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Highlight: Xavier Naidoo im Interview: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“

Popkolumne, Folge 28

Rammstein sind Alpha, Kollegah nicht: Die Popwoche im Überblick

Sie sind irgendwie zu gut drauf? Auf einem unerfreulichen Ego-Hoch? Dann halten Sie sich einfach vor Augen, dass Blue Ivy Carter, die Tochter von Beyoncé und Jay-Z, gerade ihren ersten Hit in den US-Bilboard-Charts gelandet hat. Der Song „Brown Skin Girl“, ihrem Beitrag zum „Lion King“-Soundtrack, stieg auf Platz 77 ein. Kleiner Reminder: Das Kind ist sieben Jahre alt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe in dem Alter Sailor Moon geschaut und mir Bügelperlen in die Nase gesteckt, aber zum Glück hat auch niemand viel mehr von mir erwartet. Worauf Sie dennoch verzichten sollten: Lebenshilfe aus dem Hause Kollegah.

Loser der Woche: Kollegah und Naidoo

Was tun Verschwörungstheoretiker, wenn sie merken, dass das Business mit dem antisemitischen, wirren Gedankenrestmüll in der Musikbranche nicht mehr ganz so prima wie noch vor einigen Monaten läuft? Easy: Sie erfinden ominöse Coaching-Programme, um ihre kruden Ideen unter die Leute zu bringen. Eine gemeinsame Recherche von Vice und BuzzFeed zeigt, wie Kollegahs „Alpha Mentoring“ funktioniert. Von der heiteren Begrüßung („Ein bosshaftes Hallo. Ich hoffe, ihr seid gut in die Woche reingerutscht, als wäre sie eine dreckige Biatch“) bis zur Verleihung des silbernen Siegelrings haben sich die Reporter tatsächlich durch den gesamten Parcours der Hirnrissigkeit gekämpft – und dabei herausgefunden, wie Kollegah seine Fans abzockt und manipuliert. Beinahe will man da Sympathien für den (ebenfalls verschwörungstheoretisch verstrahlten) Xavier Naidoo entwickeln, der den Aluhut auf seinem neuen Album HIN UND WEG mal wieder abgesetzt hat und, wie in guten, alten Zeiten, vor allem über Liebesschmus und Familienkram singt. Fast kann er einem in seiner grenzenlosen Ödnis ein bisschen leid tun. Aber eben nur ein bisschen. Und auch nur fast.

Knutschbacken der Woche: Rammstein

Es klingt ein bisschen absurd, wenn man Rammstein attestiert, sie hätten die kleine Geste für sich entdeckt. Immerhin verdient sich diese Band seit Jahren deppert daran, eine Art Rocky-Horror-Germaniashow mit dem Pyrotechnikeinsatz eines Kleinstadtsilvesterfests zu veranstalten. Aber in den vergangenen Wochen provozierten Rammstein eher mit dem weniger ausladenden, aber eindeutigen Fingerzeig. Erst kürzlich surften Bandmitglieder bei einem Konzert in Frankfurt im Schlauchboot über die Menschenmenge, bevor Sänger Till Lindemann sie auf der Bühne mit einem „Willkommen“-Schild in der Hand in Empfang nahm. Man kann (wie in den vergangenen Tagen geschehen), natürlich so tun, als sei das mal wieder ein besonders ausgebufftes Meta-Witzchen – oder einfach mal die einfachste Interpretation dieser Performance zulassen: Lasst halt keine Menschen im Mittelmeer ersaufen.



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