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Highlight: Verkannte Kunst (4): TicTacToe waren die wahren Pionierinnen, die angeblich SXTN waren

Feature

Feminismus im Deutschrap: Ein Portrait der spannendsten Künstlerinnen der Szene

So ist es umso bedrückender, dass die Berlinerin im Dezember 2019 das Ende ihrer Rap-Karriere verkündete. In einem persönlichen Statement auf Instagram sagte Sookee: „Ich hab kein Interesse daran, mich einer Industrie zur Verfügung zu stellen, die ihre Antagonistin braucht, und ich habe kein Interesse mehr daran, mich irgendwelchen Bausas, GZUZs und sonst irgendwelchen durchgeknallten Turbokapitalisten, die auch nur Spielbälle im Spiel anderer Turbokapitalisten sind, mit meinen Energien zur Verfügung zu stellen.“ Ein klares Alarmsignal für die Szene.

Ist Schwesta Ewa das Paradebeispiel für weibliche Solidarität?

Die amerikanische Kulturkritikerin Joan Morgan eröffnete im Jahr 1999 einen neuen Diskurs, indem sie den Terminus „HipHop-Feminismus“ ins Leben rief. Sie appellierte an eine stärkere und mehrdimensionale Verortung von Frauen in der patriarchalen Rap-Szene, der Lösungsansatz lautete: Solidarität. Interessanterweise ist es aktuell keine andere als Schwesta Ewa, die sich weibliche kollegiale Solidarität zunutze macht.

Im Jahr 2017 wurde die erfolgreichste deutsche Gangsta-Rapperin, die eigentlich Ewa Malanda heißt, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr wurden Körperverletzung und sexuelle Verführung Minderjähriger vorgeworfen. Daraufhin tanzten in ihrem Video zu „Schubse den Bullen“ die Rapperinnen Nura und Eunique um Autos, während Ewa rappt: „Sie sperren mich weg / Medien schreiben Dreck / Ich posiere Minderjährige, doch jeder weiß, ich mach‘ mit Kindern kein Geschäft“. Musik als öffentliche Stellungnahme, Gastauftritte anderer Rapperinnen als Strafverteidigerinnen.

Ewa kommt aus dem Frankfurter Rotlichtviertel, war lange drogenabhängig und fing ursprünglich an zu rappen, um mehr Freier auf sie aufmerksam zu machen. Mithilfe ihrer ersten Chartplatzierungen schaffte sie es, der Prostitution den Rücken zu kehren. Sie rappt derbe mit dunkler Stimme und Ganzkörper-Tattoos, trägt gleichzeitig rosa Lipgloss und geglättete Haare. Die Szene feiert sie für ihre Authentizität und ihre „Realness“. Was Ewa wirklich erlebt hat teilt sie mit, hart und unverblümt. Immer wieder dabei der Fokus auf Männer und wie sie unterschätzt, ausgelacht und objektiviert wurde – ihr Selbstschutz ist der Gegenhieb.



„Realitäter*innen“: Ein Aufklärungspodcast über unterschiedliche Lebenswirklichkeiten in Deutschland
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