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Rückblick

„Friends“: Was an der Kultserie progressiv war – und was problematisch

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Kaum eine Serie hat die 1990er- und 2000er-Jahre so definiert wie „Friends“. Die Sitcom, in der es sich ausschließlich um das Leben der sechs New Yorker Freund:innen Rachel, Monica, Phoebe, Chandler, Joey und Ross dreht, läutete damals einen Paradigmenwechsel im amerikanischen Fernsehen ein: Im Vergleich zu früheren von Familienverbundenheit, Konservativismus und Heteronormativität geprägten US-Serien wie „Hör mal wer da hämmert“ und „Eine schrecklich nette Familie“ glich „Friends“ einem frischen Wind, der einen Hauch von Modernität und politischer Awareness in die Köpfe der prüden und traditionsbewussten Amerikaner:innen spülte. Von der Darstellung einer gleichgeschlechtlichen Ehe, der Etablierung von unabhängigen und erfolgreichen weiblichen Charakteren bis hin zu der Normalisierung einer arbeitenden alleinerziehenden Mutter, weist „Friends“ einige Punkte auf, die definitiv als progressiv eingestuft werden können.

Nun, 17 Jahre nachdem die letzte Folge „Friends“ ausgestrahlt wurde, folgte endlich die langersehnte große Reunion. Für ein anderthalbstündiges Special trafen Hauptdarsteller:innen Jennifer Aniston, Courteney Cox, Lisa Kudrow, Matthew Perry, Matt LeBlanc und David Schwimmer wieder aufeinander, schwelgten in Erinnerungen, lobten sich gegenseitig in den Himmel – und inszenierten „Friends“ als wahnsinnig fortschrittlich, politisch aufgeladen und divers. Wait a minute, denkt man sich da plötzlich. Dass die Show für ihre Zeit bahnbrechend war, mag zweifellos stimmen. Dennoch hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten so einiges getan – insbesondere bezüglich Diversität, Genderrepräsentation und Klassismus –, was man bei „Friends“ noch gänzlich vermisst. Selbstverständlich kann man älteren Serienformaten schlecht vorwerfen, heutigen Standards von politischer Korrektheit nicht zu entsprechen – schließlich haben genau diese ja mitgeholfen, die heutzutage geltenden Standards mit aufzubauen. Wie David Schwimmer in einem Interview sagte: „Ich habe das Gefühl, dass ein Großteil des Problems heute in so vielen Bereichen darin besteht, dass so wenig im Kontext gesehen wird. Man muss es aus dem Blickwinkel dessen betrachten, was die Show zu der Zeit zu tun versuchte.“

Dennoch könnte es interessant sein, einmal einen genaueren Blick auf die beliebte Sitcom zu werfen. Was war an „Friends“ damals so progressiv – und was kann aus heutiger Sicht als problematisch eingestuft werden? Eine Gegenüberstellung.

Diese sieben Punkte waren bei „Friends“ progressiv:

1.Darstellung einer gleichgeschlechtlichen Ehe

Eines der Highlights der zweiten Staffel von „Friends“ ist die Eheschließung von Ross‘ Ex-Frau Carol und ihrer Freundin Susan. Obwohl Ross über den Lauf der Serie immer mal wieder damit zu kämpfen hat, dass ihn seine Ex für eine andere Frau verlassen hat, markiert die Hochzeits-Episode einen versöhnlichen und berührenden Höhepunkt in dieser interessanten Dreieckskonstellation – Ross erkennt an, dass er sich durch die neue Beziehung von Carol nicht in seiner Männlichkeit angegriffen fühlen muss und versöhnt sich sogar (halbwegs) mit Susan. Die Folge ist insbesondere deshalb erwähnenswert, als dass die Hochzeit von Susan und Carol eine der ersten gezeigten gleichgeschlechtlichen Ehen im US-Fernsehen waren. Dieser Meilenstein brachte „Friends“ sogar einen Sieg bei den Media Awards der LGBTQI+ Non-Profit-Organisation GLAAD ein.

2. Fokus auf weibliche Lust

In einer der ikonischsten Szenen bei „Friends“ erklärt Monica Chandler die sieben erogenen Zonen einer Frau („Seven, seven, SEVEN!“), da dieser das Gefühl hat, seiner Freundin sexuell nicht gerecht werden zu können. Die Selbstverständlichkeit, mit der die drei weiblichen Hauptcharaktere über die Serie hinweg ihre eigene Sexualität ausleben und einfordern, war damals nicht nur neu – sie war bahnbrechend. Das zeigt sich anhand verschiedener Beispiele: Sei es Phoebe, die mit sanftem Stolz über ihre vielen Lover spricht, einige der dreckigsten Witze reißt und in einer Episode sogar zwei Männer gleichzeitig datet, oder Monica, die sich in den 20 Jahre älteren besten Freund ihres Vaters verliebt und ihren Gefühlen dabei selbstbewusst nachgeht. Stattdessen sind es eher die männlichen Charaktere, die sexuell verunsichert sind – allen voran Chandler und Ross, denen ständig fehlende Männlichkeit vorgeworfen wird (ein anderes, eher problematisches Thema) und die neidisch zu dem Womanizer Joey aufschauen.

3. Platonische Freundschaften zwischen Männern und Frauen

Ein Konzept, das „Friends“ maßgeblich mit geprägt hat, ist die Überzeugung, dass Männer und Frauen sehr wohl nur miteinander befreundet sein können. Die Vorstellung, dass es immer sexuelle Spannungen zwischen beiden Geschlechtern gäbe, ist wahnsinnig veraltet, wird in Film und Fernsehen jedoch nach wie vor häufig reproduziert. Bei „Friends“ ist das anders. Zwar entstehen innerhalb der Freund:innen-Gruppe auch Paare – nicht zuletzt Monica und Chandler und Ross und Rachel –, doch die platonische Liebe der Personen untereinander steht immer an erster Stelle. So teilen Joey und Phoebe etwa eine enge Verbundenheit, und auch Joey und Rachel beenden ihre kurze Liebschaft wieder aus dem Grund, ihre Freundschaft retten zu wollen. Und auf die Frage, warum es bei ihnen nicht so sein könne wie bei Monica und Chandler, antwortet Joey: „Ich schätze, sie waren einfach nicht so gute Freund:innen wie wir.“

4. Unabhängige und erfolgreiche Frauenrollen

In der allerersten Folge erscheint Rachel im Hochzeitskleid im Coffeeshop „Central Perk“, nachdem sie von ihrer eigenen Hochzeit mit einem wohlhabenden Arzt geflüchtet ist. Als sie daraufhin bei Monica einzieht, hat sie beruflich so gut wie nichts in der Hand: keinen Job, keine finanzielle Unterstützung vom Vater. So begibt sie sich auf einen langen und oft steinigen Berufsweg, der sie letztendlich jedoch zu einer hohen Position bei „Ralph Lauren“ führt. Das Schöne daran: Ihr Karriereglück wird in der Serie nicht als Selbstverständlichkeit verbucht, sondern als harte Arbeit, deren erfolgreichen Ausgang sie sich ganz allein verdient hat. Doch Rachel ist nicht die einzige weibliche Rolle mit Vorbildfunktion – auch Monicas Ehrgeiz und teilweise neurotische Art werden bei „Friends“ als positive Attribute dargestellt, die ihr beruflich häufig weiterhelfen. Dies stellt sich deutlich gegen das sexistische Narrativ, dass Frauen immer lieb und nett zu sein hätten, um beruflich Erfolg zu haben. Und auch Phoebe – die unkonventionellste der drei Freundinnen – hat sich aus einer tragischen Kindheit befreit und ein eigenes Leben aufgebaut, in dem sie nur auf eine einzige Person hört: sich selbst.

5. Normalisierung einer arbeitenden alleinerziehenden Mutter

Bleiben wir bei Rachel: Anfang der neunten Staffel stellt sich heraus, dass Rachel und Ross einen One-Night-Stand hatten und sie nun ein Kind von ihm erwartet. Anstatt sich jedoch wieder in die Sicherheit einer Beziehung zu flüchten, macht Rachel von Anfang an klar, dass sie das Kind alleine (mit Hilfe von Ross) groß ziehen möchte. Mit Erfolg: Nach einigen Monaten Elternzeit kehrt sie zu ihrem Job zurück und macht aus ihren Karriere-Ambitionen keinen Hehl – trotz Baby. Besonders angenehm ist die Art und Weise, wie die Serienmacher:innen ihre Situation darstellen; es gibt keine Häme oder gar Bemitleiden, stattdessen wird es als ganz normal abgestempelt. Bemerkenswert ist auch die eine Episode, in der Monica beschließt, sich künstlich befruchten zu lassen, weil sie so einen starken Kinderwunsch verspürt. Zwar entschließt sie sich letztendlich dagegen, doch die Unterstützung, welche die anderen ihr in der Entscheidungsphase entgegenbringen, ist der damaligen Zeit definitiv weit voraus.

6. Ernsthafte Auseinandersetzung mit Toxic Masculinity

Ein Thema, das bei „Friends“ immer wieder anschlägt, ist die gesellschaftliche Vorstellung von Männlichkeit und wie man sich als Mann generell zu verhalten hat. Da wäre einmal Ross, der den „nerdigen“ Beruf eines Paläontologen eingeschlagen hat und dessen fragile Gefühlswelt einer Achterbahn gleicht. Auch Chandler wird als Mann von den anderen häufig nicht ernst genommen – und ist häufig ziemlich homophoben Witzen ausgesetzt (ein Thema, das später noch aufgegriffen wird). Interessanterweise sind es jedoch auch ebenjene Charaktere, die oft mysogyne oder machohafte Einstellungen aufweisen – wie etwa Ross, der Muttermilch eklig findet und nicht einsehen will, dass sein Sohn mit einer Barbie spielt oder Chandler, der Monica hinter ihrem Rücken als fett beschimpft. Dies wird von den Serienmacher:innen allerdings stets als lächerliche bis erbärmliche Schutzmechanismen dargestellt, welche die beiden anwenden, um ihre eigene Unsicherheit zu kaschieren. So erkennt man als Zuschauer:in beide Charaktere eher als Opfer ihrer selbst an und hinterfragt die patriarchalen Strukturen, die sich auch auf männlich gelesene Personen auswirken können.

7. Fortschrittliche Vorstellung des Konzepts „Familie“

Dass bei „Friends“ mitunter auch nicht heteronormative Familien im Mittelpunkt stehen, wurde bereits beim ersten Punkt klar. Doch Susan und Carol sind hier nicht das einzige nennenswerte Beispiel: So trägt Phoebe in der vierten Staffel etwa die Drillinge ihres Bruders aus, der wiederum mit seiner wesentlich älteren Lehrerin verheiratet ist. Auch Chandlers Familie – mit einem transsexuellen Vater und einer sexuell sehr freizügigen Mutter – erinnert in keinster Weise an die „typische“ amerikanische Familie, wie sie in den 1990er-Jahren im TV noch häufig gezeigt wurde. Doch das Konzept, das durch „Friends“ am stärksten geprägt wurde, ist die Annahme, dass auch Freundschaften die Verbundenheit einer Familie aufweisen können – eine Idee, die auch als Prämisse für später erfolgreiche Sitcoms wie „How I Met Your Mother“, „New Girl“ und „The Big Bang Theory“ angewandt wurde. Serienschöpferin Martha Kauffman beschrieb „Friends“ in ihrem allerersten Serien-Pitch an Filmstudios sogar mit den Worten: „Es geht um Freundschaft, denn wenn du Single bist und in der Stadt lebst, sind deine Freund:innen deine Familie.“

Diese sechs Punkte bei „Friends“ waren problematisch:

1. Fatphobia

Besonders beliebt bei „Friends“ sind die Rückblick-Episoden, bei denen Rachels noch unoperierte Nase, Chandlers Irokesenschnitt oder Ross‘ Schnurrbart für zahlreiche Lacher sorgen. Aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so lustig ist allerdings die Art und Weise, wie Monica in den Rückblicken dargestellt wird – oder besser gesagt, ihr Körper. Monica war als Kind und Jugendliche dick – ein Fakt, der bereits in früheren Episoden erwähnt wird. Doch ab dem Moment, wo Courteney Cox in den Fatsuit schlüpfen muss, sinkt der Respekt vor ihrer Rolle auf ein Minimum. Monica als beleibte junge Frau wird als überdreht, unattraktiv und fast schon unmenschlich dargestellt. Eine Karikatur, die so wenig mit der späteren – und damit dünnen – Monica zu tun hat, dass sie ausschließlich bemitleidenswert erscheinen soll. Nennenswert ist dabei vor allem die Doppelfolge „Was wäre, wenn“, in der sich alle Charaktere fragen, wie es ihnen wohl heute ergehen würde, wenn sie sich nicht verändert hätten. News Flash: Die Anfang 30-jährige noch immer dicke Monica ist selbstverständlich noch Jungfrau. Klar, auch die anderen Charaktere werden als ihr früheres Ich lächerlich gemacht – doch die Inszenierung einer dicken Person als erbärmlich ist definitiv eine Darstellung, die heute mehr als überholt ist.

2. Fehlende Diversität

Der Hauptgrund, warum „Friends“ von jüngeren Generationen wie den Millenials oder Gen Z am häufigsten ins Fadenkreuz genommen wird, ist der Fakt, dass es sich bei der Freund:innen-Gruppe ausschließlich um weiße, heterosexuelle cis-Personen handelt. Da gibt es leider auch nichts zu beschönigen. Nicht nur sind ausschließlich alle Hauptfiguren weiß, auch sonst in ihrem Umfeld mangelt es deutlich an Repräsentation von BIPoCs. Die einzigen nennenswerten People of Color in „Friends“, die einen längeren Gastauftritt haben als bloß eine Episode, sind Julie und Charlie – zwei Partnerinnen von Ross. David Schwimmer selbst sagte in einem Interview mit „The Guardian“ im Jahr 2019: „Ich war mir des Mangels an Diversität bewusst und habe mich jahrelang dafür eingesetzt, dass Ross mit Women of Color ausgeht.“ Auch Serienschöpferin Martha Kauffman äußerte sich auf einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr zu dem Thema. Sie sagte: „Ich habe nicht genug getan und jetzt kann ich nur darüber nachdenken, was kann ich tun? Was kann ich anders machen? Wie kann ich meine Show auf eine neue Art und Weise führen? Und das ist etwas, wovon ich nicht nur wünschte, ich hätte es gewusst, als ich mit der Show angefangen habe, sondern ich wünschte, ich hätte es das ganze letzte Jahr über gewusst.“

3. Unrealistische Schönheitsideale

Jennifer Aniston wurde durch ihre Rolle der Rachel bei „Friends“ zum Style- und Sexsymbol der 1990er-Jahre. Junge Frauen weltweit ließen sich den „Rachel-Haarschnitt“ verpassen und shoppten Klamotten im Stil der Rolle – und wollten den dünnen und muskulösen Körpern von Jennifer Aniston und Courteney Cox nacheifern. Dass diese äußerlichen Faktoren (dünn, definiert, weiß) einem gänzlich vom Patriarchat auferlegten und rassistischen Strukturen entspringenden Schönheitsideal entspricht, wurde nicht hinterfragt – und wird es auch bis heute oft nicht. Lisa Kudrow, die in der Serie die ebenfalls junge, weiße und schlanke Phoebe Buffay spielt, äußerte sich schon mehrfach in Interviews zu dem Druck, den sie an der Seite von Aniston und Cox empfunden hätte. So sagte sie etwa in einem Podcast im Jahr 2019: „Man sieht sich selbst im Fernsehen, und man denkt: ‚Oh mein Gott, ich bin nur ein Berg von einem Mädchen‘. Ich war größer, breiter als Courteney und Jennifer.“ Sie hätte irgendwann sogar damit angefangen, absichtlich abzunehmen, erzählte sie weiter. „Unglücklicherweise sieht man als Frau gut aus, wenn man untergewichtig ist“, so Kudrow und betonte, dass sie fürs Abnehmen sogar zahlreiche Komplimente erhalten hatte. Dass es ihr damit nicht gut ging, fiel vielen Menschen gar nicht auf: „Als ich zu dünn war, war ich die ganze Zeit krank“, erzählte sie.

4. Homophobe Andeutungen

Ein Faktor, der bei „Friends“ leider überhaupt nicht gut gealtert ist, sind die homophoben Tendenzen, die manche Charaktere aufweisen. Wie bereits argumentiert, sind manche homophoben Witze oder Andeutungen auch auf innere Konflikte mit toxischer Maskulinität zurückzuführen – und dennoch sind manche Szenen aus heutiger Perspektive einfach nur unangenehm. Man denke etwa an die Episode, wo Ross und Rachel eine Nanny suchen und Ross unglaubliche Probleme damit hat, eine männliche Nanny einzustellen – obwohl dieser zweifellos die beste Wahl für den Job ist. Während des Kennenlernens fragt Ross Sandy mit konsterniertem Blick zwischendurch sogar: „Bist du schwul?“ Auch jegliche an Chandler gerichtete Witze bezüglich seiner vermeintlichen Homosexualität wirken unnötig und veraltet. Und nicht zuletzt fällt einem im Nachhinein die starke Fetischisierung von homoerotischen Situation unter Frauen auf – wie etwa die Folge in der Rachel von ihrem Kuss mit Melissa berichtet –, während körperliche und emotionale Zuneigung zwischen den drei männlichen Hauptcharakteren von ihnen selbst als unangebracht abgewertet wird.

5. Negative Darstellung von Transsexualität

Dass Chandler seine Unsicherheit mit Witzen und sarkastischen Kommentaren überspielt, wurde schon früh in der Serie als sein Markenzeichen abgestempelt. Erst später konnten die Zuschauer:innen einen tieferen Einblick in Chandlers Innenleben gewinnen, insbesondere, als seine komplizierte Familiengeschichte mehr und mehr an die Oberfläche kommt. So erfährt man, dass es sich bei Chandlers Vater um eine transsexuelle Drag-Queen handelt, die bei der Burlesque-Show „Viva Las Gaygas“ in Las Vegas performt. Eine transsexuelle Rolle in die erfolgreichste US-Sitcom der 1990er-Jahre einzubauen, klingt erst einmal nach einer positiven Form der Repräsentation – wäre es nicht von zwei Faktoren abgeschwächt worden: Erstens hat Chandler in der Serie so gut wie keine Beziehung zu seinem Vater und beschuldigt ihn sowohl seiner eigenen Männlichkeitskomplexe als auch, die Familie kaputt gemacht zu haben. So erscheint Charles Bing – auch wenn sich die beiden in späteren Staffeln wieder etwas annähern – immer in einem eher schlechten Licht. Zweitens wird Charles Bing von niemand anderem als Golden-Globe-Gewinnerin Kathleen Turner gespielt, die weder transsexuell noch Drag-Queen ist. Selbstverständlich muss man solche Casting-Entscheidungen immer im Zusammenhang mit der damaligen Zeit betrachten – und doch hätte „Friends“ ein wahrlich positives Zeichen für Trans-Repräsentation gesendet, hätten sie eine transsexuelle Rolle damals mit einer wirklich transsexuellen Person besetzt.

6. Verfälschte Wohn- und Lebenssituation

Last but not least: Hat sich nie jemand gefragt, wie es sein kann, dass sich Rachel, Monica, Phoebe, Joey, Chandler und Ross alle trotz teilweise geringverdienenden Jobs, Arbeitslosigkeit und unglaublich viel Freizeit große Appartements in Manhattan leisten können? Phoebe arbeitet als Masseuse, Rachel kellnert die ersten Staffeln zunächst nur nebenbei und Joey versucht bis zu seinem Durchbruch mit „Days Of Our Lives“, sich als Schauspieler über Wasser zu halten. Zwar verdienen Chandler, Monica und Ross dafür umso mehr und wie man als Zuschauer:in weiß, hat Monica ihre Wohnung vererbt bekommen – von einem realistischen Wohnungs- und Arbeitsmarkt ist die Serie dennoch weit entfernt. Dieses Phänomen lässt sich jedoch nicht nur bei „Friends“ wiederfinden: Sowohl „How I Met Your Mother“ als auch „Sex and the City“ vermitteln ein wahnsinnig romantisiertes Bild vom Leben in New York, das so weder damals noch heute existierte. Dies ist zwar nicht direkt problematisch – es verstärkt jedoch eine Fantasie-Vorstellung, die ganz klar als Utopie abgestempelt werden muss. Selbstverständlich waren sich die Serienmacher:innen den unrealistischen Lebensumständen durchaus bewusst, wie man an dieser Szene hier erkennen kann:


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