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Das sind die besten deutschen Serien

Die deutschen Serien sind längst besser als ihr Ruf. Mit dem internationalen Hype um US-Produktionen wie „Mad Men“, „Breaking Bad“ und Co. wurden auch die Beschwerden darüber lauter, dass Deutschland derartige TV-Qualität nie hinkriegen würde. Nun: Großproduktionen wie „Babylon Berlin“ oder das Netflix-Mystery-Drama „Dark“ bewiesen zuletzt, dass Deutschland durchaus Serien kann. Wenn eben nur das Geld und/oder der Freiraum für die Macher stimmen. Hier eine Auswahl von Serien, die wir für die besten deutschen Serien überhaupt halten.

Texte: Daniel Krüger (dkr) und Fabian Soethof (fs)

„4 Blocks“

Frederick Lau als einstiges Krawallkid, das als Undercover-Cop einen arabischen Familienclan in Neukölln hochgehen lassen soll. Kida Khodr Ramadan als zu weicher Gangsterboss Tony Hamady, der den Schritt ins bürgerliche Leben nicht schafft. Rapper Veysel als dessen Bruder Abbas, der mit Gewalt statt Intelligenz die Geschäfte führen will. Ronald Zehrfeld als Anführer der verfeindeten Rockergang aus Berlin-Wedding.

Drehbuch, Cast, Regie, Setting, mutmaßliche Realitätsnähe: In der deutschen Produktion „4 Blocks“ stimmt einfach alles. Als Neuköllner Milieustudie und Gangsterdrama angelegt, werden in den sechs Folgen der ersten Staffel so verschiedene Themen wie Drogenhande, Loyalität, die Rolle der Frau in arabischen Familien, Gentrifizierung, Parallelgesellschaften, Bandenkriege, Korruption, Schicksal und, natürlich, Liebe verhandelt. Staffel 2 soll im Herbst 2018 ausgestrahlt werden, als Authentizitätsgarant wurde diesmal unter anderem der Hamburger Rapper Gzuz rekrutiert. (fs)

„Dark“

https://www.youtube.com/watch?v=zy0b9e40tK8&t=5s

Deutschlands erste Netflix-Serie – und ein unterm Strich sehr gelungener Versuch, „Tatort“-Drögheit gegen US-Mystery und große Twists einzutauschen: In der fiktiven Kleinstadt Winden verschwindet zum wiederholten Mal ein Junge. Sein Vater, Polizist und Fremdgeher Ulrich (Oliver Masucci), macht sich auf die Suche, landet buchstäblich in der Vergangenheit, findet eventuell gar einen Weg, die Zukunft zu verändern und steht vor der Frage, wie weit man als Vater gehen darf, um sein eigenes Kind zu retten (milder Spoiler: sehr weit). „Stranger Things“, „Zurück in die Zukunft“ und „Lost“ lassen grüßen – nur die bedeutungsschwangeren Holzhammer-Dialoge sind stellenweise unerträglich. (fs)

„Babylon Berlin“

Beworben wird „Babylon Berlin“ als teuerste deutsche Serienproduktion aller Zeiten, und das sieht man ihr auch an: Die bisher sechzehnteilige sowie kulissen- und kostümstarke Serie spielt 1929 in, richtig, Berlin. Es geht um Politik, Polizeiarbeit und Prostitution in der damals wohl spannendsten Stadt der Welt – zehn Jahre nach dem ersten Weltkrieg, vier Jahre vor Hitlers Machtübernahme, Tage vor den als Blutmai bekannten Mai-Unruhen. Unverbrauchter Cast, mal abgesehen von ein paar unglaubwürdigen „Äh, Moment mal“-Szenen gut geschriebener Krimiplot. Nur der vorerst finale und unfreiwillig komische Showdown sieht leider nach dem aus, was er ist: ein mit dem Brecheisen und Special Effects herbeigeführter Versuch, Actionszenen aus US-Produktionen in wirklich nichts nachzustehen. (fs)

„Stromberg“

Stromberg

Lief mit fünf Staffeln etwas zu lang, gipfelte in einem unnötigen Kinofilm und war in seiner Grundidee sowieso nur dreist kopiert. Und trotzdem sind die ersten Staffeln von „Stromberg“ wahrscheinlich das Lustigste, was jemals im deutschen Fernsehen lief. Zumindest, wenn man auf trockenen Humor und dusseliges Gequatsche steht. Christoph Maria Herbst hat wahrscheinlich den Sprech Zehntausender geprägt, das „Wunder von Bernd“ wird seit Jahren zitiert wie keine andere Serie. Ein schnelles Beispiel von gefühlt zwei Millionen Sprüchen: „Immer diese Gleichberechtigung. Aber wenn das Schiff sinkt, heißt es ‚Frauen und Kinder zuerst‘.“ (dkr)

„Bad Banks“

Hatte so wenig Selbstbewusstsein, dass Nebendarstellerin Mai Duong Kieu in der ersten Folge für eine gefühlt endlos lange Sexszene am Rande der Peepshow herhalten musste. Da wurde im Auftrag des ZDF ein bisschen schäbig das „Come for the tits, stay for the story“-Prinzip angewandt, obwohl es das überhaupt nicht gebraucht hätte. Denn „Bad Banks“ ist inhaltlich so aktuell wie es eben geht, strotzt vor guten Dialogen und ist sehr gut recherchiert. Das Bankenwesen wird zwar nicht komplett entmystifiziert, dafür ist dann doch zu viel Drama drin, aber in weiten Teilen spannend erklärt und verurteilt. Nach sechs Folgen möchte man als Zuschauer direkt zur Dorfsparkasse wechseln. (dkr)

https://www.youtube.com/watch?v=TuvV6De9X_w

„Hindafing“

https://www.youtube.com/watch?v=MymBAiYZ6yk

Gut, das deutsche Pendant zu „Fargo“ oder „Breaking Bad“, als das der Sechsteiler oftmals beschrieben wurde, ist „Hindafing“ nicht ganz. Die Satire kommt den US-Vorbildern aber immer wieder mal nahe, Maximilian Brückner spielt sich hier als tragischer Held im Aristoteles’schen Sinne frei. Seine Figur Alfons Zischl will erneut Bürgermeister der Gemeinde Hindafing werden, hat aber ein Problem mit Koks, Flüchtlingsheimen, einem Shoppingcenter, Frackingzusagen und diversen Gegenspielern. Urkomisch, urbayerisch, urböse – und im BR sowie im Algorithmus von Netflix leider tiefer versenkt worden als der Flüchtling im Baggerloch. (fs)

„Charité“

Hand aufs Herz: „Charité“ von Sönke Wortmann ist in einigen Szene so durchgehend furchtbar geschrieben und gespielt, dass man Regisseur Sönke Wortmann am liebsten seinen guten Namen wegnehmen möchte. Doch der überwiegende Teil der ARD-Serie zeigt ein faszinierendes Kapitel deutscher Geschichte. Die Hochzeit der deutschen Medizin wird eindrucksvoll eingefangen und wiedergegeben. Wortmann folgt den Ärzten Robert Koch, Emil Behring und Rudolf Virchow, die in Berlin Gegenmittel für Krankheiten erforschen, dabei oft scheitern und irgendwann spektakuläre Erfolge feiern dürfen – für die es immerhin auch Nobelpreise gab. Das ist solange aufregend und lehrreich, bis die privaten Verstrickungen der Ärzte ins Soap-artige abdriften. (dkr)

„jerks.“

Ein Geniestreich: In „jerks“ spielen die Kumpel Christian Ulmen und Fahri Yardim eine Version von sich selbst. Aus der Frage, wie überhöht die ist, zieht Ulmens Produktion – neben einem bisher nicht gekannten Fremdschamfaktor – ihren großen Reiz: Ist Yardim wirklich so ein Baggerer und Ficker? Ist Ulmen tatsächlich so ein Sozialtrottel? Hängen deutsche Schauspieler (und Rapper) echt gemeinsam ab? Eine Stärke von „jerks.“ mausert sich in Staffel 2 leider zu einer Schwäche: Während in den ersten zehn Folgen Gastauftritte von Kay One, Karsten Speck, Jana Pallaske oder Nora Tschirner noch überraschen und grandios unterhalten, kommen sie in den zweiten zehn Folgen im Abo, aber zu oft ohne Mehrwert: Dass etwa sogar Veronica Ferres ihre eigene Episode kriegt, trägt deren Handlung nicht. (fs)

„Ku’damm 56 & 59“

Die Familie Schöllack in „Ku’damm 59“.

Fun Fact: Das ZDF ist der einzige große Fernsehsender, der in den letzten 10 Jahren seine Quoten trotz Netflix und Internet steigern konnte. Grund dafür sind eben auch Top-Produktionen wie „Ku’damm“, die in der ersten Staffel (3 Folgen à 90 Minuten) 56 und in der zweiten 59 als Zusatz hatte. Visuell über jeden Zweifel erhaben, wird hier ein Berlin der 50er wiederbelebt, in dem drei Junge Frauen Karriere machen und die Liebe finden wollen. Sie leiden allerdings unter der aus heutiger Sicht in Deutschland nicht mehr vorstellbaren Unterdrückung ihres Geschlechts und der Dominanz eitler Herren. Aber keine Angst: Die Serie ist auch voller guter Momente, schön gespielter Liebe und ziemlich coolen Tanzszenen. (dkr)


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