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Michael Jackson: Das schlechte Popgewissen

Die Empörungswelle im Showgeschäft ebbt seit #MeToo nicht ab. Die jüngsten Fälle: Ryan Adams, der sich Vorwürfen von mehreren Seiten ausgesetzt sah. Auch „Leaving Neverland“, die Doku über die Opfer von Michael Jackson, wirft die Frage auf: Wie soll man als Fan damit umgehen, wenn die Idole von einst offenbar Menschen sexuell missbrauchten?

Ist in solchen Fällen ein Sendeverbot angebracht? Oder wenigsten ein Boykott auf der ganzen Linie? Aber bekommen wir dadurch die Songs und die mit ihnen untrennbar verbundenen Erinnerungen aus unseren Köpfen gelöscht? Schließlich geht es um Lieder, die unser Leben in einer globalen (Pop)- Kultur maßgeblich geprägt haben. Anders gefragt: Können wir im Nachhinein THRILLER von Michael Jackson aus moralischen Gründen von einem Tag auf den anderen wirklich nicht mehr gut finden?! Und taugt solch ein Gebaren tatsächlich zur Abschreckung? Wen wollen wir eigentlich wovor schützen, wenn wir etwa „Beat It“ aus Playlisten verbannen? Von wem fühlen wir uns bedroht? Von einem toten Sänger?

THRILLER ist zweifelsohne ein Meisterwerk der Popgeschichte, und es ist beileibe nicht nur der King Of Pop selbst, der diesen Erfolg mit zu verantworten hat. Man denke nur an seinen Produzenten Quincy Jones oder an die Musiker der Band Toto, die auf diesem Album zu hören sind. Und das Ausnahmetalent Jackson? War der nicht auch eine Art Missbrauchsopfer? Ein Kind, das mit 13 Jahren bereits den Hauptsänger bei den Jackson Five geben musste, von seinem tyrannischen Vater getrieben und von den Medien schon vor seinem Stimmbruch zum Superstar hochgejazzt. Was macht das mit der Psyche eines Menschen, wenn Abermillionen von Menschen ihm so früh zujubeln?

Im Real Life stellen wir uns einen Popstar offenbar als unmenschlich stabil vor

In einem HBO-Serien-Plot würde sich niemand darüber wundern, wenn so ein Charakter im Laufe seiner Lebensgeschichte psychische Störungen davonträgt. Im Real Life stellen wir uns einen Popstar offenbar als unmenschlich stabil vor. Doch die Hypersensiblen unter den Stars nehmen sich tragischerweise sogar häufig das Leben. Und das womöglich im zarten Alter von 27. – der 23 des Popmystikers.



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