Eddie Vedder spricht mit Chris Cornells Tochter Lily über „Mental Health“-Themen

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Eddie Vedder hat mit Chris Cornells Tochter Lily Cornell Silver für ihren Podcast „Mind Wide Open“ unter anderem über Trauer, Empathie und Aktivismus gesprochen. In dem Talk gewährte er nicht nur einen Einblick in seine eigene Gefühlswelt, sondern erinnerte sich auch an jene Kolleg*innen und Freund*innen, die den Kampf gegen ihre inneren Dämonen leider verloren haben.

Die komplette Folge könnt Ihr hier im Stream hören und sehen:

„Ich freue mich extrem darüber, dass Ed mir angeboten hat, an ‚Mind Wide Open‘ teilzunehmen“, erklärte Cornell via Instagram, „die Unterstützung durch ihn und seine Familie bedeutet mir unheimlich viel. Er war schon immer wie ein Onkel für mich, ein echter Fels in der Brandung.“

Während des Gesprächs äußerte sich Vedder unter anderem zu Pearl Jams tragischem Roskilde-Auftritt im Jahr 2000, bei dem neun Fans im Moshpit ums Leben kamen. Zufälligerweise hatte die Band, kurz bevor sie die Bühne betrat, die freudige Nachricht von Lilys Geburt erhalten. „15 Minuten vor unserem Auftritt weinten wir Tränen des Glücks“, erklärte Vedder im Gespräch mit Cornell, „dann traten wir mit dir in unseren Gedanken auf die Bühne und fühlten uns voller Elan und Emotionen… 40 Minuten später passierte das furchtbare Unglück.“

„Pete Townshend gab mir die Kraft, mich zusammenzureißen und wieder zu fangen“

Damals hieß es, die PA sei zu leise gewesen, zu viele Fans seien gleichzeitig in Richtung Bühne gedrängt. Der Unfall wurde untersucht und 2002 eingestellt, Schuldige im rechtlichen Sinne hat es nicht gegeben. Nichtsdestotrotz  litten Vedder und Co. enorm unter dem Vorfall. The Whos Pete Townshend und Roger Daltrey, die 1979 etwas Ähnliches durchlebt hatten, hätten während dieser Zeit zu jenen Menschen gezählt, die ihnen bei der Trauerbewältigung eine große Hilfe gewesen seien:

„Ich habe mich in mir selbst vergraben und Pete sagte: ‚Du stehst das durch‘, und ich antwortete ihm: ‚Das glaube ich nicht. Ich weiß nicht Pete, ich glaube, das kann ich nicht. Ich werde verrückt.‘ Und er entgegnete mir: ‚Nein, du schaffst das.‘ Er gab mir die Kraft, mich zusammenzureißen und wieder zu fangen.“

An die Verstorbenen des Unglücks erinnern bis heute ein Gedenkstein mit der Inschrift „How fragile we are“ und neun gepflanzte Birken. Pearl Jam verarbeiteten die Geschehnisse unter anderem in ihrem 2002 auf dem Album RIOT ACT erschienenen Song „Love Boat Captain“.

„Love Boat Captain“ im Stream hören und sehen:


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Die Grunge-Szene ist für den frühen Tod ihrer seelisch gebeutelten Musiker*innen bekannt. Soundgarden-Sänger Chris Cornell starb im Alter von nur 52 Jahren am 18. Mai 2017 in Detroit, nachdem er mit seiner Band ein Konzert gespielt hatte. Am 26. Mai wurde er beigesetzt. Als offizielle Todesursache wurde Suizid festgehalten. Und auch Nirvanas Kurt Cobain, Alice in Chains‘ Layne Staley und Stone Temple Pilots‘ Scott Weiland zählen zu jenen ikonischen Sänger*innen der Szene, die auf tragische Weise ihr Leben verloren.

„Keiner ging mit dem Gedanken ‚Ich schreibe jetzt ein paar düstere Texte‘ an die Sache heran. Für sie alle waren diese Gefühle komplett real“

„Dein Vater hatte offensichtlich die gleichen dunklen Lyrics wie Kurt und Layne“, bemerkte Vedder zu den Parallelen zwischen Lilys Vater und seinen verstorbene Kollegen, „keiner von ihnen ging mit dem Gedanken ‚Ich schreibe jetzt ein paar düstere Texte‘ an die Sache heran. Für sie alle waren diese Gefühle komplett real.“ Daraufhin hätten immer mehr Leute damit angefangen, sich über „diese mürrischen Grunge-Bands“ lustig zu machen, was vermutlich viele der betroffenen Musiker*innen dazu verleitet habe, sich noch mehr in ihre Depressionen zu vergraben.

Dabei setzte der Musiker zu einem überraschenden Vergleich an: „Auch Billie Eilish hat eine Menge Fans, die ihr zuhören… Ich erinnere mich an unser erstes Album, auf dem ist eine Menge traurige Scheiße zu finden, und ich denke mir: ‚Es ist ganz schön deprimierend, das Millionen von Leuten sich damit identifizieren können.‘ Aber gerade das war vermutlich das Gesunde an der Sache.“

Auch zur aktuellen Coronavirus-Pandemie hatte Vedder einiges zu sagen. So erklärte er unter anderem, dass sich Pearl Jam aktiv dafür einsetzten, ihre Crew-Mitglieder in dieser schwierigen Phase bestmöglich zu unterstützen.

Falls Ihr mehr über Grunge als Genre und Lebensgefühl erfahren wollt, haben wir ein besonderes Schmankerl für Euch: Für „NEVER FORGET – der 90er-Podcast“ haben sich Stephan Rehm Rozanes und Fabian Soethof mit VIVA-Legende Nilz Bokelberg getroffen, um über die bedeutendsten Grunge-Songs aller Zeiten, Eddie Vedders Grinsen, die Schönheit Evan Dandos, Chris Cornells sogenannte „Belting“-Gesangstechnik, das Musikfernsehen und Nilz‘ Teenie-Jahre zu schwadronieren.

Die Grunge-Folge von „NEVER FORGET – der 90er-Podcast“ könnt Ihr hier im Stream hören:


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