Highlight: Mit Rammstein, Tool, The Cure und Die Ärzte: Eure musikalischen Hoffnungen für 2019

Jahresrückblick

Warum Feine Sahne Fischfilet die beste Band des Jahres 2018 waren – und gleichzeitig eine ziemlich lausige

Es war kurz vor der Bundestagswahl 2017. Da wollten wir vom Musikexpress in einer großen Fragebogenaktion von Rock-, Pop- und Unterhaltungskünstlern quer durchs Land wissen, in welchem Maß sie sich politisch einsetzen. Ob und wie sie ihre Reichweite zur Einflussnahme nutzen und sich auch in ihrer Musik politisch ausdrücken. Wir wollen ehrlich sein: Die Rücklaufquote war bescheiden, der Erkenntnisgewinn trotzdem gar nicht so gering.

Denn die, die geantwortet hatten, immerhin grob die wichtigsten Genres abdeckend, von Fanta Vier über Max Prosa und Clueso bis hin zu Die Sterne und Slime, boten ein vielfältiges Bild der Meinungen und Haltungen – ausgehend von „Ich bin eher eine politisch interessierte Privatperson“ (Kool Savas) bis hin zu „Als Künstler wird man immer als politische Person betrachtet“ (Flavio Bacon von Human Abfall).

Man kann ja auch schon als passiver Hörer, nerdy Beobachter oder echter Fan nächtelang darüber diskutieren: Worin besteht die gesellschaftspolitische Aufgabe von Pop- und Rockmusik(ern)? Dass es eine gibt, daran darf mit Blick auf die Geschichte von „Give Peace A Chance“ über „Born In The USA“ bis zu „This Is America“ kein Zweifel bestehen. Welche Art Statements, Initiativen oder sogar Songs, Alben, Videos und so weiter sind tatsächlich wünschenswert – ohne dass sich your favorite Art-Rock-Band in die Biermanns von nebenan verwandelt? Und wollen wir selbst Kunst- und Fabelwesen wie Björk, Helge Schneider und Janelle Monáe für irgendeine gute Sache ins obszöne Blitzlichtgewitter gezerrt sehen? Dazu gleich noch mehr.

2018 kamen jedenfalls erstaunlich viele und auch einige sehr populäre Künstlerinnen und Künstlern zu der Erkenntnis, dass auch sie nun endlich politische Zeichen setzen, ihre Haltung deutlich machen müssen. Eine Reaktion darauf, dass das politische Tagesgeschäft, anhaltende öffentliche Diskussionen und auch die Parolen und Taten auf der Straße immer noch absurdere und gefährlichere Wendungen nehmen – dass wesentliche Teile der Welt immer weiter nach rechts marschieren: in die Arme derer, die dumpfe, schlichte, ausgerechnet nationale und protektionistische, also – historisch bewiesen – absolut untaugliche Antworten auf globale Probleme wie Ungerechtigkeit, Umwelt- und Ressourcenvernichtung, Klimawandel, Korruption, Kulturverlust und so weiter geben. Wenn sie nicht ohnehin nur destruktiv herumpoltern.



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