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Von Ponys und Dollars

Ein Dokumentarfilm über das Spannungsfeld zwischen kulturellem Anspruch und Wirtschaftlichkeit in der Festivalindustrie

Weezer VAN WEEZER


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Das jüngste Weezer-Album ist noch kein halbes Jahr alt und heißt OK HUMAN. „OK Boomer“ wäre auch kein schlechter Titel gewesen. Denn wie ein solcher wirkt Rivers Cuomo zuweilen wenn er sich an moderner Popmusik versucht oder gar mit HipHop liebäugelt: eh lieb, aber naja.

Hard Rock hingegen ist eine Musikrichtung, die Männer mittleren Alters verstehen, damit kennt sich auch Cuomo aus. Also wird jetzt hart gerockt: VAN WEEZER verneigt sich im Titel vor dem 2020 verstorbenen Gitarren-Großmeister Eddie Van Halen und musikalisch vor allerhand weiteren Hairgöttern. Ozzy Osbournes „Crazy Train“ heißt hier „Blue Dream“. „I Need Some Of That“ zitiert im Intro „Metal Health“ von Quiet Riot. Und „All Of The Good Ones“ nimmt Anleihen beim eigenen „Beverly Hills“, das ja ohnehin nur ein schlecht getarntes Cover von Joan Jetts „I Love Rock ’N’ Roll“ ist. Mit Heavy Metal hat das aber eher wenig zu tun, VAN WEEZER erinnert eher an einen Kinderfasching: eh lieb, aber naja. Und das ist diesmal doch enttäuschend.

Denn Bands wie Kiss und Cinderella hat Cuomo mit der Muttermilch aufgesogen, diese Musik lag ihm zumindest irgendwann einmal am Herzen. Trotzdem klingt sein Metal hölzern. Zu den besseren Songs zählt „Beginning Of The End“, es war bereits im Abspann der Sci-Fi-Komödie „Bill & Ted Face The Music“ zu hören. Im Film spielten Alex Winter und Keanu Reeves nach knapp 30 Jahren noch einmal die titelgebenden Metal-Heads. Ein charmanter Nostalgie-Trip, nur Reeves wirkte eigenartig verloren, als würde er nicht mehr in die Rolle des unbeschwert-hohlen Ted finden. Genauso geht es Cuomo wohl auch: Er hat den Bezug zu seinem inneren Ted verloren. Bogus!


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