielen!

Also doch die einfachen Dinge im Leben. Kann man Dich eines Tages zu einem Spiel herausfordern?

Diese Schande willst Du nicht erleben. Lass es lieber! [lacht]

Und, werden wir bald einen Song von Dir und Billie Eilish bekommen? Sie ist schließlich Dein „Celebrity Crush“.

Das ist nur von ihr abhängig. Ich habe mir das schon fest in den Kopf gesetzt. Von meiner Seite aus ist das beschlossene Sache.

24kGoldns Debüt-Album EL DORADO ist am 26. März 2021 erschienen. Seine EP DROPPED OUTTA COLLEGE erschien am 22. November 2019.

EL DORADO von 24kGolden im Stream hören:


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