Coversongs

The Smiths: 7 Tribut-Alben, um sich an die guten alten Zeiten zu erinnern

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Wer bitte sind The Beatles? 33 Jahre nach ihrer Auflösung ist eine andere Band im Rockbereich nach wie vor allgegenwärtig: The Smiths. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Gitarrenschüler oder eine Band ein weiteres Cover auf YouTube hochlädt. Und internationale Stars wie Radiohead und Panic! At The Disco spielen ihre Songs immer wieder gerne live.

Mittlerweile sind rund ein Dutzend Tribut-Alben zu The Smiths erschienen, jeweils zusammengetragen von dutzenden Bands, die Johnny Marr und Co. ihre Ehre erweisen. Es scheint fast so, dass je irrelevanter die Musik von Morrissey wird und je wirrer seine Aussagen werden, desto mehr steigt die Nachfrage nach den „tollen, unschuldigen“ Songs der 80er-Jahre. Die Retromanie drückt sich offenbar durch.

Hier also eine kleine Übersicht, wer so alles bereits mit einem Albumbeitrag der „einflussreichsten Band“ schlechthin seinen Tribut gezollt hat.

The Smiths Is Dead (1996)

Die Britpop-Bewegung machte 1996 den Anfang. Kaum verwunderlich, war sie doch geradezu übermäßig von den Vorreitern inspiriert. Unter dem Titel THE SMITHS IS DEAD wurden sie u.a. von Supergrass, The Divine Comedy und The High Llamas zu Grabe getragen. Dabei fiel die fast loungige Stimmung in der Instrumentierung auf. Billy Bragg klagte „Never Had No One Ever“ zu Jazz-Bläsern. Placebo versuchten dagegen bei „Bigmouth Strikes Again“ den damals schon legendären Sound der Smiths nicht zu beschädigen und sich trotzdem progressiv auszutoben. Und dass man sich The Smiths nicht nur mit Britpop, sondern auch mit Grunge und Rock nähern kann, bewiesen Therapy? mit ihrer Version von „Vicar In A Tutu“.

The World Still Won’t Listen (1996)

Im selben Jahr wurde auch die Punkbewegung aktiv, sich das Erbe der Smiths anzueignen. Hatte diese Band ihr nicht mit Melancholie durch die eiskalten Thatcher-Jahre geholfen? Da waren sich Punker wie Home 33 und Oi!-Skins wie The Business einig. Dennoch bildete das Album eher die damalige amerikanische Skatepunk- und Hardcore-Szene mit Acts wie Screw 32 und H2O ab. So lernte etwa Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks die Smiths durch das „Bigmouth Strikes Again”-Cover von Slapshot kennen.

Godfathers Of Change (1997)

Ein weiteres Jahr später erschien mit GODFATHERS OF CHANGE eine 25-Track-starke Compilation, in der die Indieszene ihren großen Vorbildern huldigte. Statt sich wie die Britpopper abzumühen, Morrisseys Gesangsqualitäten zu erreichen, wurde hier von Yang Lie und I Buried Paul auf unterem Level nachgeahmt. Chinadoll glänzte dagegen beim Klassiker „Girlfriend In A Coma“ mit eigenständigem Gesang zu Streichern. Questionface machten aus „Frankly Mr. Shankly“ einen New Wave-Track und DJ True Tone aus „Paint a Vulgar Picture“ einen Ska-Song. Um einige Songs gekürzt, erschien das Album unter den Namen COVER STAR (2000) und HAND IN GLOVE (2011) erneut.

A Salute To The Smiths (2009)

Ende der 2000er sollten erneut mehrere Musiker*innen an The Smiths erinnern, unter ihnen zwei Tribute-Bands: Musikalisch vom Original durchaus, aber untereinander kaum zu unterscheiden, traten This Charming Band sowie Sweet & Tender Hooligans auf. Die Songsammlung erschien 2018 unter dem Titel STOP ME IF YOU THINK YOU’VE HEARD THIS ONE BEFORE erneut, was wohl ironisch gemeint war. Hier hatte man sich zumindest für die CD-Version sogar um das 2002er-Cover des einstigen Mädchen-Popduos t.A.T.u. von „How Soon Is Now“ bemüht, das Johnny Marr überhaupt nicht gefallen haben soll, Morrissey durchaus. Die etwas missglückte Interpretation von „Panic“ durch das 80er-Popsternchen Tiffany war dagegen auf allen Albenversionen enthalten. Den Abschluss bildeten hier spanische Übersetzungen von Dani Bander („How Soon Is Now“) und Sweet & Tender Hooligans („There Is A Light That Never Goes Out“).

Please Please Please (2011)

Die 16 Acts auf PLEASE PLEASE PLEASE sind eher der Indie- und Folk-Szene zuzuordnen, wie etwa William Fitzsimmons. Während er das Titelstück „Please Please Please Let Me Get What I Want“ ganz in sein typisches Muster aus introvertiertem Gesang und Akustikgitarre einsortierte, scheiterten hier Sixpence None the Richer mit ihrer Version von „I Won’t Share You“. Elk City konnten dagegen „I Know It’s Over“ zu einem ganz eigenen Indie-Stück umgestalten. Mit „Girl In A Coma“ war übrigens eine All-Girl-Rock-Band dabei, die sich selbst nach einem Smithssong benannt hatte.

Tease Torment Tantalize (2015)

Zum 30. Jubiläum des selbstbetitelten The Smiths-Debüts wurde 2015 TEASE TORMENT TANTALIZE veröffentlicht. Besonders viele Sängerinnen waren hier zu hören. Jaymay arbeitete sich zu Gitarre und Drums an „Pretty Girls Make Graves” ab und Seapony schwelgten bei „What Difference Does It Make?” in Surfpop. Ins Synthie-Gefilde übersetzte Soft Metals „Suffer Little Children” und Chillwave-Producer Brothertiger verarbeitete „This Charming Man” elektronisch.

A Dreaded Sunny Day (2015)

Ebenfalls 2015 kam A DREADED SUNNY DAY heraus. Dabei wurde ein Ansatz verfolgt, der düsterer war. Sister Mercy spielten „Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me” als Gothic-Stück, genau wie Low & Low „Some Girls Are Bigger Than Others”. Commuted machten aus „This Charming Man” einen Ethereal-Titel und Minuit Machine nutzte Elektronika („How Soon Is Now”). Aber ein echter Mehrwert wurde hier wie bei vielen Indie-Versionen leider nicht produziert. Die meisten Smiths-Songs sind freilich schon melancholisch genug.


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