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10 Songs von jungen LGBTQI+ Künstler:innen, die ihr kennen müsst

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Juni ist Pride Month – der Monat, in dem sich alles um die Errungenschaften, Inhalte und Antistigmatisierung der LGBTQI+ Community drehen soll. Ein Monat, in dem jegliche Formen von Identität und Gender in all ihren Farben, Ausprägungen und Einzigartigkeit gebührend zelebriert werden. Dafür braucht es jedoch zunächst eine passende Playlist: Hiermit präsentieren wir euch eine Liste mit einigen der besten Songs von jungen und (mehr oder weniger) neuen LGBTQI+ Künstler:innen, die auf keiner Pride Party fehlen dürfen!

1. „Montero (Call Me By Your Name)“ – Lil Nas X

Man macht es den rechtskonservativen Christ:innen ja auch nicht leicht: Erst schreibt ein schwarzer, schwuler, junger Musiker einen Welthit, der HipHop und Country miteinander verknüpft – und dann spielt er in seiner jüngsten Single „Montero (Call Me By Your Name) auch noch mit biblischer Symbolik und (oh Gott!) gibt dem Satan einen Lapdance. Dass die Aufregung darüber natürlich nicht zu seinem Ruin, sondern noch viel mehr zum Erfolg des 22-jährigen Rap-Künstlers beiträgt, wird dabei nicht bedacht. Lil Nas X ist mutig, talentiert – und seit dem Track „Old Town Road“ mit Billy Ray Cyrus der aufsteigende HipHop-Star in den USA.

2. „1950“ – King Princess

„I hate it when dudes try to chase me / But I love it when you try to save me / ‚Cause I’m just a lady“ singt King Princess in der wunderschönen Ballade „1950“, in der sie ihre Liebe für eine Frau gesteht und verspricht: „I will keep on waiting for your love“. Die erst 22-jährige New Yorkerin Mikaela Mullaney Straus hat sich mit ihren emotional tiefgründigen Liedern über Gender, Sexualität und Freiheit eine gigantische Fangemeinde aufbauen können. Sie selbst bezeichnet sich als nonbinär, bevorzugt jedoch weiterhin weibliche Pronomen.

3. „Queen“ – Perfume Genius

Nicht mehr ganz so jung, aber dafür umso einflussreicher ist der US-Musiker Perfume Genius, der seine Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen bezüglich seiner Sexualität in ehrlichen und häufig tragischen Liedern einfängt. Eines davon ist „Queen“, in dem Mike Hadreas – so der bürgerliche Name des Künstlers – von negativen Stereotypen über queere Personen singt. Schon mit 15 Jahren stand Mike Hereas offen zu seiner Homosexualität – und wurde dafür ausgeschlossen, beschimpft und sogar mit Morddrohungen konfrontiert. Nach langjähriger Drogensucht hat sich der Musiker heute sowohl beruflich als auch privat gefunden und lebt mit seinem Partner in Seattle.

4. „I Wanna Be Your Girlfriend“ – Ezra Furman

Punk und doch Soul: Bei Ezra Furman verschmelzen die musikalischen Grenzen und hinterlassen ein fluides Klangspektakel, das berührt und zugleich aufweckt. Die US-amerikanische Musikerin identifiziert sich als bisexuelle trans-Frau und lässt alle Themen bezüglich Gender und Identität in ihren Postpunk einfließen. Ihren großen Durchbruch feierte die 34-Jährige im Jahr 2013 mit dem Album DAY OF THE DOG, das von „The Guardian“ als „lebendiges, atmendes Stück Selbstdarstellung“ gelobt wurde. In der beliebten Netflix-Serie „Sex Education“ wurden nicht nur einige Songs gespielt – sie hatte darin sogar einen Gastauftritt. Besonders schön ist die Ballade „I Wanna Be Your Girlfriend“ von ihrem jüngsten Album TWELVE NUDES, das im Jahr 2019 erschien.

5. „Don’t Shoot“ – Shea Diamond

Die amerikanische Sängerin und Transgender-Aktivistin Shea Diamond merkte schon früh, dass sie sich als Frau identifiziert, ihr wurde jedoch immer mit Ablehnung und Diskriminierung begegnet. Im Alter von 20 Jahren raubte sie einen Lebensmittelladen aus, um ihre Geschlechtsumwandlung bezahlen zu können, und kam dafür für zehn Jahre ins Gefängnis. Dort schrieb sie ihre Hymne „I Am Her“ „als ein Statement an eine Welt, die sagte, dass ich nicht existieren sollte“, wie sie selbst über den Song sagt. Der Track sollte ihr Durchbruch werden. Seither hat sich die 43-Jährige zu einer der talentiertesten Künstler:innen der Transgender-Community entwickelt, Songs wie „Don’t Shoot“ werden sowohl von Musikkritiker:innen als auch ihren Fans hoch gelobt.

6. „Bloom“ – Troye Sivan

Musiker, Schauspieler, YouTuber – der australische Sänger Troye Sivan repräsentiert für viele junge Menschen eine Traumkarriere im 21. Jahrhundert. Bereits im Alter von elf Jahren gewann der Australier eine Talentshow, und mit nur 18 Jahren hatte er bereits einen Plattendeal mit „EMI Australia“ in der Tasche. Aus seiner Homosexualität hat der 26-jährige Musiker nie ein Geheimnis gemacht, mehr noch: Sein wichtigstes künstlerisches Anliegen ist es, queere Perspektiven im Mainstream-Pop aufzuzeigen. Wie er selbst in einem Interview mit „Wonderland“ verriet: „Wenn ich an die Songs denke, mit denen ich aufgewachsen bin und die mir das Gefühl gegeben haben, schwul zu sein, dann waren das meistens heterosexuelle Frauen: Cher, Madonna, Miley, Robyn, Lady Gaga. Das sind meine schwulen Ikonen, was ein bisschen seltsam ist. Ich hätte es geliebt, mehr queere Musik zu hören, als ich aufwuchs. Das wäre schön gewesen.“

7. „Comme des Garçons (Like The Boys)“ – Rina Sawayama

Wer einen gemeinsamen Song mit Elton John aufweisen kann, ist längst kein:e Newcomer:in mehr – und dennoch wird Rina Sawayama nach wie vor als britischer Nachwuchsstar gehandelt, den alle jetzt unbedingt auf dem Schirm haben müssen. Das Debütalbum SAWAYAMA der japanisch-britischen Sängerin erschien im Jahr 2020, seither ist ihr Name in aller Munde. Die japanisch-britische Künstlerin verbindet Elektropop mit Nu Metal und fällt vor allem durch ihre extravaganten Kostüme und Make-up auf. Im Jahr 2018 erklärte Sawayama öffentlich, dass sie bisexuell und pansexuell sei. In einem Interview mit „Broadly“ sagte die 30-Jährige: „Ich habe immer Songs über Mädchen geschrieben. Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Kerl in meinen Liedern erwähnt habe, und deshalb wollte ich darüber sprechen.“

8. „girls“ – girl in red

Die norwegische Musikerin Marie Ulven gilt unter ihrem Künstlernamen girl in red als queere Ikone. Der Song „I wanna be your girlfriend“ markierte den Durchbruch der 22-jährigen Sängerin und katapultierte sie erst in die US-Charts und eigentlich – wenn Corona nicht gewesen wäre – sogar auf die Bühne des Coachella-Festivals. Der Indie-Pop von girl in red ist sanft, verspielt und beschäftigt sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe – ihr Song „we fell in love in october“ wurde in der queeren TikTok-Community zu einer Hymne. Ihr Debütalbum IF I COULD MAKE IT GO QUIET erschien im April 2021, produziert wurde es unter anderem von Billie Eilishs Bruder und Starproduzent Finneas O’Connell.

9. „Wish you were gay“ – Claud

Claud identifiziert sich als non-binär und benutzt die Pronomen they/them, für die es im deutschen Sprachgebrauch leider noch kein passendes Äquivalent gibt. Aus diesem Grund wird Claud in diesem Text ausschließlich beim Namen genannt.

Clauds Musik ist romantisch, sanft, verträumt – richtiger Bedroom Pop eben. Wären da nicht die sehnsuchtsvollen und oft traurigen Zwischentöne, die Claud Mintz zwischendurch anspielt. „I wish you were gay so you could just hold me / Call me your babe instead of your homie / Don’t know what to say / But I wish you were gay“ lauten die Lyrics aus dem bisher erfolgreichsten Song. Clauds Debütalbum SUPER MONSTER (2021) ist das erste Album, das unter Phoebe Bridgers‘ Label „Saddest Factory“ veröffentlicht wurde. Allein das sollte Grund genug sein, um Clauds Musik einmal auszuchecken.

10. „Fellowship“ – serpentwithfeet

Irgendwo zwischen Neo Soul und klassischer Musik: Der in Brooklyn ansässige Künstler serpentwithfeet hatte es in seiner Karriere nicht leicht. Erst studierte er an der „University of Arts“ in Philadelphia, um klassischer Opernsänger zu werden – wurde jedoch von allen Konservatorien abgewiesen. Als er sein Glück daraufhin in der Neo-Soul-Szene versuchte, hieß es stets, seine Stimme sei zu opernhaft. Was also tun? Josiah Wise – wie serpentwithfeet with bürgerlichem Namen heißt – verknüpfte daraufhin beide Genres mit experimentellem Elektro, das Ergebnis war seine erste EP BLISTERS im Jahr 2016. Ein voller Erfolg. Seither gilt der offen homosexuelle Musiker als beispielhafter Experimental-Musiker, sein zweites Studioalbum DEACON (2021) erhielt exzellente Kritiken.


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